Mirjam Meissner von Merics (Mercator Institute for China Studies) berichtet, China sei der erste Staat, der durch Internetüberwachung (Citizen Scoring) das Verhalten seiner Bürger lenken wolle.
Die Frankfurter Rundschau berichtet dazu (Eine Horrorvision wird Realität" FR 17.9.16), "Peking verheimlicht dabei nichts. [...] Schon die pure Existenz der Überwachung leiste dabei die halbe Arbeit - die Leute verhalten sich anders, wenn sie von dem Punktesystem wissen." Das Internet, das eine inoffizielle Diskussionskultur ermöglichte, sei zum Überwachungsinstrument geworden. "Was es an Freiräumen gibt, dient nun dazu, die Stimmung zu testen, [...] damit die staatlichen Computerprogramme sie auswerten und in die Bewertung einfließen lassen können." Die Auswertung läuft vollautomatisch über Algorithmen.
Mehr dazu:
Mirjam Meissner: China’s Surveillance Ambitions
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Samstag, 17. September 2016
Dienstag, 24. November 2015
Terrorangst in Europa
Angesichts erhöhter Sicherheitsmaßnahmen in Europa nach den Terroranschlägen von Paris diskutiert die Presse: Wie viel Freiheit dürfen Staaten für die Sicherheit opfern? Einige Kommentatoren warnen vor schärferen Kontrollen, andere finden die Angst der Bürger vor Überwachung lächerlich.
Der Standard - Österreich
Sicherheitspolitik spaltet die EU
Die EU droht an der Frage zu zerbrechen, wie viel Freiheit für den Anti-Terror-Kampf geopfert wird, warnt die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Frankreich hat nicht nur die militärische EU-Beistandspflicht eingefordert. Paris wird (mit anderen Staaten) auch bei innerer Sicherheit und Justiz einen schärferen Kurs einfordern. Auf diesem Feld klaffen die Interessen der Mitgliedstaaten weit auseinander - fast noch mehr als bei der Europolitik. Datenkontrolle und -speicherung ist bei Franzosen ebenso akzeptiert wie die Tatsache, dass für Terrorverdächtige ein Teil der Bürgerrechte nicht mehr gilt. Insbesondere in Deutschland, das bisher vom Terror verschont wurde, scheint es genau umgekehrt zu sein. ... Will die Union ihre Offenheit, die Abwesenheit der Grenzkontrollen bewahren, dann müssen ihre Mitgliedstaaten bei Freiheit und Sicherheit dringend einen gemeinsamen Konsens erarbeiten. Gelingt das nicht, könnte die Union zerbröseln." (24.11.2015)
Sme - Slowakei
Lächerliche Angst vor Überwachung
Schärfere Kontrollen machen aus europäischen Staaten nicht gleich Polizeistaaten, ist die liberale Tageszeitung Sme überzeugt: "Die belgische Polizei darf Wohnungen bislang laut Gesetz nur zwischen 5 Uhr morgens und 21 Uhr abends durchsuchen. Da können Terroristen ruhig schlafen. Soll man darüber lachen oder weinen? ... Auch das EU-Parlament blockiert einen acht Jahre alten Gesetzentwurf, der die Fluggesellschaften verpflichtet, Daten der Passagiere zu sammeln. Sicherheitsexperten zufolge könnten diese Daten helfen, ganze Netze des Dschihad aufzudecken. Abgeordnete aber sprechen von einem zu großen Eingriff in die Privatsphäre. Es ist paradox: die Leute verraten im Netz alles Mögliche von sich selbst aber fürchten sich vor dem Gedanken, dass eine Fluggesellschaft ihre Namen und Kreditkartennummern aufbewahrt. Nummern von Kreditkarten, mit denen sie sonst ohne Nachdenken in jedem beliebigen e-Shop einkaufen." (24.11.2015)
Dziennik Gazeta Prawna - Polen
Bloß nicht einschüchtern lassen
Terror wird es immer geben, trotzdem muss Europa Ruhe bewahren, fordert der Philosoph Marcin Król in der konservativen Tageszeitung Dziennik Gazeta Prawna: "Die Terroristen hatten zwischendurch zwar lange nicht zugeschlagen. Doch hatten sie das nicht deswegen gemacht, weil unsere europäischen Sicherheitsdienste so toll gearbeitet haben, sondern weil sie nach dem Tod von Osama bin Laden angeschlagen waren. Jetzt gibt ihnen der Islamische Staat Rückendeckung. ... Grundsätzlich ist niemand vor den Anschlägen der Terroristen sicher. Wir sollten uns aber nicht davon einschüchtern lassen. Und die Politiker müssen endlich in größeren Kategorien denken und langfristig nach vorne schauen. Wenn man die liberalen europäischen Freiheiten nun beschneidet, dann hätten die Terroristen oder andere Feinde der Demokratie wie Putin doch ihre Ziele erreicht. Der Anschlag von Paris ist zwar mit Sicherheit eine Tragödie, doch müssen wir die Verhältnismäßigkeit wahren." (24.11.2015)
