Nach dem Rücktritt des Freiherrn zu Guttenberg freunen sich manche schon auf sein Comeback.
"Immerdar enthüllt das Ende sich als strahlender Beginn", heißt es bei Werner Bergengruen.
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Donnerstag, 3. März 2011
Dienstag, 1. März 2011
Fürst Metternich und Guttenberg
Von Fürst Metternich berichtet die Anekdote, als sich der dänische Botschafter angemeldet habe, habe er rasch seine Orden anlegen wollen, aber ausgerechnet den dänischen Elefantenorden habe sein Diener nicht beischaffen können. "Wie sieht denn das aus! Ausgerechnet den dänischen Orden findest du nicht!"
So habe er rasch zu einem befreundeten Diplomaten geschickt und sich den Elefantenorden ausgeliehen.
Kurz bevor der Botschafter vorsprach, traf der Orden ein. Schnell legte Metternich ihn an und empfing dann den Botschafter.
Der trat ein und, obwohl sonst beredt, fehlten ihm die Worte. Etwas ungeduldig fragte Metternich, was er denn vorzubringen habe.
Darauf der Botschafter: "Ich sollte Ihnen im Auftrag unseres Königs den Elefantenorden verleihen, und nun sehe ich, dass Sie ihn schon haben."
So wie Fürst Metternich es mit dem Elefantenorden hielt, so hielt es Freiherr zu Guttenberg offenbar mit dem Doktortitel. Wenn er den nicht hatte, so musste es sich um ein Versehen handeln, dem schnell abgeholfen werden musste. Leider wurde er dabei auf dem falschen Bein erwischt.
Freilich, von Fürst Metternch berichtet es nur die Anekdote.
Eins ist freilich banale Tatsache: Fürst Metternich war zwar der führende Staatsmann Europas, der ein Jahrzehnt lang einen beherrschenden Einfluss auf die europäische Politik ausübte. Aber den Elefantenorden erhielt er nicht.
Kommentar von K. Polke-Majewski zum Rücktritt
So habe er rasch zu einem befreundeten Diplomaten geschickt und sich den Elefantenorden ausgeliehen.
Kurz bevor der Botschafter vorsprach, traf der Orden ein. Schnell legte Metternich ihn an und empfing dann den Botschafter.
Der trat ein und, obwohl sonst beredt, fehlten ihm die Worte. Etwas ungeduldig fragte Metternich, was er denn vorzubringen habe.
Darauf der Botschafter: "Ich sollte Ihnen im Auftrag unseres Königs den Elefantenorden verleihen, und nun sehe ich, dass Sie ihn schon haben."
So wie Fürst Metternich es mit dem Elefantenorden hielt, so hielt es Freiherr zu Guttenberg offenbar mit dem Doktortitel. Wenn er den nicht hatte, so musste es sich um ein Versehen handeln, dem schnell abgeholfen werden musste. Leider wurde er dabei auf dem falschen Bein erwischt.
Freilich, von Fürst Metternch berichtet es nur die Anekdote.
Eins ist freilich banale Tatsache: Fürst Metternich war zwar der führende Staatsmann Europas, der ein Jahrzehnt lang einen beherrschenden Einfluss auf die europäische Politik ausübte. Aber den Elefantenorden erhielt er nicht.
Kommentar von K. Polke-Majewski zum Rücktritt
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Sonntag, 27. Februar 2011
Was für Guttenberg spricht ...
Was für Guttenberg spricht:
1. Was er sich vorgenommen hatte, hätte auch andere überfordert. Das Thema war für eine Dissertation zu umfangreich. Professor Häberle hat nicht dafür gesorgt, dass das Thema auf die tatsächlichen Möglichkeiten des Promovierenden zugeschnitten wurde.
2. Er tut anscheinend nur nach außen so, als ob der die Kritik nicht ernst nähme. (vgl. dieses Bild)
3. Im Unterschied zu der Behauptung, Guttenberg habe Betrüger ermutigt, hat er vielmehr - unfreiwillig - darauf aufmerksam gemacht, wie unverfroren bei Promotionen betrogen wird und dass einige Professoren das in einigen Fällen offenbar billigend in Kauf nehmen.
