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Donnerstag, 14. Dezember 2023

"Ziel ist es, Angst zu verbreiten"

"Der IS und Al-Kaida rufen zu Anschlägen auch in Europa auf. Das Massaker der Hamas ist ein Anreiz, sagt der Islamwissenschaftler Guido Steinberg." Interview: Yassin Musharbash, ZEIT 14.12.23

Liefert die "einhergehende Flut von Propaganda und Bildern 'Trigger-Momente' für potentielle Attentäter"? 

IS und Al-Kaida haben keine Massenbewegung hinter sich "ganz anders als die Hamas oder die Hisbollah. Deshalb halte ich es auch für fehlgeleitet, wenn manche [...] die Hamas mit dem IS gleichsetzen. Das mag für die Methoden stimmen, aber diese Fehlbeschreibung macht die Hamas letztlich kleiner, als sie ist, weil sie viel mehr ist als eine Terrorgruppe." So der Nahostexperte Guido Steinberg (Stiftung Wissenschaft und Politik).

Donnerstag, 4. Januar 2018

Was bringt den Wandel in Iran?

Die Protestwelle in Iran hält offenbar an. Von regierungskritischen Demonstrationen wird vor allem in sozialen Medien berichtet, ihr Ausmaß ist schwer einzuschätzen. Dass die Proteste die Regierung stürzen könnten, halten Europas Kommentatoren für unwahrscheinlich. Sie schildern aber, was langfristig zu einem Wandel führen könnte.


CONTRIBUTORS (RO)

Warten auf die junge Generation

Der Politikwissenschaftler Valentin Naumescu glaubt in Contributors, dass die Zeit für einen iranischen Umsturz in diesem Jahr noch nicht gekommen ist:
„Eher könnte es sein, dass das Lager von Präsident Rohani die Ereignisse nutzt, um sich der Rivalen aus dem konservativen Lager zu entledigen. Dass Rohani sie der Verwaltungsämter enthebt, die sie (aufgrund von Korruption und Amtsmissbrauch) innehaben, um eine bescheidene, aber medial sehr präsente Reform anzustoßen. Die Regierungsprobleme in Iran werden sich wohl - wie vermutlich auch in Saudi-Arabien - vergrößern, aber erst zwischen 2019 und 2020 auf eine Lösung zusteuern. Dann, wenn sich in den beiden bedeutenden islamischen Ländern alternative Anführer der jungen Generationen etabliert haben.“
Valentin Naumescu
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KARAR (TR)

Mehr Beteiligung würde vieles ändern

Die Proteste werden anhalten, bis der Iran für mehr Demokratie sorgt, ist Karar sicher:
„Der Iran ist zwar laut Verfassung eine Theokratie, also ein Religionsstaat, trotzdem kann man angesichts der Stärke des Wahlsystems nicht sagen, es gäbe keine Demokratie. Es ist aber definitiv eine unzulängliche Demokratie, wenn man sich die Schwäche der Justiz, der Medien oder der Zivilgesellschaft anschaut. ... Ein Weg, die gesellschaftlichen Zweifel und Sorgen zu beseitigen, liegt darin, die Institutionen auszubauen und nicht bloß an der Urne, sondern überall die gesellschaftliche Beteiligung zu stärken. Statt Verschwörungstheorien zu entwickeln sollte man sich der Realität stellen. Denn so kann man am klügsten denjenigen Einhalt gebieten, die vom Verlauf der Ereignisse profitieren und sich in Iran einmischen wollen.“
Mustafa Karaalioğlu
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LE SOIR (BE)

Medien sind der Schlüssel

Für die Demonstranten sind Kommunikationsmittel wie der Kurznachrichtendienst Telegram enorm wichtig. Der aber hat sein Angebot auf Wunsch des Regimes eingeschränkt. Hier gilt es für die internationale Gemeinschaft, zu handeln, findet Le Soir:
„Die Bereitschaft des iranischen Regimes, sich zu reformieren, um der Bevölkerung bessere Lebensbedingungen zu bieten, wird nicht nur an der Härte der physischen Niederwerfung gemessen werden (bislang gab es bereits 15 bis 20 Todesopfer und hunderte Festnahmen). Ein mindestens ebenso wichtiges Beurteilungskriterium wird sein, ob Informations- und Kommunikationsmedien mundtot gemacht werden - oder neue Freiheiten erhalten. Und genau hierauf müssen sich die internationalen Schritte konzentrieren, damit die Iraner in die Lage versetzt werden, selbst Druck auf die Regierenden ihres Landes auszuüben.“
Jurek Kuczkiewicz
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NEWSRU.COM (RU)

Keine Zukunft für Kleriker-Staaten

Langfristig wird sich das iranische Regime nicht halten können, schreibt der Soziologe Igor Eidman in einem von newsru.com wiedergegebenen Facebook-Beitrag:
„Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Die städtische Jugend in Iran, in der Türkei und in Ägypten hat sich in den letzten Jahren aktiv gegen den Klerikalismus gestellt. Deshalb hat er in diesen Ländern keine Zukunft. In den letzten paar Jahrhunderten sind die Staaten in Europa, in den beiden Amerikas und im Fernen Osten säkular geworden. Die klerikale Reaktion ist heute hauptsächlich in der islamischen Welt und in Russland aktiv. Doch früher oder später wird auch in diesen Ländern die Religion ihre Versuche zur politischen und moralischen Dominanz aufgeben und die banale Rolle übernehmen, Anlassgeber für Familienessen und kostümierte Kinderfeste zu sein.“
Igor Eidman
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Was bringt den Wandel in Iran?