The Independent - Großbritannien
Europa lässt sich vom Terror nicht unterkriegen
Trotz der Bedrohung durch den Terror gehen die Menschen in Paris und anderen Städten Europas so weit wie möglich wieder ihrem gewohnten Leben nach, freut sich die linksliberale Tageszeitung The Independent: "Die beherrschende Stimmungslage in Paris und überall auf der Welt ist von entschiedenem Optimismus sowie von einem Widerstand gegen Spaltung und Angst gekennzeichnet. Es ist ermutigend zu sehen, dass sich so viele dagegen stemmen, den Terroristen ihren Wunsch zu erfüllen. Es ist ein Silberstreifen am Horizont in einer Zeit riesiger Trauer, an den Trotz, die Entschlossenheit und den Mut auf universeller Ebene erinnert zu werden, den die Mehrheit der Menschheit in ihrem Waffenarsenal hat. Und zu sehen, wie Europa von der Bedrohung durch alles verzehrenden Hass wieder auf die Beine kommt, reicht, um einen zum Lächeln zu bringen - selbst wenn es nur kurz ist." (23.11.2015)
POLITIK

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz
Anti-IS-Allianz könnte Nato zerreißen
Die Zusammenarbeit zwischen Paris und Moskau im Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien könnte insbesondere das Nato-Bündnis vor Probleme stellen, prophezeit die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Möglicherweise droht mit den neuesten Entwicklungen auch der Nato eine Zerreissprobe, dann nämlich, wenn Washington und Ankara in Syrien eine gegensätzliche Bündnispolitik betreiben oder wenn Frankreich seine Annäherung an Russland in den Augen einiger Bündnispartner übertreibt. Vor allem die osteuropäischen Nato-Staaten stehen einer engen Zusammenarbeit mit Moskau äusserst kritisch gegenüber. Die Annexion der Krim ist weiterhin eine Tatsache, ebenso die Besetzung weiterer Gebiete der Ukraine durch von Russland unterstützte Rebellen." (24.11.2015)
L'Orient le Jour - Libanon
Außenansicht: Bücher statt Bomben gegen den Terror
Die Reaktion auf die Terroranschläge von Paris und Beirut sollte sich nicht nur auf militärische Maßnahmen beschränken, rät die libanesische Tageszeitung L'Orient-Le Jour: "Den IS zu bekämpfen, ist sehr gut. Seine Ausbreitung zu verhindern, ist noch besser. Besser ist es ebenfalls, denjenigen Gründe zum Leben zu geben, die sich davon überzeugen lassen, sich zu opfern. Die Verteidigungshaushalte der zehn größten Weltmächte betragen zusammen über tausend Milliarden Dollar pro Jahr. Das ist eine Eins mit zwölf Nullen. Warum verwenden wir nicht, wie der Friedensnobelpreisträger 2014 [Kailash Satyarthi] es so schön formuliert hat, einen Teil dieses Budgets dazu, Bücher statt Waffen abzuwerfen? Lehrer statt Soldaten einzusetzen? Warum probieren wir nicht, Familien für diejenigen zu finden, die alles verloren haben, anstatt die Zahl der Waisen weiter zu erhöhen? Warum entscheiden wir uns nicht endlich, selbst aufzuräumen, anstatt die Zauberlehrlinge zu spielen und zuzusehen, wie die Besen die Kontrolle beim Putzen übernehmen?" (21.11.2015)
Der Standard - Österreich
Sicherheitspolitik spaltet die EU
Die EU droht an der Frage zu zerbrechen, wie viel Freiheit für den Anti-Terror-Kampf geopfert wird, warnt die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Frankreich hat nicht nur die militärische EU-Beistandspflicht eingefordert. Paris wird (mit anderen Staaten) auch bei innerer Sicherheit und Justiz einen schärferen Kurs einfordern. Auf diesem Feld klaffen die Interessen der Mitgliedstaaten weit auseinander - fast noch mehr als bei der Europolitik. Datenkontrolle und -speicherung ist bei Franzosen ebenso akzeptiert wie die Tatsache, dass für Terrorverdächtige ein Teil der Bürgerrechte nicht mehr gilt. Insbesondere in Deutschland, das bisher vom Terror verschont wurde, scheint es genau umgekehrt zu sein. ... Will die Union ihre Offenheit, die Abwesenheit der Grenzkontrollen bewahren, dann müssen ihre Mitgliedstaaten bei Freiheit und Sicherheit dringend einen gemeinsamen Konsens erarbeiten. Gelingt das nicht, könnte die Union zerbröseln." (24.11.2015)
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Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Terrorismus, » Frankreich,
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Sme - Slowakei