Dass er dazu beigetragen hat, könnte zu einer gewissen Eindämmung der Betrugskultur führen.
Was dennoch gegen Guttenberg spricht:
All das, was für ihn spricht, hat er bisher nicht wahrhaben wollen.
Was zu hoffen ist:
Dass Guttenberg folgenden Hinweis von Ministerpräsident Böhmer beachtet:
Dass der Promotionsbetrug vergessen wird, dafür kann Guttenberg sehr viel tun. Entweder dadurch, dass er zurücktritt oder dadurch, dass er wirklich gute gute Arbeit macht.
Nach meiner Einschätzung ist beides relativ unwahrscheinlich. Aber ein guter Politiker bewährt sich erst in der Krise. Das Talent zum guten Politiker hat Guttenberg, ob er auch das Zeug dazu hat, aus dieser Krise das Nötige zu lernen, wird sich zeigen.
Was wünscht sich das Volk?
1. Was er sich vorgenommen hatte, hätte auch andere überfordert. Das Thema war für eine Dissertation zu umfangreich. Professor Häberle hat nicht dafür gesorgt, dass das Thema auf die tatsächlichen Möglichkeiten des Promovierenden zugeschnitten wurde.
2. Er tut anscheinend nur nach außen so, als ob der die Kritik nicht ernst nähme. (vgl. dieses Bild)
3. Im Unterschied zu der Behauptung, Guttenberg habe Betrüger ermutigt, hat er vielmehr - unfreiwillig - darauf aufmerksam gemacht, wie unverfroren bei Promotionen betrogen wird und dass einige Professoren das in einigen Fällen offenbar billigend in Kauf nehmen.
Dass er dazu beigetragen hat, könnte zu einer gewissen Eindämmung der Betrugskultur führen.
Was dennoch gegen Guttenberg spricht:
All das, was für ihn spricht, hat er bisher nicht wahrhaben wollen.
Was zu hoffen ist:
Dass Guttenberg folgenden Hinweis von Ministerpräsident Böhmer beachtet:
Es gibt Dinge, die sind in der Öffentlichkeit merkwürdig schnell vergessen. Andere nicht. Das hat Einfluss auf die politische Bedeutung. (Wolfgang Böhmer (CDU) im Tagesspiegel vom 26.2.11)
Dass der Promotionsbetrug vergessen wird, dafür kann Guttenberg sehr viel tun. Entweder dadurch, dass er zurücktritt oder dadurch, dass er wirklich gute gute Arbeit macht.
Nach meiner Einschätzung ist beides relativ unwahrscheinlich. Aber ein guter Politiker bewährt sich erst in der Krise. Das Talent zum guten Politiker hat Guttenberg, ob er auch das Zeug dazu hat, aus dieser Krise das Nötige zu lernen, wird sich zeigen.
Was wünscht sich das Volk?
Mittwoch, 23. Februar 2011
"Ich bin Altlateiner"
CSU Generalsekretär Alexander Dobrindt, bei Plasbergs "hart, aber fair" befragt, ob er das griechische Wort Καιρός (Kairos) kenne, sagt: "Ich bin Altlateiner".
Da fragt man sich: Wie kommt er, als es um Griechisch geht, auf Latein?
Wie kommt er, wenn es um Latein geht, auf Alt-Latein?
Eine nahe liegende Erklärung ist: Da er das Wort nicht geschrieben sah (und da es, wenn es geschrieben wird, meist mit lateinschen Buchstaben geschrieben wird), hat er es für lateinisch gehalten. Und da man das klassische Griechisch zur Unterscheidung zum Neugriechischen auch als Altgriechisch bezeichnet, wollte er, um zu zeigen, dass er klassisches Latein kennt, nicht einfach nur Latein sagen, sondern präziser Altlatein.