Donnerstag, 2. November 2017

Wie Trump auf Terror reagiert




Nach dem Terroranschlag in New York mit acht Toten und elf Schwerverletzten will US-Präsident Trump die Einreisebestimmungen verschärfen und die Greencard-Verlosung abschaffen. Für den geständigen Täter forderte er die Todesstrafe. Kommentatoren werfen dem Präsidenten Doppelmoral vor und fürchten, dass sich Terror durch Einzeltäter kaum verhindern lässt.
THE GUARDIAN (GB)

Ganz schlimme Doppelmoral

Präsident Trump hat auf den Anschlag in New York viel härter reagiert als auf den viel schlimmeren in Las Vegas vor einem Monat, kritisiert The Guardian:
„Wenn jemand mit einem Laster auf einer Straße in New York Menschen niedermäht und 'Allahu Akbar' ruft, ist er ein muslimischer Terrorist, eine weltweite Topmeldung und eine Bedrohung für die Sicherheit der Nationen. ... Nach dem Massaker in Las Vegas waren 'extreme Sicherheitsüberprüfungen' von Waffenbesitzern kein Thema - obwohl diese eine tausendmal größere Gefahr für US-Amerikaner darstellen als irgendein Terrorist. Es gab keinerlei Andeutungen, dass es an der Zeit sei, das Strafgesetz oder die Regelungen in diesem Bereich zu ändern. Las Vegas ging als eines jener Ereignisse in die Geschichte ein, die einfach passieren. Waffen sind eine speziell amerikanische Form des Terrors.“
Simon Jenkins
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DER STANDARD (AT)

Terror lässt sich nicht verhindern

Die Reaktion von Präsident Trump auf den Terroranschlag von New York verdeutlicht die Hilflosigkeit der Politik, urteilt Der Standard:
„Wenn 'einsame Wölfe' sich in Hinterhofmoscheen oder übers Internet radikalisieren, sich dann hinters Steuer eines Lasters klemmen und auf Menschen auf der Straße zurasen, dann gibt es keine Möglichkeit, dies im Vorhinein zu verhindern. Trumps umstrittener Einreisebann gegen sechs mehrheitlich muslimische Länder hätte in diesem Fall nichts genutzt: Usbekistan steht nicht auf der Liste, und der mutmaßliche Täter war bereits seit Jahren im Land. Es mag ja grundsätzlich sinnvoll sein, die skurrile Lotterie für US-Einwanderungsvisa einzustellen und Immigranten in Zukunft nach Qualifikation auszusuchen. Vor Terror schützt das nicht. Auch ein gebildeter Elektroingenieur kann sich zu einem Islamisten wandeln.“
Eric Frey
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LA REPUBBLICA (IT)

IS wird zur Untergrundbewegung

Gerade weil die IS-Terrormiliz militärisch besiegt ist, erhöht sich die Terrorgefahr, analysiert La Repubblica:
„Die Art des Vorfalls zeigt, dass die territoriale Niederlage des Islamischen Staats nicht das Ende des Terrorismus im Westen bedeutet, sondern dass er die Form eines asymmetrischen Kriegs annimmt. Nach dem Fall der Hochburgen Rakka und Mossul ist die Terrormiliz gezwungen, in den Untergrund zu gehen. Die Strategie des asymmetrischen Kriegs wird sich dadurch unweigerlich weiter ausbreiten. Wie viele haben sich wie der Usbeke Sayfullo Saipov und vor ihm die Tunesier Amri und Bouhlel oder der Brite Masood, um nur die fanatischen Fahrer von Berlin, Nizza, London zu nennen, in - wie der IS sie nennt - 'Soldaten' verwandelt, ohne zuvor unter dem Banner der IS-Terrormiliz in Syrien oder im Irak gekämpft zu haben?“
Renzo Guolo
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STANDART (BG)

Trump wird Migrationsgesetze verschärfen

Der Anschlag in New York wird die Einwanderungsdebatte in den USA zusätzlich anheizen, meint Wessela Tschernewa vom Thinktank European Council on Foreign Relations in einem Gastbeitrag in Standart:
„Trump weiß, dass der Anschlag in New York, im Herzen Amerikas, seinen Umfragewerten schaden könnte. Deshalb war seine erste Reaktion, die Einwanderungsdebatte wieder in den Vordergrund zu rücken. Er sprach sich auf Twitter für die Abschaffung der Greencard-Verlosung aus, weil der mutmaßliche Attentäter auf diese Weise im Jahr 2010 in die USA eingewandert sein soll. Nun ist zu erwarten, dass die USA ihre Regeln für legale Einwanderung - besonders aus Ländern mit muslimischer Bevölkerung - weiter verschärfen werden.“
Vessela Tcherneva
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Wie Trump auf Terror reagiert