Lächerliche Angst vor Überwachung
Schärfere Kontrollen machen aus europäischen Staaten nicht gleich Polizeistaaten, ist die liberale Tageszeitung Sme überzeugt: "Die belgische Polizei darf Wohnungen bislang laut Gesetz nur zwischen 5 Uhr morgens und 21 Uhr abends durchsuchen. Da können Terroristen ruhig schlafen. Soll man darüber lachen oder weinen? ... Auch das EU-Parlament blockiert einen acht Jahre alten Gesetzentwurf, der die Fluggesellschaften verpflichtet, Daten der Passagiere zu sammeln. Sicherheitsexperten zufolge könnten diese Daten helfen, ganze Netze des Dschihad aufzudecken. Abgeordnete aber sprechen von einem zu großen Eingriff in die Privatsphäre. Es ist paradox: die Leute verraten im Netz alles Mögliche von sich selbst aber fürchten sich vor dem Gedanken, dass eine Fluggesellschaft ihre Namen und Kreditkartennummern aufbewahrt. Nummern von Kreditkarten, mit denen sie sonst ohne Nachdenken in jedem beliebigen e-Shop einkaufen." (24.11.2015)
Dziennik Gazeta Prawna - Polen
Bloß nicht einschüchtern lassen
Terror wird es immer geben, trotzdem muss Europa Ruhe bewahren, fordert der Philosoph Marcin Król in der konservativen Tageszeitung Dziennik Gazeta Prawna: "Die Terroristen hatten zwischendurch zwar lange nicht zugeschlagen. Doch hatten sie das nicht deswegen gemacht, weil unsere europäischen Sicherheitsdienste so toll gearbeitet haben, sondern weil sie nach dem Tod von Osama bin Laden angeschlagen waren. Jetzt gibt ihnen der Islamische Staat Rückendeckung. ... Grundsätzlich ist niemand vor den Anschlägen der Terroristen sicher. Wir sollten uns aber nicht davon einschüchtern lassen. Und die Politiker müssen endlich in größeren Kategorien denken und langfristig nach vorne schauen. Wenn man die liberalen europäischen Freiheiten nun beschneidet, dann hätten die Terroristen oder andere Feinde der Demokratie wie Putin doch ihre Ziele erreicht. Der Anschlag von Paris ist zwar mit Sicherheit eine Tragödie, doch müssen wir die Verhältnismäßigkeit wahren." (24.11.2015)
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The Independent - Großbritannien
Europa lässt sich vom Terror nicht unterkriegen
Trotz der Bedrohung durch den Terror gehen die Menschen in Paris und anderen Städten Europas so weit wie möglich wieder ihrem gewohnten Leben nach, freut sich die linksliberale Tageszeitung The Independent: "Die beherrschende Stimmungslage in Paris und überall auf der Welt ist von entschiedenem Optimismus sowie von einem Widerstand gegen Spaltung und Angst gekennzeichnet. Es ist ermutigend zu sehen, dass sich so viele dagegen stemmen, den Terroristen ihren Wunsch zu erfüllen. Es ist ein Silberstreifen am Horizont in einer Zeit riesiger Trauer, an den Trotz, die Entschlossenheit und den Mut auf universeller Ebene erinnert zu werden, den die Mehrheit der Menschheit in ihrem Waffenarsenal hat. Und zu sehen, wie Europa von der Bedrohung durch alles verzehrenden Hass wieder auf die Beine kommt, reicht, um einen zum Lächeln zu bringen - selbst wenn es nur kurz ist." (23.11.2015)
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Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Kriminalität, » Gesellschaft, » Terrorismus,»
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POLITIK
Neue Zürcher Zeitung - Schweiz
Anti-IS-Allianz könnte Nato zerreißen
Die Zusammenarbeit zwischen Paris und Moskau im Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien könnte insbesondere das Nato-Bündnis vor Probleme stellen, prophezeit die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Möglicherweise droht mit den neuesten Entwicklungen auch der Nato eine Zerreissprobe, dann nämlich, wenn Washington und Ankara in Syrien eine gegensätzliche Bündnispolitik betreiben oder wenn Frankreich seine Annäherung an Russland in den Augen einiger Bündnispartner übertreibt. Vor allem die osteuropäischen Nato-Staaten stehen einer engen Zusammenarbeit mit Moskau äusserst kritisch gegenüber. Die Annexion der Krim ist weiterhin eine Tatsache, ebenso die Besetzung weiterer Gebiete der Ukraine durch von Russland unterstützte Rebellen." (24.11.2015)
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Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen,» Terrorismus, » Frankreich, » RusslandDebatten verfolgen » Neuer Krieg gegen den Terror?
