Freitag, 12. Oktober 2018

Merkels Chance von 2007

"Angela Merkel hat die Chance, mit deutscher Ratspräsidentschaft in der EU und mit dem Ratsvorsitz in der Gruppe der G8 Zeichen zu setzen. Sie kennt sich in der Materie Umweltpolitik aus, so wie Kohl sich in den Eitelkeiten der Europäischen Union und bei den Führern der Supermächte auskannte. Sie darf auch Fehler machen (so wie Kohl mit seinem Vergleich von Gorbatschow mit Goebbels). Die Hauptsache ist, dass sie auf die zunächst nur kurzfristige Bereitschaft, auf die Umweltbotschaft zu reagieren, mit einem langfristigen Plan für nachhaltiges Handeln antwortet, so wie Kohl es 1989 so erfolgreich getan hat. 
Allerdings Ehrlichkeit gehört dazu. Einen ersten Schritt dazu hat sie getan: In 17 Jahren, so heißt es auf ihrer Internetseite, hat die Bundesrepublik nicht einmal ein Viertel dessen erreicht, was 1990 international beschlossen wurde. Noch sind knapp 5 Jahre Zeit, die restlichen drei Viertel zu erreichen. Was sie jetzt angekündigt hat, bleiben hohle Worte, wenn sie nicht durch konkrete Energieeinsparmaßnahmen in Deutschland zeigt, dass sie wirklich zu ihren Plänen steht." (Fontanefans Feld 8.3.2007)

Wie hat sie die Chance genutzt?

Dienstag, 9. Oktober 2018

euro|topics: Weltklimarat schlägt Alarm

Der Weltklimarat IPCC warnt, dass sich die Erde schneller erwärmt und mit gravierenderen Folgen, als bisher angenommen. Es sei jedoch "technisch und wirtschaftlich möglich", das Ziel einer Erwärmung von 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter einzuhalten. Kommentatoren loten aus, was dafür getan werden muss.
DIE PRESSE (AT)

Klimaschutz wird wehtun

Der Bericht zeigt, dass die bisherige Klimapolitik gescheitert ist, urteilt Die Presse:
„Das Verflixte am Klimawandel ist, dass wir ihn jetzt verursachen, er aber erst künftig schmerzt. Das ist eine Falle. Sie führt zu konzertierter Heuchelei: Politiker feiern ihren 'Mut', sich zu abstrakten Zielen zu bekennen - und sagen nie dazu, was ihre Einhaltung bedeuten würde: einen massiven Umbau des Steuersystems, der verdeckte Kosten schlagend macht. Autofahren als Luxus, Flugreisen nur noch für die 'Happy Few': Wer das fordert, kann einpacken. Stattdessen schwelgen Politiker in Visionen, setzen auf kosmetische Maßnahmen zur Elektromobilität und machen konkret erst einmal nichts, bis zu den nächsten Wahlen. Nach uns die Sintflut, im Wortsinn.“
Karl Gaulhofer
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NAFTEMPORIKI (GR)

Rettung des Planeten kostet viel Geld

Die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau ist machbar, findet Naftemporiki:
„Um dieses Ziel zu erreichen müssen alle mitmachen und insbesondere auch wir Bürger unsere täglichen Gewohnheiten ändern: den Fleischkonsum begrenzen, zu Fuß gehen oder Fahrräder benutzen statt mit konventionellen Treibstoffautos zu fahren und mit der Bahn statt dem Flugzeug zu reisen. Die Rettung des Planeten ist auch mit hohen Kosten verbunden. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen und aufrechtzuerhalten, sind Investitionen in das Energiesystem von rund 2,4 Billionen Dollar bis 2035 erforderlich.“
Angeliki Kotsovou
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SYDSVENSKAN (SE)

Individueller Verzicht reicht nicht

Finanzielle Interessen sorgen dafür, dass die Unterzeichner des Pariser Klimaabkommens ihre Versprechen halten, hofft Sydsvenskan:
„Es wird immer deutlicher, dass der Preis für ein Unterlassen auch finanziell enorm sein wird. Der IPCC belegt, dass die Wirtschaft bereits 2030 empfindlich getroffen sein wird. Es bedarf dazu struktureller Veränderungen für die gesamte Gesellschaft. Der Herausforderung auf der Ebene jedes Einzelnen zu begegnen reicht nicht aus. Die Last darf nicht nur von denjenigen getragen werden, die die größte Angst und das sensibelste Gewissen haben. Wenn wir die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen beenden, stehen wir vor einem historischen Paradigmenwechsel. Die Urlaubsreisen der Familie mit dem Flieger zu reduzieren macht Engagement deutlich. Um aber Wirkung zu haben muss der Paradigmenwechsel auf nationaler und internationaler Ebene erfolgen.“
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BERLINGSKE (DK)