Sein Pech, dass man die moderne Sprache, zu der sich Latein entwickelt hat, nicht Neulatein, sondern Italienisch nennt. (Wenn man der Einfachheit halber mal übergeht, dass es auch der Ursprung von Französich, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch, eben überhaupt allen romanischen Sprachen war.)
Gut denkbar, dass Dobrindt, wenn man auf seinen Fehler anspräche, genau diese Erklärung gäbe. Denn der Fehler ist zwar sehr lustig (Nikolaus Schneider, der Vorsitzende des Rates der EKD, der dabei saß, hatte etwas Mühe, ernst zu bleiben), aber durchaus nicht ehrenrührig.
Nicht auszudenken, was Karl Theodor zu Guttenberg dazu gesagt hätte, wenn man ihn darauf angesprochen hätte, dass Καιρός ein griechisches Wort ist und dass es kein Neulatein gibt.
Es ist richtig: Der Tod der Kadettin auf der Gorch Fock, die ansteigende Zahl der Todesopfer der Mission der Bundeswehr in Afghanistan und der Umbau der Bundeswehr zu einer Einsatztruppe in Übersee sind weit schwerer wiegende Vorgänge als die Schummelei eines Bundestagsabgeordneten, der vermutlich sofort aufs Schummeln verzichtet hätte, wenn er gewusst hätte, dass er auch ohne das binnen kurzem zum Minister und zum populärsten Politiker der Bundesrepublik werden könnte.
Aber schon lange nicht haben die Verteidigungsversuche eines Ministers solch einen Unterhaltungswert gehabt.
Selbst seine Parteifreunde, die ihn verteidigen wollen, laufen zu Höchstform auf und werden "Altlateiner".
Freilich, nicht alle gefälschten Doktorarbeiten führen zu so einem schönen Happy End wie die von zu Guttenberg: Nach dem Doktortitel auch den Job verloren.
Schließlich verfügen auch nicht alle Doktoranden über den Einfluss, ihrer Uni 750 000 € zukommen zu lassen.
Da fragt man sich: Wie kommt er, als es um Griechisch geht, auf Latein?
Wie kommt er, wenn es um Latein geht, auf Alt-Latein?
Eine nahe liegende Erklärung ist: Da er das Wort nicht geschrieben sah (und da es, wenn es geschrieben wird, meist mit lateinschen Buchstaben geschrieben wird), hat er es für lateinisch gehalten. Und da man das klassische Griechisch zur Unterscheidung zum Neugriechischen auch als Altgriechisch bezeichnet, wollte er, um zu zeigen, dass er klassisches Latein kennt, nicht einfach nur Latein sagen, sondern präziser Altlatein.
Sein Pech, dass man die moderne Sprache, zu der sich Latein entwickelt hat, nicht Neulatein, sondern Italienisch nennt. (Wenn man der Einfachheit halber mal übergeht, dass es auch der Ursprung von Französich, Spanisch, Portugiesisch, Rumänisch, eben überhaupt allen romanischen Sprachen war.)
Gut denkbar, dass Dobrindt, wenn man auf seinen Fehler anspräche, genau diese Erklärung gäbe. Denn der Fehler ist zwar sehr lustig (Nikolaus Schneider, der Vorsitzende des Rates der EKD, der dabei saß, hatte etwas Mühe, ernst zu bleiben), aber durchaus nicht ehrenrührig.
Nicht auszudenken, was Karl Theodor zu Guttenberg dazu gesagt hätte, wenn man ihn darauf angesprochen hätte, dass Καιρός ein griechisches Wort ist und dass es kein Neulatein gibt.
Es ist richtig: Der Tod der Kadettin auf der Gorch Fock, die ansteigende Zahl der Todesopfer der Mission der Bundeswehr in Afghanistan und der Umbau der Bundeswehr zu einer Einsatztruppe in Übersee sind weit schwerer wiegende Vorgänge als die Schummelei eines Bundestagsabgeordneten, der vermutlich sofort aufs Schummeln verzichtet hätte, wenn er gewusst hätte, dass er auch ohne das binnen kurzem zum Minister und zum populärsten Politiker der Bundesrepublik werden könnte.