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L'Orient le Jour - Libanon
Außenansicht: Bücher statt Bomben gegen den Terror
Die Reaktion auf die Terroranschläge von Paris und Beirut sollte sich nicht nur auf militärische Maßnahmen beschränken, rät die libanesische Tageszeitung L'Orient-Le Jour: "Den IS zu bekämpfen, ist sehr gut. Seine Ausbreitung zu verhindern, ist noch besser. Besser ist es ebenfalls, denjenigen Gründe zum Leben zu geben, die sich davon überzeugen lassen, sich zu opfern. Die Verteidigungshaushalte der zehn größten Weltmächte betragen zusammen über tausend Milliarden Dollar pro Jahr. Das ist eine Eins mit zwölf Nullen. Warum verwenden wir nicht, wie der Friedensnobelpreisträger 2014 [Kailash Satyarthi] es so schön formuliert hat, einen Teil dieses Budgets dazu, Bücher statt Waffen abzuwerfen? Lehrer statt Soldaten einzusetzen? Warum probieren wir nicht, Familien für diejenigen zu finden, die alles verloren haben, anstatt die Zahl der Waisen weiter zu erhöhen? Warum entscheiden wir uns nicht endlich, selbst aufzuräumen, anstatt die Zauberlehrlinge zu spielen und zuzusehen, wie die Besen die Kontrolle beim Putzen übernehmen?" (21.11.2015)
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Mittwoch, 3. Juli 2013
Edward Snowden
Es sind zwei Skandale.
Da ist einerseits der Umfang der Überwachung von unverdächtigen Bürgern und damit der Verstoß gegen die Menschenwürde (Recht auf informationelle Selbstbestimmung). (mehr dazu) Das Wesentliche war freilich bereits 1989 bekannt. Durch die Informationen von Edward Snowden ist es freilich auch einer breiten Öffentlichkeit bewusst geworden. Wenn Politiker jetzt Empörung zeigen, frage ich mich: Haben sie nicht mitbekommen, dass die deutschen Geheimdienste ständig Informationen von befreundeten Geheimdiensten beziehen und insofern ihre Arbeit in wesentlichem Umfang auf der Basis von Menschenrechtsverletzungen tun? - Ich kann es nicht glauben. Auch wenn ich es zu glauben vermöchte, bliebe mir nur die Möglichkeit, sie als Ignoranten statt als Heuchler einzuordnen.
Der zweite Skandal ist der noch größere. Jetzt hat endlich einmal ein junger Mann sich nicht auf Befehlsnotstand berufen, sondern bekannt gemacht, was an Menschenrechtsverletzungen ausgeübt wird. Und was passiert?
Weltweit beginnt eine Verfolgungsjagd auf ihn. Alle Staaten, die sich bisher zur Frage eines Schutzes vor Verfolgung geäußert haben, weisen ihn ab. Man wünschte sich, Amnesty International besäße wie die katholische Kirche einen eigenen Staat, wo AI ihn vor Verfolgung schützen könnte, so wie Großbritannien es mit Salman Rushdie getan hat, als die Fatwa gegen ihn ausgesprochen wurde.*
Man kann darüber streiten, ob seine Tat notwendig und sinnvoll war. Aber dass er sie aus Gewissensnot getan hat, weil er glaubt, ein so ungeheurer weltweiter Angriff auf die Menschenrechte der Bürger aller Staaten dürfe nicht verborgen bleiben, scheint mir unzweifelhaft.
