Montag, 7. Mai 2018

Was ist das Erbe von Karl Marx? (euro|topics)

Zum 200. Geburtstag von Karl Marx ist in dessen Geburtsstadt Trier eine Bronzestatue des Denkers enthüllt worden - ein umstrittenes Geschenk aus China. Bei einem Festakt zur Eröffnung mehrerer Ausstellungen betonte EU-Kommissionspräsident Juncker, dass man Marx aus seiner Zeit heraus verstehen müsse. Dass das nicht so leicht ist, zeigt ein Blick in Europas Presse.
BLOG PITSIRIKOS (GR)

Marx war kein Marxist

Jean-Claude Juncker warnte in Trier davor, Karl Marx für die Verbrechen des Kommunismus verantwortlich zu machen. Blogger Pitsirikos stimmt ihm zu:
„Jeder sollte verstehen, dass Marx kein Marxist war. Marx war Marx. So wie Jesus Christus kein Christ war. Jesus war Jesus. Ist er verantwortlich für die Verbrechen und Grausamkeiten, die im Laufe der Jahrhunderte in seinem Namen stattgefunden haben? Hunderte von Millionen Menschen wurden im Namen Christi getötet. ... Marx schrieb vor 170 Jahren 'Proletarier aller Länder, vereinigt euch'. Es ist offensichtlich, dass die Proletarier sich nicht vereinigen wollen. Meiner Meinung nach haben sowohl Christus als auch Marx einen großen Fehler gemacht: Sie haben vergessen, dass die meisten Menschen Abschaum sind. Darüber stolpern alle Theorien.“
Blogger Pitsirikos
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DER TAGESSPIEGEL (DE)

Er hat der Demokratie zu wenig zugetraut

Marx' Philosophie sollte im Internetzeitalter neu gedacht werden, appelliert Bundespräsident Steinmeier im Tagesspiegel:
„Dieser Moment [der durch die Digitalisierung bedingten Umbrüche] muss nicht in neue Abhängigkeit führen, sondern es öffnen sich ebenso Wege zu mehr Selbstbestimmung und weniger Entfremdung, zu mehr Teilhabe und weniger Ungleichheit. Ob das gelingt, dafür ist eine Größe entscheidend, der Marx stets zu wenig zugetraut hat: die Demokratie nämlich und das Selbstbewusstsein, mit dem wir uns als Demokraten in einer Sozialen Marktwirtschaft die Gestaltung unserer Zukunft zutrauen! Marx sagt: 'Die Ausgeburten ihres Kopfes sind ihnen über den Kopf gewachsen. Vor ihren Geschöpfen haben sie, die Schöpfer, sich gebeugt.' Ich finde: Das Zeitalter von Robotern und Künstlichen Intelligenzen ist ein guter Moment, um Marx das Gegenteil zu beweisen.“
Frank-Walter Steinmeier
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JUTARNJI LIST (HR)

Am Kapitalismus wird nicht gerüttelt

Auch heute könnte man mit Hilfe von Marx' und Engels' Manifest die Gesellschaftsordnung hinterfragen, glaubt Jutarnji list:
„Das Manifest zeigt noch heute, 170 Jahre nach seiner Veröffentlichung, Alternativen zur kapitalistischen Produktion und Gesellschaftsordnung auf. Was die Autoren des Manifests nicht vorhergesehen haben, ist, dass das Kapital in seinem Arbeiter den treuesten Verbraucher finden wird. Mit der Zunahme des individuellen Konsums und dem dazugehörigen Anstieg der materiellen Lebensqualität wird der soziale Frieden erkauft. ... Diskussionen um alternative Produktionsmöglichkeiten werden verzögert. Man weiß, dass die kapitalistische Produktion zu zyklischen Krisen führt, doch sind diese ein Spiegel systematisch unterdrückter Fragen der Gesellschaftsordnung und möglicher Alternativen.“
Toni Prug
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HVG (HU)

Es gibt nichts zu feiern

Noch vor Junckers Rede in Trier formulierte der sich selbst als marktliberal bezeichnende Journalist László Seres seine Erwartungen in einem offenen Brief an den Kommissionschef:
„Ich hoffe, es wird in Trier auch um Pol Pot gehen, den Anführer der roten Khmer, der in den 1970er Jahren einen der größten Genozide der Welt durchgeführt hat. ... An ihn und an die Opfer der Gulags des Marxismus nicht zu denken, das wäre wirklich verlogen. Im Vergleich können wir Osteuropäer noch glücklich sein, dass wir aus den 1960er und 1970er Jahren nur den Autoritarismus, einen dummen Konformismus, das Gefühl unterdrückt und ausgeliefert zu sein, die Abhängigkeit vom Staat und den sozialen Neid als Segnung von Marx' Nachkommen überlassen bekamen.“
László Seres
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