"In ihrem Buch „Biased“ erzählt die Sozialpsychologin Jennifer L. Eberhardt die Geschichte, wie sie zum ersten Mal mit ihrem fünfjährigen Sohn Everett eine Flugreise unternahm. Sie erzählt von seinen aufgerissenen Augen, wie man sich eben einen kleinen Jungen bei seinem allerersten Flug vorstellt. Dann, erzählt die Stanford-Professorin, entdeckte ihr Sohn einen Schwarzen Mann im Flugzeug.
Dienstag, 8. Oktober 2024
Wie wir Rassismus lernen
Mittwoch, 21. Juni 2023
Nicht die künstliche Intelligenz selbst ist die Gefahr, sondern der falsche Umgang damit
Noch ist - wie bei den fossilen Energien und der Atomkraft - nicht die Technik das Problem, sondern der Mensch. Denn Computer lassen sich abschalten. Beruhigend ist auch, dass in diesem Fall die Erfinder selbst vor den Gefahren warnen. Das war bei der Nutzung der fossilen Energien nicht der Fall, weil niemand die Entwicklung über 200 Jahre voraussehen konnte. Bei der friedlichen Nutzung der Atomkraft haben die Warnungen nach einigen Katastrophen zu einem gewissen Umdenken geführt. Beim Klimawandel, der aufgrund der Nutzung der fossilen Energien entstanden ist, hat die Menschheit dreißig Jahre, nachdem das Problem weltweit bekannt war, immer noch keinen erfolgreichen Lösungsweg beschritten. Die Frage ist: Lassen sich die Gefahren der künstlichen Intelligenz (z.B. verdeckter Rassismus) eindämmen, ohne dass die Weiterentwicklung erst einmal gestoppt werden muss?
Dazu ein paar Hinweise: Ein Computerprogramm stürzt ab, wenn es falsch programmiert ist, die KI verbessert ihre Funktionsweise selbst. Kann sie auch Fehler ihres Programms aufzeigen? Der Mensch ist oft in Versuchung, sich mehr zuzutrauen, als er zu leisten imstande ist. Kann das der KI auch passieren? Bisher deutet der ChatGPT am Schluss seiner Antworten mit allgemeinen Formeln an, dass seine Antwort nicht letztgültig ist. Kann man ihm beibringen, konkreter aufzudecken, welche Aspekte er nicht bearbeiten konnte?
Und weil es so beliebt ist, irgendwo etwas zu finden, was der Mensch besser kann als eine Maschine. KI kann sich gewiss auf absehbare Zeit nicht wie Rilke vornehmen, "das Unsagbare zu sagen".
Doch die größte Gefahr, die von KI ausgeht, ist vielleicht, dass sie uns dazu verführt, oberflächlich zu lesen. Maryanne Wolf macht darauf aufmerksam, dass digitale Texte schneller gelesen werden, weil sie auf Verwertbarkeit hin gelesen werden. Oft steht bei dem Link zum Text sogar schon die Lesezeit, die man dafür vermutlich brauchen wird, denn der Leser fragt sich ja fast immer: Lohnt es sich, den Text zu lesen, oder kann ich dieselbe Information auch schneller erhalten?
Anspruchsvolle Texte aber müssen langsam und oft mehrmals gelesen werden, bis man merkt, welche ganz persönlichen Empfindungen sie in einem wachrufen. Sie können in der Tat mehr sagen, als der Verfasser ausdrücken konnte, weil sie jedem Leser etwas anderes sagen.
Geht uns das verloren, wenn wir für jedes Informationsinteresse künstliche Intelligenz zur Hilfe nehmen können?
Dienstag, 20. Dezember 2022
Rassismus - Antisemitismus: Arbeit in einem Minenfeld
Aus einem Interview mit Sina Arnold und Meron Mendel über ihr Buch
"[...] Wir wollten ein Forum für einen kritischen Austausch von Antisemitismus- und Rassismuskritik bieten, und das ist so nicht aufgegangen. Unsere Ausgangsdiagnose, dass der politische Streit unmöglich ist, hat sich im Laufe des Produktionsprozesses bestätigt. Aber gleichzeitig muss man auch sagen, dass wir für das Buch seit Erscheinen sehr viel Zuspruch erhalten haben – von Personen aus dem Feld der Antisemitismus- wie der Rassismuskritik. [...]
Das Projekt wäre fast schon vor der Veröffentlichung gescheitert: Zwei Autoren, Kerem Schamberger und Ramsis Kilani, haben ihren eigentlich geplanten Text nicht im Buch abdrucken dürfen. Was war so polarisierend oder explosiv an ihrem Beitrag?
Arnold: Ihr Beitrag war für das Herzstück des Buchs geplant, den Teil der FAQs – Frequently Asked Questions. Dort werden unterschiedliche Antworten auf scheinbar naive Fragen gegeben, beispielsweise zu: Ist Kritik an Israel antisemitisch? Ist jede Verschwörungstheorie antisemitisch? Und auch: Ist der BDS antisemitisch? Wir haben zwei sehr BDS-kritische Beiträge dazu, das spiegelt auch unsere Position als Herausgeber:innen wider. Wir wollten aber auch einen Text dabei haben, der deutlich macht, warum ein Boykott für viele eine annehmbare politische Strategie ist. Wir fanden, dass man über das Thema diskutieren sollte. Der Beitrag von Schamberger und Kilani befasste sich mit der Abwesenheit palästinensischer Positionen in der deutschen Debatte. Als wir die Namen der Autoren aus produktionstechnischen Gründen relativ spät bekanntgaben, machten einige Autorinnen und Autoren klar, dass sie mit den beiden nicht in einem Sammelband sein wollten. [...]