Es fehlt nicht an Werkzeugen

Zwei Vorschläge zur Verlangsamung der Erderwärmung macht Berlingske:
„Im Kern sieht der Kampf gegen die Klimaerwärmung hoffnungslos aus. Doch eine Reduktion des CO2-Ausstoßes ist möglich, wenn der politische Wille da ist, die Werkzeuge zu nutzen, die es bereits in der Werkzeugkiste gibt. Eine Möglichkeit ist, eine globale Kohlendioxid-Abgabe einzuführen, die Investoren ermuntert, den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren. Eine weitere Möglichkeit ist, politische Vereinbarungen zu schließen, die nicht unbedingt alle Länder einbeziehen, sondern nur diejenigen, die willens sind, die Latte etwas höher zu legen. Das wird eine Richtung vorgeben.“
Claus Skovhus
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KAUPPALEHTI (FI)

Atomkraft hat enormes Potenzial

Im Kampf gegen den Klimawandel kommt der Atomkraft eine bedeutende Rolle zu, meint Kauppalehti:
„Der Ölverbrauch war noch nie so hoch wie heute. Auch der Anteil der anderen fossilen Brennstoffe ist hoch: Vier Fünftel der weltweiten Energie werden mit fossilen Brennstoffen produziert. … Bei den erneuerbaren Energien ist bereits zu erkennen, dass diese auch ohne Subventionen rentabler sind als früher. Wenn erneuerbare Energien stärker genutzt werden sollen, muss daneben in Zukunft auch die fast emissionsfreie Atomkraft eine große Rolle spielen. Das Produktionspotenzial der Atomkraft ist so groß, dass dieses nicht ungenutzt bleiben darf.“
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Weltklimarat schlägt Alarm


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Sonntag, 7. Oktober 2018

euro|topics: EU-Parlament für schärferes CO2-Limit

Mit neuen Grenzwerten sagt das EU-Parlament dem CO2-Ausstoß im Verkehr den Kampf an. Neuwagen sollen im Jahr 2030 im Schnitt 40 Prozent weniger CO2 ausstoßen dürfen als im Jahr 2021. Nun stehen Verhandlungen mit EU-Kommission und Mitgliedsländern an. Gefährdet der Beschluss des Parlaments Europas Autoindustrie?
STUTTGARTER ZEITUNG (DE)

Autobauer nicht überfordern

Die CO2-Ziele des EU-Parlaments sind zu ehrgeizig, kritisiert die Stuttgarter Zeitung:
„Die Verkehrswende lässt sich nicht vom Parlament verordnen. Sie muss gelebt werden. ... Wenn nun die beiden Co-Gesetzgeber der EU, das Parlament und die Mitgliedstaaten, bald über die CO2-Vorgaben bis 2030 verhandeln, ist Augenmaß gefragt. Die Hersteller müssen massiv gefordert werden. Ehrgeizige Vorgaben tragen dazu bei, dass die europäische Autoindustrie, namentlich die deutschen Hersteller, auch bei E-Autos Markt- und Technologieführer werden. Die Vorgaben müssen aber realistisch sein. Es muss verhindert werden, dass abenteuerliche Ziele wie eine Strafsteuer wirken. Die Industrie ist wichtig für Wertschöpfung und Arbeit in vielen Regionen.“
Markus Grabitz
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PRÁVO (CZ)

Tschechiens Autoindustrie wird darben

Kritisch äußert sich die Tageszeitung Právo zu den beschlossenen Grenzwerten:
„Die in Tschechien ansässigen Autofirmen warnen, dass die verschärften Grenzwerte dramatische Folgen haben könnten: von Entlassungen über eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums bis hin zu Milliarden-Ausfällen bei den Einnahmen des Staats. Wir beschädigen die Autoindustrie, an der in Tschechien 400.000 Arbeitsplätze hängen, ohne der Umwelt zu helfen, heißt es in der Branche. Und die Behauptungen, dass der Weg hin zu Elektroautos keine neuen Emissionen hervorruft, sind falsch. Ihr massiver Eintritt in die Märkte erfordert schließlich eine höhere Energieerzeugung.“
Martin Procházka
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ATLANTICO (FR)

Klimawandel schert urbane Politiker wenig

Warum die Politik mehr Elektrofahrzeuge fordert, erklärt der Ökonom Bernard Jullien in Atlantico mit Blick auf die Eröffnung der Automesse in Paris:
„Die Schadstoffe, um die es in der Dieselaffäre ging, betreffen die lokale Luftverschmutzung. In dieser Hinsicht ist die Elektromobilität selbstverständlich eine interessante Option. Denn selbst wenn wir Strom aus fossilen Energiequellen gewinnen, würde dies fernab der Städte geschehen. ... Mächtige Politiker leben meist in der Stadt. Sie haben Kinder und sie wollen so wenig Asthma wie möglich. Daher fordern sie das Aus für den Diesel. Doch die Frage, inwiefern die verschiedenen Methoden zur Energieproduktion den Klimawandel beeinflussen, stellen sie sich nicht unbedingt.“
Bernard Jullien
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EU-Parlament für schärferes CO2-Limit