Aber schon lange nicht haben die Verteidigungsversuche eines Ministers solch einen Unterhaltungswert gehabt.
Selbst seine Parteifreunde, die ihn verteidigen wollen, laufen zu Höchstform auf und werden "Altlateiner".
Freilich, nicht alle gefälschten Doktorarbeiten führen zu so einem schönen Happy End wie die von zu Guttenberg: Nach dem Doktortitel auch den Job verloren.
Schließlich verfügen auch nicht alle Doktoranden über den Einfluss, ihrer Uni 750 000 € zukommen zu lassen.
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Dienstag, 22. Februar 2011
In der mir abgesprochenen Demut ...
Es gibt in Fontanes Roman "Cecile" eine anrührende Stelle, in der die Frau, die von ihrem Liebhaber beleidigt worden ist, erfolglos versucht, ihn umzustimmen und so sein Leben zu retten.
Sie beginnt:
Er ist ein eindrucksvolles Beispiel von Arroganz der Macht. Jemand, der weiß, dass seine Partei und seine Regierungschefin nicht auf seine Dienste verzichten wollen, weil sie glauben, nicht auf sie verzichten zu können, mag so sprechen. Selbstachtung würde sich anders ausdrücken.
Aber Gesten wie Willy Brandts Kniefall würden völlig phrasenhaft, würden wir von einem Politiker Demut fordern. Ein Minister braucht weder Demut noch imstande zu sein, eine Doktorarbeit zu schreiben. Deshalb sollte er aber auch nicht so tun als ob.
Stefan Kuzmany: Die Lüge ist ministrabel geworden (Spiegel online 22.2.11)
Früher hatten Verteidigungsminister bei Fehlverhalten mit Konsequenzen zu rechnen.
Wer mehr zu dem Thema lesen will, findet bei Kai Biermann gewiss das Richtige.
Hier ein Ausschnitt aus S. Gabriels Beitrag zur Bundestagsdebatte
Zweite Arbeit von zu Guttenberg unter Schummeleiverdacht (mit Originaltextpassagen)
Sie beginnt:
Meiner Tugenden sind nicht viele, Gott sei's geklagt, aber eine darf ich mir unter ihrer eigenen Zustimmung vielleicht zuschreiben, und nun zwingen Sie mich, dies einzige, was ich habe, mein bißchen Demut in Hochmut und Prahlerei zu verkehren. Aber Sie lassen mir keine Wahl!Mit dieser Stelle als Vergleichspunkt hört sich ein Satz wie "In der mir abgesprochenen Demut entschuldige ich mich bei allen, die ich verletzt habe", einigermaßen grotesk an.
Er ist ein eindrucksvolles Beispiel von Arroganz der Macht. Jemand, der weiß, dass seine Partei und seine Regierungschefin nicht auf seine Dienste verzichten wollen, weil sie glauben, nicht auf sie verzichten zu können, mag so sprechen. Selbstachtung würde sich anders ausdrücken.
Aber Gesten wie Willy Brandts Kniefall würden völlig phrasenhaft, würden wir von einem Politiker Demut fordern. Ein Minister braucht weder Demut noch imstande zu sein, eine Doktorarbeit zu schreiben. Deshalb sollte er aber auch nicht so tun als ob.
Stefan Kuzmany: Die Lüge ist ministrabel geworden (Spiegel online 22.2.11)
Früher hatten Verteidigungsminister bei Fehlverhalten mit Konsequenzen zu rechnen.
Wer mehr zu dem Thema lesen will, findet bei Kai Biermann gewiss das Richtige.
Hier ein Ausschnitt aus S. Gabriels Beitrag zur Bundestagsdebatte
Zweite Arbeit von zu Guttenberg unter Schummeleiverdacht (mit Originaltextpassagen)
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Schon wieder zu Guttenberg
Ein Verteidigungsminister sollte an sich wissen, welche Linie man verteidigen kann und wo man sich schleunigst auf eine neue Linie zurückziehen muss.