Mendel: Die Lagerbildung ist sehr stark sozialisationsbedingt. Es gibt Kreise, in denen sich der moralische Kompass am Holocaust ausrichtet. Aus der Tradition heraus, die auch ein Stück weit die Frankfurter Schule repräsentiert und die Mahnung, dass sich der Holocaust nicht wiederholen darf, entstand eine linke Denkschule, die der Frage nachgeht, wie es verhindert werden kann, dass wieder Antisemitismus verbreitet wird. Die andere linke Denkschule ist aus der postkolonialen Tradition entstanden, die außerhalb von Deutschland viel verbreiteter ist. Für sie bestimmt das Thema Kolonialismus den moralischen Kompass und die Frage nach Antisemitismus ist sekundär. Juden werden in der Regel in dieser Denkschule als Weiße gesehen – dazu haben wir auch den Beitrag „Sind Juden weiß?“ im Buch. [...]
Aus postkolonial-rassismuskritischer Sicht gilt die Solidarität den Schwachen, Marginalisierten, Ausgeschlossenen, Entrechteten – und damit oft den Palästinenser:innen. BDS-Unterstützer:innen interpretieren mitunter auch die Staatsgründung Israels als einen Akt des europäischen Kolonialismus. Wenn Sie sagen, man muss auch andere Sichtweisen berücksichtigen: Haben Sie denn Verständnis für diese Begründungen der BDS-Unterstützung?
Mendel: Das sind lange Debatten, und all diesen Thesen kann man etwas entgegensetzen. Es spricht aus wissenschaftlicher Perspektive viel gegen die Behauptung, die jüdische Besiedlung von Israel sei ein Ausdruck des Kolonialismus, dazu gibt es einen hervorragenden Text von Stefan Vogt im Buch, der das sehr differenziert darstellt. Nichtsdestotrotz müssen wir uns mit den Fragen auseinandersetzen. Ich kann verstehen, dass es aus der Perspektive von jemandem, der in Nahost lebt, wie Kolonialismus aussehen kann. Es wurden Menschen aus dem Land verdrängt. Das sind Realitäten, die nicht zu leugnen sind. Deswegen müssen diese Perspektiven zusammengebracht werden, und zwar ohne Anspruch darauf, dass man am Ende auf ein einziges geltendes Narrativ kommt. Das wird nicht gelingen. Es würde reichen, wenn die Empathie da ist, um zu verstehen, dass es auch eine andere Sichtweise gibt. Und anzuerkennen, dass es sich um historische Narrative handelt, die vor dem aktuellen Geschehen überprüft werden müssen. Das Verharren in dem einen Narrativ ist keine Lösung. [...]"
Dienstag, 16. Juni 2020
euro|topics: Was können die Anti-Rassismus-Proteste bewirken?
Die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA und Europa reißen nicht ab – auch, weil am Wochenende in Atlanta erneut ein Schwarzer bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam. Ein weißer Polizist schoss den 27-jährigen Rayshard Brooks nieder. Kommentatoren in Europa glauben, dass die Protestbewegung die Gesellschaft nachhaltig verändern könnte.
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Der Sommer könnte heiß werden
Sich ausbreitende Unruhen im Zusammenhang mit den Antirassismus-Protesten fürchtet Ilta-Sanomat:
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Chance zur Mobilisierung der Jugend
Endlich könnte die Gesellschaft ein Gegenmodell zur Politik Macrons entwickeln, erklärt Soziologe Éric Fassin und schreibt in L'Humanité:
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Radikalität lässt sich lernen
Inspiriert von den Protesten in den USA könnten auch die Unterschichten in Europa zur kollektiven Selbstverteidigung übergehen, glaubt Soziologe Pál Tamás in Népszava:
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Das Problem ist der Kapitalismus
AbrilAbril sieht die Proteste als einen Beleg für einen dringend nötigen Systemwechsel:
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Mittwoch, 10. Juni 2020
euro|topics: Rassismus: Von offen bis gut versteckt
Die Tötung George Floyds hat weltweit Erschütterung ausgelöst, Hunderttausende auf die Straßen getrieben und eine Debatte über Rassismus entfacht. Dieser hat viele Gesichter, erklären Kommentatoren und ärgern sich in diesem Zusammenhang auch über heuchlerische Solidaritätsbekundungen.
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Mit fadenscheinigem Lächeln getarnt
Das Perfide am Rassismus in den USA ist, dass er häufig übertüncht wird, schreibt die in den USA lebende Kolumnistin Irina Asjowa in 24 Chasa:
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Auch Missstände zu Hause anprangern
Rassismus in den USA sollte keine Ausrede dafür sein, sich nicht mit den Problemen vor der Haustür zu beschäftigen, rät Autor Ádám Fekő in Azonnali:
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Nichts ist rassistischer als der Hashtag stayhome
Angesichts der Corona-Maßnahmen empfindet Kolumnist Henrique Raposo viele der nun gehörten Solidaritätsbekundungen als heuchlerisch, wie er in Expresso schreibt:
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Für Medien sind Migranten niemals normal
Dass auch die Berichterstattung in den Medien Rassismus befördert und zementiert, erklärt Der Standard:
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Hautfarbe darf kein Argument sein
Wie schnell es passieren kann, dass man mit Kategorien der Hautfarbe denkt und argumentiert, beschreibt Kristeligt Dagblad und verweist auf die mitunter gehörte Meinung, weiße Menschen sollten sich auf den Demos gegen Rassismus besser zurückhalten:
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