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Montag, 17. April 2023

euro|topics: Deutscher Atomausstieg: Gemischtes Echo in Europa

 


Deutscher Atomausstieg: Gemischtes Echo in Europa

Deutschlands Atomausstieg ist vollzogen: Nach einer dreieinhalbmonatigen Laufzeitverlängerung wurden am 15. April um 23:59 Uhr die drei letzten deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet. Andere europäische Staaten setzen hingegen weiter auf die Technologie, die im Zuge der Klima- und Energiekrise zuletzt wieder mehr Befürworter gewonnen hat, oder planen wie Polen gar den Einstieg. Das spiegelt sich auch in den Kommentarspalten.

ČESKÝ ROZHLAS (CZ)

So ambitioniert wie verwirrend

Český rozhlas wundert sich:

„Was passiert da in Deutschland, dessen rund drei Dutzend Kernkraftwerke im vergangenen halben Jahrhundert keine einzige größere Störung hatten und traditionell an der Spitze der internationalen Sicherheitsrangliste standen? Und wie passt das Image Deutschlands als treibende Kraft im Kampf gegen den Klimawandel dazu, dass man vergangenes Jahr die Produktion seiner Kohlekraftwerke um mehr als acht Prozent steigern musste, um seine Energie zu sichern? ... Am Ende hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass es sich um eine veraltete Technologie handele, in die es keinen Sinn mache, weitere Milliarden zu stecken. Und je früher Deutschland dieses Kapitel abschließe, desto schneller werde es die erneuerbaren Energien ausbauen. ... Hoffentlich endet der ambitiöse Plan nicht wie ein Sprung aus dem Flugzeug ohne Fallschirm. “

Lída Rakušanová
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AARGAUER ZEITUNG (CH)

Alleingang kein Vorbild

Die Aargauer Zeitung empfiehlt den deutschen Weg nicht zur Nachahmung:

„Dem Land ist mit der Abschaltung der Meiler freilich nicht gedient, ja nicht einmal dem Klima: Der Anteil schmutziger Kohlekraftwerke an der deutschen Stromerzeugung nimmt durch den Atomausstieg zu, auch weil die Bundesrepublik mittlerweile auf russisches Gas verzichtet. So werden Kernkraftwerke ausgemustert, die als sicher und modern gelten, während in Frankreich oder der Tschechischen Republik Meiler weiterlaufen, deren Zustand Anlass zur Sorge gibt. ... In Europa steht die Bundesrepublik einsam da: Polen will in die Kernkraft einsteigen; Schweden, das einmal aussteigen wollte, plant neue Reaktoren. ... Deutschland wäre gerne Vorbild. Aber die Welt folgt ihm aus guten Gründen nicht.“

Hansjörg Friedrich Müller
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TAGEBLATT (LU)

Ausstieg wird Deutschland stärken

Mittel- und langfristig wird Deutschland mit seiner Strategie zu den Gewinnern zählen, glaubt das Tageblatt:

„Das Land zwingt sich nun, die Erneuerbaren und das dafür benötigte Umfeld schnell auszubauen. Teure Importe von Energie dürften somit bald der Vergangenheit angehören. Das wird das Land wirtschaftlich stärken. Bereits 2030 will Deutschland 80 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugen. In Frankreich hingegen fehlt es an der Einsicht, dass diese Art der Energiegewinnung [Atomkraft] nicht die Lösung ist. ... Deutschland steht nun in der Verantwortung: Der Welt zeigen, dass es auch ohne geht.“

Christian Muller
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DIÁRIO DE NOTÍCIAS (PT)

Dieser Schritt ändert alles

Diário de Notícias sieht hinter der Ausstiegsentscheidung gute wirtschaftliche Gründe:

„Wir wissen heute, dass die Produktionskosten pro Kilowattstunde Strom aus erneuerbaren Energiequellen - im Falle der Windkraft und der Photovoltaik - im Vergleich zur Kernenergie bereits ein Drittel betragen. Und sie werden weiter sinken. ... Die Entscheidung Deutschlands erscheint vernünftig und setzt stark auf die Vorzüge der erneuerbaren Energien als Alternative, die bekanntlich noch mit der Frage der Speicherung und der Verteilung zu kämpfen haben. Eines ist sicher: Mit diesem Schritt Deutschlands wird nichts mehr so sein wie bisher. “

José Mendes
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ILTALEHTI (FI)

Mehr Atomkraft nötig

Zeitgleich mit Deutschlands Abschied von der Kernkraft ging in Finnland Europas leistungsstärkster Atomreaktor Olkiluoto 3 ans Netz. Iltalehti freut sich:

„Finnland wird sich nun zum ersten Mal seit Jahrzehnten praktisch selbst mit Strom versorgen können. … Die Verbraucher können sich über die Fertigstellung von OL3 freuen. Schon während des Testlaufs wurde deutlich, dass das neue große Kernkraftwerk den Strompreis senkt. … Die Energiekrise von 2022 und der Klimawandel haben gezeigt, dass mehr Kernenergie benötigt wird. Für Megaprojekte wie OL3 ist die Zeit nun vorbei. Die nächste Regierung sollte daher die Genehmigungsverfahren flexibler gestalten, damit Finnland kleine Kernkraftwerke bauen kann. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um die Zukunft der Kernkraft voranzutreiben.“

Mika Koskinen
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Mittwoch, 1. Juni 2011

Schwarz-gelb "hemmungslos" auf dem Weg nach links?

