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Donnerstag, 4. Januar 2018

Golo Mann über Politik

Im Interview mit Günter Gaus sagt Golo Mann 1965 sinngemäß:
Politik wird immer in gewissem Umfang ein "schmutziges Geschäft" sein, auch die von entschieden moralisch denkenden Politikern, weil der Mensch "aus krummem Holz geschnitzt" ist (was eine konservative Einsicht ist). Aber sie sollte moralisch sein und darf dieses Ziel bei allen Kompromissen nicht aus dem Auge verlieren. (Youtube ab Minute 54)

Minute 57:40 spricht er über die Notwendigkeit, die Oder-Neiße-Grenze anzuerkennen

Ich suche nach der Wiederherstellung des Rechts auf beiden Seiten, wenn auch die andere Seite versöhnliche Gesten machen könnte.
Eine moralische Außenpolitik, die die Interessen beider Seiten zu "versöhnen" versucht, ist zur "praktischen Notwendigkeit" geworden.
(Auf Europa bezogen:) "Weil der Krieg nichts mehr lösen kann, muss doch etwas anderes versucht werden."

Zu beachten sind in dem Kontext auch die Hinweise auf Gaus-Interviews mit Politikern.

Freitag, 18. Juli 2014

Merkel und Jürgen Osterhammel

Zu Merkels 60. Geburtstag referiert Jürgen Osterhammel über das Thema: "Vergangenheiten: Über die Zeithorizonte der Geschichte"
Vor zehn Jahren hatte der Hirnforscher Wolf Singer über die "Utopie der Planbarkeit der Zukunft" referiert. Das passte exakt zu Merkels Verständnis von Politik als Prozess: Bloß keine Visionen, keine großen Pläne, Schritt für Schritt geht es voran.
Schwere Kost vom Historiker
Nun also der Blick zurück, da denkt sich mancher: Ist das ein Signal? Arbeitet die Kanzlerin schon an ihrem Bild für die Geschichtsbücher? Diese würde solche Interpretationen natürlich weit von sich weisen. Tatsächlich lässt sich auch Osterhammel wie die wissenschaftliche Untermauerung von Merkels Politik der kleinen Schritte verstehen. 45 Minuten lang stellt er alle Gewissheiten in Frage, die die Geschichtsschreibung vermeintlich bietet. Der Faktor Zeit sei nicht zu beherrschen, mahnt er, die Welt nur als Ganzes zu begreifen. "Wer weiter eurozentrisch denkt, ist begründungspflichtig", sagt Osterhammel. (Geburtstagsfeier für Merkel: "Humor ist, wenn man trotzdem kommt", Spiegel online, 17.7.14)
Merkel gibt sich also präsidial, nicht um die Gerüchte über ihre Pläne, die Kanzlerschaft vor Ende der Legislaturperiode soll es gehen, sondern um geschichtliche Zeithorizonte. Osterhammel ist Spezialist für Globalgeschichte, Weltgeschichte. Das sind die Dimensionen, in denen hier gedacht werden soll.

Sonntag, 21. April 2013

Demokratie in den USA um 1750

"Männer, die um 1750 in Maryland zu Abgeordneten gewählt wurden, besaßen im Durchschnitt zehn bis zwölf Sklaven und über fünfhundert Hektar Land."

Mark Häberlein im Abschnitt "1607-1800" in: Philipp Gassert, Mark Häberlein, Michael Wala: Kleine Geschichte der USA, Reclam 2007

Aus der oben verlinkten Rezension dieser "Kleinen Geschichte der USA" möchte ich noch Folgendes zitieren:

"Bereits in der frühen Republik finden sich religiöse Erweckungsbewegungen sowie die im 20. Jahrhundert in Form der Prohibition wiederkehrende Temperenzbewegung, die bereits 1836 totale Abstinenz forderte (263). Erwähnt sei hier Michael Walas kurzweilige Kulturgeschichte des Alkoholkonsums in den USA, dem im 19. Jahrhundert weder Frauen noch Kinder abgeneigt waren. Letztere nahmen den Alkohol in Form der sogenannten "toddies" zu sich, einem Gemisch aus Fruchtsäften, hochprozentigem Alkohol und Zucker (258ff.)."

Offenbar sind wir zu diesen Zuständen zurückgekehrt.

Sonntag, 11. November 2007

Besucher bei Bush

Sarkozy hat bei seinem Besuch die Wahlverwandschaft der amerikanischen und der französischen Revolution herausgestellt, Damit folgt er dem Grunsatz, "dass jede Epoche sich die Geschichte schafft, die sie braucht", wie Michael Stürmer trocken feststellt.

Angela Merkel ist zur Zusammenarbeit bei Druck auf den Iran bereit, fordert aber Verständnis für ihre Position, die Türkei nicht in die EU aufzunehmen (da "die EU nicht um jeden Preis der Ausputzer sein kann für die geopolitische Problemlage der Türkei", so wieder Stürmer).

Erdogan, der türkische Premier, protestiert gegen die Behandlung des Völkermordes an den Armeniern im Repräsentantenhaus und rechtfertigt sein Vorgehen gegen Kurden im Irak.

Die USA sind weiterhin einzige Ordnungsmacht der Welt. Hoffentlich wird ein neues Staatsoberhaupt bald die Rolle zugunsten von mehr Multilateralität aufgeben. Dass Bush nicht wie vermutlich Putin seine de-facto-Wiederwahl erreichen kann, das darf man wohl zu Recht hoffen.

Und das ist es, was mich wirklich hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt. Auch wenn Schwarzeneggers Umweltschutz, den Bush bekämpft, nicht ganz meinen Idealvorstellungen entsprecht.