Da KT zu Guttenberg über die Umstände seiner Promotion wusste, hätte er seine Verteidigungslinie früher finden müssen. So musste sie ihm offenbar umständlich von Leuten erklärt werden, denen er die dafür notwendigen Kenntnisse offenkundig zunächst vorenthalten hatte. Denn es ist nicht vorstellbar, dass innerhalb der gesamten Führungsriege der Union niemand war, der über die Anforderungen an eine Promotion so schlecht informiert war wie zu Guttenberg.
Während ich Westerwelles innenpolitische Linie für grundfalsch halte, habe ich gegen Guttenbergs verteidigungspolitisches Konzept vergleichsweise wenig. Sein Selbstverteidigungskonzept aber war so verkehrt, dass ich mich wider meinen Willen weit länger mit seinen Pannen befasst habe, als ich es je für möglich gehalten hätte.
Hätte nur noch gefehlt, dass er gesagt hätte, angesichts des Todessturzes einer Seekadettin sei seine Promotionsschummelei doch vergleichsweise harmlos.
Neusten Berichten zufolge soll KT Guttenberg Guttenb "beim sogenannten "Homecoming 2011" der Fakultät am 21. Mai sprechen. Eingeladen hatte den Verteidigungsminister, der seiner alten Universität und der Stadt Bayreuth noch immer eng verbunden ist, der Alumni-Verein der Rechts- und Wirtschaftsfakultät. Beim "Homecoming" kehren ehemalige Studenten an ihre alte Hochschule zurück.
Die Gastrede des Verteidigungsministers ist laut Einladung bei einer Doktorandenehrung im Audimax vorgesehen. Vor Guttenberg soll demnach Dekan Möstl sprechen, im Anschluss an seinen Vortrag sollen Preise an Doktoranden verliehen werden." (Spiegel online vom 21.2.11)
Ob sich die Doktoranden geehrt fühlen werden?
Da KT zu Guttenberg über die Umstände seiner Promotion wusste, hätte er seine Verteidigungslinie früher finden müssen. So musste sie ihm offenbar umständlich von Leuten erklärt werden, denen er die dafür notwendigen Kenntnisse offenkundig zunächst vorenthalten hatte. Denn es ist nicht vorstellbar, dass innerhalb der gesamten Führungsriege der Union niemand war, der über die Anforderungen an eine Promotion so schlecht informiert war wie zu Guttenberg.
Während ich Westerwelles innenpolitische Linie für grundfalsch halte, habe ich gegen Guttenbergs verteidigungspolitisches Konzept vergleichsweise wenig. Sein Selbstverteidigungskonzept aber war so verkehrt, dass ich mich wider meinen Willen weit länger mit seinen Pannen befasst habe, als ich es je für möglich gehalten hätte.
Hätte nur noch gefehlt, dass er gesagt hätte, angesichts des Todessturzes einer Seekadettin sei seine Promotionsschummelei doch vergleichsweise harmlos.
Neusten Berichten zufolge soll KT Guttenberg Guttenb "beim sogenannten "Homecoming 2011" der Fakultät am 21. Mai sprechen. Eingeladen hatte den Verteidigungsminister, der seiner alten Universität und der Stadt Bayreuth noch immer eng verbunden ist, der Alumni-Verein der Rechts- und Wirtschaftsfakultät. Beim "Homecoming" kehren ehemalige Studenten an ihre alte Hochschule zurück.
Die Gastrede des Verteidigungsministers ist laut Einladung bei einer Doktorandenehrung im Audimax vorgesehen. Vor Guttenberg soll demnach Dekan Möstl sprechen, im Anschluss an seinen Vortrag sollen Preise an Doktoranden verliehen werden." (Spiegel online vom 21.2.11)
Ob sich die Doktoranden geehrt fühlen werden?