Susanne Gaschke konstatiert "das Phänomen einer schwarz-gelben Regierung [...], die hemmungslosehemals linke Positionen besetzt" (ZEIT vom 1.6.11).
Rösler versucht, einen Imagewechsel für die FDP herbeizuführen und kann sich doch von der Klientelpolitik nicht trennen. Merkel lässt der Industrie das Scheunentor weit offen für Klagen, nur um nicht rot-grüne Vorstellungen zum Atomausstieg mitberüchsichtigen zu müssen.
"Hemmungslos" mag sein, nur nicht  linke Positionen.

Dienstag, 24. Mai 2011

Dienstag, 22. März 2011

Einige Links zu natur- und menschengemachten Katastrophen in Japan, Atomkraftwerken u.a.

Brüderle: Moratorium ist nur Wahlkampftaktik
Aus dem Protokoll:
Herr Dr. Keitel machte darauf aufmerksam, dass derzeit eine Meldung über die Ticker laufe, wonach die Bundesregierung am Nachmittag ein Moratorium der Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke bekannt geben wolle. Der Minister bestätigte dies und wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien. Er sei ein Befürworter der Kernenergie in Deutschland und für ihn sei klar, dass die energieintensive Industrie in der Wertschöpfungskette gebraucht werde. Es könne daher keinen Weg geben, der sie in ihrer Existenz gefährde. (Spiegel online)
In der weiteren Aussprache, an der sich die Herren Dr. Enders und Dr. Keitel beteiligten, bezweifelte der Minister, ob das Bekenntnis der Politik zur Kernenergie flächendeckend sei."

Merkel spielt auf Zeitgewinn und setzt Kommissionen ein.
Das Rezept, das bei Stuttgart 21 gewirkt hat, soll wieder helfen.

Erdbeben in Japan u.a.
          Minamisoma
          Strahlenbelastung von Arbeitern in Fukushima
          Leck in Reaktor 2 (kontaminiertes Wasser fließt direkt ins Meer, 2.4.2011)

Unruhen in Libyen und Reaktionen darauf
         Nato zerstreitet sich über Libyenaktionen
allgemein:
Unruhen in der arabischen Welt

Atomausstieg u.ä.:
Atomausstieg
Energiewirtschaft
speziell: Erneuerbare Energien
        Finanzspritze für offshore Windkraftanlagen

Links zu

Atomkraft, Atomkraftwerke, Atomlaufzeiten, Atommüllendlager, Atommülllager Asse,
Atomwaffen, Atomwaffensicherheit in den USA, Atomwaffensicherheit in Russland, Atomkonflikt mit Nordkorea


Übersicht über Themenseiten von Spiegel online

Donnerstag, 17. März 2011

Ich will nicht recht behalten!

Da ich aus privaten Gründen einige Tage am Bloggen verhindert war, möchte ich jetzt wenigstens so viel schreiben: Ich will nicht, dass die deutsche Regierung durch eine Katastrophe in Japan gezwungen wird, einsichtig zu werden. Lieber soll sie weitermachen wie bisher, als dass das passiert, was jetzt schon fast unvermeidlich erscheint, dass viele Millionen von einer atomaren Katastrophe so schwer betroffen werden, dass eine umweltpolitische Zeitenwende eintritt. (vgl. Spiegel-online-Artikelserie zu Fukushima)
Kurz gesagt: Ich habe den internationalen Terrorismus von Anfang an für weniger gefährlich gehalten als die Kernenergie. Aber - zugegebenermaßen - ich habe irgendwie die Wahrscheinlichkeit einer ganz großen Katastrophe für so gering gehalten, dass ich die unmittelbare Bedrohung für mich persönlich in beiden Fällen als relativ gering eingeschätzt habe.

Ich hoffe sehr, dass in der Geschichte Gaddafi als schuldiger erscheinen wird als die hartnäckigen Befürworter der Kernenergie. Ich hoffe es inständig.

Über die atomare Abschreckung habe ich 1989 im Rahmen einer Artikelserie geschrieben:
Wir sehen, das System der atomaren Abschreckung schafft eine Verantwortung, die kein Mensch übernehmen kann. Mehr noch: Jeder Mensch, der für dieses System mitverantwortlich ist, trägt eine Verantwortung, die ungeheuerlicher ist als selbst die, die Hitler frevlerischerweise zu übernehmen versprach.