*Freilich, der Staat hätte im Nu Millionen von neuen Bewohnern. Wie groß müsste sein Territorium sein?
dazu: Zwangslandung für den bolivianischen Präsidenten
H.Prantl am 3.7.13 in der SZ (S.4) weist auf §4 des Asylverfahrensgesetzes hin, wonach Asylentscheidungen im Fall, dass Auslieferungsabkommen bestehen, nichtig sind. "Auslieferung geht vor."
Mein Kommentar: Wer kann sicher sein, dass Snowden nach einer Auslieferung nicht mit dem Tode bestraft würde? - Dass die USA als Rechtsstaat gelten, bedeutet noch nicht, dass dort die Todesstrafe abgeschafft wäre.
Nachtrag:
Interview mit Edward Snowden: NSA liefert BND Werkzeuge für Lauschangriff , Spiegel online, 7.7.13
So wird nach und nach klar, wie die Überwachungsprogramme von NSA und GCHQ, Prism, Tempora und Boundless Informant zusammenwirken: Die Metadaten-Abfrage gibt Analysten Hinweise, für welche Kommunikationen und Inhalte sie sich vielleicht interessieren könnten, dann, sagt Snowden sinngemäß, lässt sich per Knopfdruck festlegen, dass von einer Person oder einer Gruppe alle verfügbaren Inhalte im Volltext mitgeschnitten oder anderweitig erfasst werden. Zum Zielobjekt könne man aber auch "aufgrund des eigenen Facebook-Profils oder der eigenen E-Mails" werden."
Snowden beantragt Asyl in Venezuela Zeit online, 9.7.13
Da ist einerseits der Umfang der Überwachung von unverdächtigen Bürgern und damit der Verstoß gegen die Menschenwürde (Recht auf informationelle Selbstbestimmung). (mehr dazu) Das Wesentliche war freilich bereits 1989 bekannt. Durch die Informationen von Edward Snowden ist es freilich auch einer breiten Öffentlichkeit bewusst geworden. Wenn Politiker jetzt Empörung zeigen, frage ich mich: Haben sie nicht mitbekommen, dass die deutschen Geheimdienste ständig Informationen von befreundeten Geheimdiensten beziehen und insofern ihre Arbeit in wesentlichem Umfang auf der Basis von Menschenrechtsverletzungen tun? - Ich kann es nicht glauben. Auch wenn ich es zu glauben vermöchte, bliebe mir nur die Möglichkeit, sie als Ignoranten statt als Heuchler einzuordnen.
Der zweite Skandal ist der noch größere. Jetzt hat endlich einmal ein junger Mann sich nicht auf Befehlsnotstand berufen, sondern bekannt gemacht, was an Menschenrechtsverletzungen ausgeübt wird. Und was passiert?
Weltweit beginnt eine Verfolgungsjagd auf ihn. Alle Staaten, die sich bisher zur Frage eines Schutzes vor Verfolgung geäußert haben, weisen ihn ab. Man wünschte sich, Amnesty International besäße wie die katholische Kirche einen eigenen Staat, wo AI ihn vor Verfolgung schützen könnte, so wie Großbritannien es mit Salman Rushdie getan hat, als die Fatwa gegen ihn ausgesprochen wurde.*
Man kann darüber streiten, ob seine Tat notwendig und sinnvoll war. Aber dass er sie aus Gewissensnot getan hat, weil er glaubt, ein so ungeheurer weltweiter Angriff auf die Menschenrechte der Bürger aller Staaten dürfe nicht verborgen bleiben, scheint mir unzweifelhaft.
*Freilich, der Staat hätte im Nu Millionen von neuen Bewohnern. Wie groß müsste sein Territorium sein?
dazu: Zwangslandung für den bolivianischen Präsidenten
H.Prantl am 3.7.13 in der SZ (S.4) weist auf §4 des Asylverfahrensgesetzes hin, wonach Asylentscheidungen im Fall, dass Auslieferungsabkommen bestehen, nichtig sind. "Auslieferung geht vor."
Mein Kommentar: Wer kann sicher sein, dass Snowden nach einer Auslieferung nicht mit dem Tode bestraft würde? - Dass die USA als Rechtsstaat gelten, bedeutet noch nicht, dass dort die Todesstrafe abgeschafft wäre.