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Freitag, 18. Februar 2011
Noch einmal zu Guttenberg
Er kann durchgreifen. Deutsch kann er auch. Eins von den beiden kann er besser. Und das ist nicht Deutsch. Und doch ist es ein Genuss, seine Erklärung zu seiner Promotion zu lesen. Weil es so interessant ist, was er sagt und was er nicht sagt. Er sagt überhaupt sehr viel nicht. Das hat er wohl bei seiner Promotion geübt.
Hier seine Erklärung im Wortlaut:
Kommentar von Peter von Becker in ZEIT online 20.2.11
Hier seine Erklärung im Wortlaut:
"Für diese Stellungnahme bedurfte es keiner Aufforderung und sie gab es auch nicht. Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir. Sie ist über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevoller Kleinstarbeit entstanden und sie enthält fraglos Fehler. Und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten.Zur Charakterisierung seiner veränderten Plagiate vgl. Zettels Raum.
Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht. Sollte sich jemand hierdurch oder durch inkorrektes Setzen und Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten bei insgesamt 1300 Fußnoten und 475 Seiten verletzt fühlen, so tut mir das aufrichtig leid. Die eingehende Prüfung und Gewichtung dieser Fehler obliegt jetzt der Universität Bayreuth.
Ich werde selbstverständlich aktiv mithelfen festzustellen, inwiefern darin ein wissenschaftliches, ich betone ein wissenschaftliches Fehlverhalten liegen könnte. Und ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten, allerdings nur bis dahin, anschließend würde ich ihn wieder führen.
Ich werde mir keine anderen Maßstäbe anlegen, als ich bei anderen angesetzt hätte. Jede weitere Kommunikation über das Thema werde ich von nun an ausschließlich mit der Universität Bayreuth führen. Die Menschen in diesem Land erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere und das kann ich auch. Wir stehen vor einer historischen Bundeswehrreform. Und ich trage die Verantwortung für die Soldaten im Einsatz, wie ein Ereignis an dem heutigen Tag einmal mehr auf bittere Weise zeigt."
Kommentar von Peter von Becker in ZEIT online 20.2.11
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Donnerstag, 17. Februar 2011
Verschweigen
Freiherr zu Guttenberg verschweigt, von wem er Gedanken und Formulierungen in seiner Promotion übernommen hat. Nicht eben vorbildlich.
Er verschweigt aber auch, was er über den Sturz einer Kadettin aus einem Schulschiff der deutschen Marine weiß und wieso er den damals kommandierenden Kapität abberufen hat. Darüber wird heute schon kaum noch gesprochen.
In der deutschen Öffentlichkeit wird der Skandal der Abwehr von Flüchtlingen an den europäischen Grenzen beschwiegen. Im Zusammenhang mit den über 5000 Flüchtlingen aus Tunesien, die auf der italienischen Insel Lampedusa eingetroffen sind (hier ein Foto zur Veranschaulichung, das freilich vermutlich keine Tunesienflüchtlinge zeigt), wird dieses Schweigen durchbrochen. Das ist erfreulich.
Stellvertretend für andere Beispiele beziehe ich mich auf zwei Artikel in der ZEIT vom 17.2.11.
Unter dem Titel "Was heißt hier 'Flut'?" wird daran erinnert, dass der italiensche Innenminister in diesem Zusammenhang von einem "Exodus von biblischem Ausmaß" gesprochen hat und Italien 100 Millionen € zur Bekämpfung eines humanitären Notstandes gefordert hat (also knapp 20 000 € für jeden bisher eingetroffenen Flüchtling - was hätte man damit in Tunesien alles bewirken können?). Und es wird darauf hingewiesen, dass unser Außenminister Westerwelle fordert, den Tunesiern eine ökonomische Perspektive zu verschaffen, aber verschweigt, dass Deutschland in den zurückliegenden Jahren weder wesentliche Schritte in Tunesien unternommen noch eine neue Migrationspolitik entworfen hat.
Der Leitartikel von Bernd Ulrich weist unter der Überschrift "Was ist gerecht?" darauf hin, dass zu den Fragen "Flüchtlinge" und "Hartz IV" ein "Schweigekartell" der deutschen Öffentlichkeit gebe.