Vor der Ungeheuerlichkeit eines atomaren Weltkrieges ist die Welt bis heute verschont geblieben.
Noch ist aber nicht sicher, dass nicht in tausend Jahren einmal festgestellt werden wird:
Wir haben erlebt, dass das System der Energiegewinnung mit Kernkraft eine Verantwortung geschaffen hat, die kein Mensch übernehmen kann. Mehr noch: Jeder Mensch, der für dieses System mitverantwortlich war, trägt eine Verantwortung, die ungeheuerlicher ist als selbst die, die Hitler frevlerischerweise zu übernehmen versprach.
Wir haben uns auf die Kernkraft eingelassen, und ich sehe keine Möglichkeit, mich aus dieser Verantwortung der Menschheit mit einer "Gnade der späten Geburt" herauszureden.
So bleibt mir nur ein Wort von Matthias Claudius für mich umzuformen. Er schrieb:

's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
's ist leider Krieg - und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Es wäre wie der Ruf des Zauberlehrlings, wenn ich jetzt Gott anriefe "Herr, die Not ist groß! Die ich rief die Geister, werd ich nun nicht los."
Natürlich will ich nicht schuldig sein. Aber eine Mitverantwortung für die Folgen der "friedlichen Nutzung der Atomenergie" trifft uns alle, die wir nicht mit unserer ganzen Energie dafür gekäpft haben, sie rechtzeitig abzuschaffen.
Und auch uns betrifft Claudius Frage:

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blass,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?

Es wären freilich keine Erschlagenen, sondern die vielen Strahlenopfer des Unglücks von Tschernobyl und möglicher späterer Katastrophen, für die wir die Verantwortung tragen, insbesondere die, - mehr oder minder sehenden Auges - einen schrecklichen Tod an Strahlenkrankheit wählen, um der Menschheit die ungeheuerliche Schuld zu ersparen. An sich müssten sie uns schon heute vor Augen stehen.
Ich wünsche sehr, das das anscheinend Unabwendbare doch noch abgewendet wird, dass das Opfer uns noch einmal rettet und uns noch die Chance zur späten Einsicht gewährt wird.

Hier das vollständige "Kriegslied" von Matthias Claudius:

's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
Und rede du darein!
's ist leider Krieg - und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!


Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
Und blutig, bleich und blass,
Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,
Und vor mir weinten, was?


Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
Verstümmelt und halb tot
Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten
In ihrer Todesnot?


Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,
So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
Wehklagten über mich?


Wenn Hunger, böse Seuch' und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?


Was hülf mir Kron' und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
's ist leider Krieg - und ich begehre
Nicht schuld daran zu sein!

Es wäre mir lieb, wenn ich mir einreden könnte, alle Opfer einer Atomkatastrophe in Japan wären allein Opfer einer Naturkatastrophe. Aber nein, die Nutzung der Kernkraft zur Energiegewinnung ist von Menschen entwickelt worden und ist von Menschen zu verantworten.

Für die, denen meine Aussagen zu gefühlsbetont erscheinen:
Tōhoku-Erdbeben 2011
Folgen des Erdbebens für Kernkraftwerke
Unfallserie nach dem Erdbeben vom 11. März 2011
Zustand der Reaktorblöcke
Daten der Reaktorblöcke, insbesondere der zwei, deren Leistungsbetrieb ab 2014 bzw. 2015 geplant ist
Fragen zu Fukushima (aus dem Abstand eines in Deutschland Lebenden)
Zum Atom-Moratorium von März 2011
Folgen des Moratoriums: Abschaltung von Biblis A
Planungen für Maßnahmen in Fukushima, falls die jetzigen Notmaßnahmen Erfolg haben sollten

Mittwoch, 3. November 2010

Empfehlenswerte Nachtlektüre?

Die ZEIT berichtet von einer Schlafvorlesung.

RWE umgeht 280 Millionen € Brennelementesteuer durch vorzeitige Auswechslung von Brennelementen. Ob da jemand bei der Ausarberitung der Bestimmungen gut geschlafen hat? Eher wird man wohl von großzügiger Regelung für mächtige Vertragspartner sprechen.
Dass dadurch nicht nur der Staat um Steuermittel gebracht wird, sondern auch Ressourcen verschwendet werden und mehr Atommüll produziert wird, wird gewiss mit einem steigenden Aktienkurs belohnt.

Forbes Liste der Mächtigsten der Erde: Hu vor Obama, Benedikt XVI. vor Merkel

Samstag, 14. August 2010

Aktuelle Links

Oskar Negt: Kritischer Zustand der Gesellschaft

Welternährungskrise nicht vorbei

Energiegiganten wollen Regierung erpressen: AKW-Abschaltung bei Brennelementesteuer
Opposition empört über Verhandlungsbereitschaft der Regierung mit den Erpressern
Merkel weist AKW-Drohung zurück
Sind „Regierung droht bessere Politik an“ und „Unternehmen drohen mit Ende der Umweltverschmutzung“ Drohungen? Stephan Hebel meint, die Stromkonzernen führten sich mit ihrer Drohung mit dem sofortigen Atomausstieg selbst ad absurdum.
19.8.10: Die Wirtschaftsbosse fühlen sich stark genug, ihre Energiepolitik gegen die der überwältigenden Bundestagsmehrheit durchzubringen: Druck auf Merkel.
20.8.: Regierung beugt sich der "höheren Autorität" von Managern wie z.B. Oliver Bierhoff

20.8.: Merkel gegen Öl-Gas-Preibindung