Nachtrag:
Interview mit Edward Snowden: NSA liefert BND Werkzeuge für Lauschangriff , Spiegel online, 7.7.13
So wird nach und nach klar, wie die Überwachungsprogramme von NSA und GCHQ, Prism, Tempora und Boundless Informant zusammenwirken: Die Metadaten-Abfrage gibt Analysten Hinweise, für welche Kommunikationen und Inhalte sie sich vielleicht interessieren könnten, dann, sagt Snowden sinngemäß, lässt sich per Knopfdruck festlegen, dass von einer Person oder einer Gruppe alle verfügbaren Inhalte im Volltext mitgeschnitten oder anderweitig erfasst werden. Zum Zielobjekt könne man aber auch "aufgrund des eigenen Facebook-Profils oder der eigenen E-Mails" werden."
Dienstag, 25. Juni 2013
Überwachungsprogramme
Edward Snowden hat sich verdient gemacht. Jetzt wissen wir relativ viel über etwas, was wir schon lange ahnten und fürchteten: Die Überwachungsprogramme heißen PRISM und Tempora.
Offenbar sind schnellere und größere Programme jetzt imstande, auch E-Mails von Unverdächtigen in großem Stile zu überwachen und auszuwerten. Und das wird ausgenutzt.
Was technisch möglich ist, wird auch gemacht, heißt das. Für mich in diesem Falle nur eine Variante von Murphys Gesetz, kurz gesagt: Was schief gehen kann, geht schief.
Es sei denn, die Gesellschaft wehrt sich mit aller Macht dagegen. Dann geht es nur so schief, wie es danach noch kann.
Jetzt ist also die Chance, informiert über solche Überwachung zu diskutieren. Wir verdanken sie Edward Snowden. Ich wünsche ihm alles Gute.
Fortsetzung 29.6.13
Die NSA belauschte auch Botschaften der EU in Washington und bei den Vereinten Nationen siówie Vertreter der EU in Brüssel.
Jetzt wird das Privatleben Glenn Greenwalds, des Reporters des Londoner "Guardian", der Edward Snowdens NSA-Enthüllungen publik machte, ausgespäht und publik gemacht. Er selbst meint dazu: "Man fordert den mächtigsten Staat auf der Erde nicht heraus, ohne selber angegriffen zu werden." Spiegel online berichtet weiter:" "Greenwald hat eindeutig ein Kapitalverbrechen begangen", dozierte Promi-Anwalt und Harvard-Professor Alan Dershowitz auf CNN."
Rückschau auf 1989:
Link zur vollständigen Titelgeschichte:
Offenbar sind schnellere und größere Programme jetzt imstande, auch E-Mails von Unverdächtigen in großem Stile zu überwachen und auszuwerten. Und das wird ausgenutzt.
Was technisch möglich ist, wird auch gemacht, heißt das. Für mich in diesem Falle nur eine Variante von Murphys Gesetz, kurz gesagt: Was schief gehen kann, geht schief.
Es sei denn, die Gesellschaft wehrt sich mit aller Macht dagegen. Dann geht es nur so schief, wie es danach noch kann.
Jetzt ist also die Chance, informiert über solche Überwachung zu diskutieren. Wir verdanken sie Edward Snowden. Ich wünsche ihm alles Gute.
Fortsetzung 29.6.13
Die NSA belauschte auch Botschaften der EU in Washington und bei den Vereinten Nationen siówie Vertreter der EU in Brüssel.
Jetzt wird das Privatleben Glenn Greenwalds, des Reporters des Londoner "Guardian", der Edward Snowdens NSA-Enthüllungen publik machte, ausgespäht und publik gemacht. Er selbst meint dazu: "Man fordert den mächtigsten Staat auf der Erde nicht heraus, ohne selber angegriffen zu werden." Spiegel online berichtet weiter:" "Greenwald hat eindeutig ein Kapitalverbrechen begangen", dozierte Promi-Anwalt und Harvard-Professor Alan Dershowitz auf CNN."
Rückschau auf 1989:
Abhören? Wir, die Deutschen? "Das hatten wir gar nicht nötig", so Höcherl heute, "wenn wir was wissen wollten, haben wir's den Amerikanern gesagt."zitiert aus dem Spiegel vom 20. Februar 1989
Link zur vollständigen Titelgeschichte:
NSA: Amerikas großes Ohr
Die National Security Agency, der aggressivste US-Nachrichtendienst, hört Freund und Feind ab
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