So sehr ich ihm dabei recht gebe:
Auch Bernd Ulrich schweigt darüber, dass seit der Einschränkung des Asylrechtes durch Artikel 16a des Grundgesetzes jährlich Tausende beim Versuch, nach Europa zu kommen, sterben, weil die europäische "Grenzschutzorganisation" FRONTEX sie daran hindert, auf ungefährlicherem Wege nach Europa zu kommen.
Jährlich sterben über 30 mal so viel Menschen an den europäischen Grenzen, als in Zeiten der DDR an der deutschen Grenze im Jahr dem Schießbefehl zum Opfer fielen.
Wer Unrecht verschweigt, macht sich mitschuldig. So lobenswert die Kommentare zum Flüchtlingsproblem in Lampedusa sind, sie sind unvollständig.
Die EU hat inzwischen Beamte der FRONTEX entsandt, die tunesischen und italienischen Behörden bei der Bewältigung des Flüchtlingsstromes helfen sollen. Man kennt die Folgen.
Er verschweigt aber auch, was er über den Sturz einer Kadettin aus einem Schulschiff der deutschen Marine weiß und wieso er den damals kommandierenden Kapität abberufen hat. Darüber wird heute schon kaum noch gesprochen.
In der deutschen Öffentlichkeit wird der Skandal der Abwehr von Flüchtlingen an den europäischen Grenzen beschwiegen. Im Zusammenhang mit den über 5000 Flüchtlingen aus Tunesien, die auf der italienischen Insel Lampedusa eingetroffen sind (hier ein Foto zur Veranschaulichung, das freilich vermutlich keine Tunesienflüchtlinge zeigt), wird dieses Schweigen durchbrochen. Das ist erfreulich.
Stellvertretend für andere Beispiele beziehe ich mich auf zwei Artikel in der ZEIT vom 17.2.11.
Unter dem Titel "Was heißt hier 'Flut'?" wird daran erinnert, dass der italiensche Innenminister in diesem Zusammenhang von einem "Exodus von biblischem Ausmaß" gesprochen hat und Italien 100 Millionen € zur Bekämpfung eines humanitären Notstandes gefordert hat (also knapp 20 000 € für jeden bisher eingetroffenen Flüchtling - was hätte man damit in Tunesien alles bewirken können?). Und es wird darauf hingewiesen, dass unser Außenminister Westerwelle fordert, den Tunesiern eine ökonomische Perspektive zu verschaffen, aber verschweigt, dass Deutschland in den zurückliegenden Jahren weder wesentliche Schritte in Tunesien unternommen noch eine neue Migrationspolitik entworfen hat.
Der Leitartikel von Bernd Ulrich weist unter der Überschrift "Was ist gerecht?" darauf hin, dass zu den Fragen "Flüchtlinge" und "Hartz IV" ein "Schweigekartell" der deutschen Öffentlichkeit gebe.
So sehr ich ihm dabei recht gebe:
Auch Bernd Ulrich schweigt darüber, dass seit der Einschränkung des Asylrechtes durch Artikel 16a des Grundgesetzes jährlich Tausende beim Versuch, nach Europa zu kommen, sterben, weil die europäische "Grenzschutzorganisation" FRONTEX sie daran hindert, auf ungefährlicherem Wege nach Europa zu kommen.
Jährlich sterben über 30 mal so viel Menschen an den europäischen Grenzen, als in Zeiten der DDR an der deutschen Grenze im Jahr dem Schießbefehl zum Opfer fielen.
Wer Unrecht verschweigt, macht sich mitschuldig. So lobenswert die Kommentare zum Flüchtlingsproblem in Lampedusa sind, sie sind unvollständig.
Die EU hat inzwischen Beamte der FRONTEX entsandt, die tunesischen und italienischen Behörden bei der Bewältigung des Flüchtlingsstromes helfen sollen. Man kennt die Folgen.
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Mittwoch, 16. Februar 2011
zu Guttenbergs Motto
So viel ist sicher: zu Guttenberg hat nicht einfach nur in der Wikipedia nachgeschlagen.
Dies fällt auf: Bevor eine Kadettin mit unbestimmtem Körpergewicht aus der Takelage eines Segelschiffs abgestürzt ist, hat man viel über zu Guttenbergs Aussehen und das seiner Frau gehört, aber so gut wie nichts über seine Dissertation. Plötzlich gibt es viele, die etwas dazu zu sagen haben.
Meine Meinung: Ein Minister braucht nicht promoviert zu sein.
Am 22. Januar habe ich geschrieben: "Er kann durchgreifen. Er tut es aber erst, wenn Missstände an die Öffentlichkeit geraten und ihn zu gefährden drohen. [...] Zu Guttenberg handelt offenbar nach dem Rezept 'Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß'."
Was mich interessiert:
Hat zu Guttenberg auch bei der Abfassung der Dissertation nach dem Motto 'Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß' gehandelt?
Kann er auch diesmal seine Fähigkeit, durchgreifen zu können, nutzen?
Weshalb hat er die Doktorarbeit geschrieben?
Was mich nicht interessiert:
Weshalb hat man vorher so wenig über seine Doktorarbeit gehört?
Wie man hört, arbeiten bei der Erarbeitung eines Kompromisses zur Reform von Hartz IV je ein Ministerpräsident der SPD, der CDU und der CSU zusammen. Sie sollen schon rasch zu Ergebnissen gekommen zu sein. Die Frage sei nur, ob ihre Parteifreunde sich darauf einlassen.
Dies fällt auf: Bevor eine Kadettin mit unbestimmtem Körpergewicht aus der Takelage eines Segelschiffs abgestürzt ist, hat man viel über zu Guttenbergs Aussehen und das seiner Frau gehört, aber so gut wie nichts über seine Dissertation. Plötzlich gibt es viele, die etwas dazu zu sagen haben.
Meine Meinung: Ein Minister braucht nicht promoviert zu sein.
Am 22. Januar habe ich geschrieben: "Er kann durchgreifen. Er tut es aber erst, wenn Missstände an die Öffentlichkeit geraten und ihn zu gefährden drohen. [...] Zu Guttenberg handelt offenbar nach dem Rezept 'Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß'."
Was mich interessiert:
Hat zu Guttenberg auch bei der Abfassung der Dissertation nach dem Motto 'Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß' gehandelt?
Kann er auch diesmal seine Fähigkeit, durchgreifen zu können, nutzen?
Weshalb hat er die Doktorarbeit geschrieben?
Was mich nicht interessiert:
Weshalb hat man vorher so wenig über seine Doktorarbeit gehört?
Wie man hört, arbeiten bei der Erarbeitung eines Kompromisses zur Reform von Hartz IV je ein Ministerpräsident der SPD, der CDU und der CSU zusammen. Sie sollen schon rasch zu Ergebnissen gekommen zu sein. Die Frage sei nur, ob ihre Parteifreunde sich darauf einlassen.
Samstag, 22. Januar 2011
zu Guttenberg
Er kann durchgreifen. Er tut es aber erst, wenn Missstände an die Öffentlichkeit geraten und ihn zu gefährden drohen.
Mir ist das lieber, als wenn er wie Roland Koch eine "brutalstmögliche Aufklärung" nur ankündigt und sie dann systematisch verhindert.
Zu Guttenberg handelt offenbar nach dem Rezept "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß". Das ist eine problematische Amtsauffassung. Aber für den beliebtesten Minister der Bundesregierung scheint es zu genügen.
ZEIT online am 30.1.2011 zu Guttenberg
Mir ist das lieber, als wenn er wie Roland Koch eine "brutalstmögliche Aufklärung" nur ankündigt und sie dann systematisch verhindert.
Zu Guttenberg handelt offenbar nach dem Rezept "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß". Das ist eine problematische Amtsauffassung. Aber für den beliebtesten Minister der Bundesregierung scheint es zu genügen.
ZEIT online am 30.1.2011 zu Guttenberg
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