Montag, 6. Oktober 2025

Zum Stand der Verhandlungen zum Trump-Plan: euro|topics und Frankfurter Rundschau

Trump zwingt Islamisten zur Kooperation

Israel-Experte Sebastian Engelbrecht lobt im Deutschlandfunk das entschlossene Vorgehen des US-Präsidenten:

„Donald Trump ist ein Mann der Tat. Das hat er schon häufig bewiesen. Jetzt zeigt er diese Eigenschaft als Außenpolitiker. ... Nachdem die Hamas reagiert hat und nur Teile des Plans akzeptierte, ließ sich Trump von dieser Halbherzigkeit nicht irritieren. Er wertete die halbe Zusage als ganze. Gemeinsam mit der geballten Macht arabischer Staaten wirft Trump das ganze Gewicht der Vereinigten Staaten in die Waagschale. Auf die Weise zwingt er die Islamisten zur Kooperation. Dieser Pragmatismus ist es, den der Nahe Osten jetzt braucht. Trump akzeptiert keine halben Zusagen, keine Vorbedingungen, keine ideologischen Bedenken. Er handelt.“

Hamas handelt geschickt

Star sieht die Hamas als vorläufigen Sieger:

„Indem sie sich bereit erklärt hat, die Geiseln freizulassen, hat sie eine Verhandlungsgrundlage geschaffen und sich so eine Verschnaufpause verschafft. Trump und seine Unterstützer, die bis gestern noch eine drohende Sprache benutzten, veröffentlichten die Antwort der Hamas auf ihren eigenen Accounts, wodurch die Terrororganisation von Seiten der USA als Gesprächspartner praktisch anerkannt worden ist. Damit sind Israels Bemühungen, die Hamas zu vernichten und zu isolieren, gescheitert. ... Es handelt sich um einen erfolgreichen Schachzug der Hamas.“

Netanjahu könnte zum Hindernis werden

The Times betrachtet den israelischen Premier als mögliches Hindernis zu einem Frieden:

„Kritiker werfen ihm schon seit Langem vor, den Krieg zu verlängern, um sein politisches und persönliches Überleben zu sichern. Ein Ende des Krieges würde bedeuten, dass ein Korruptionsprozess gegen ihn wieder aufgenommen wird und seine rechte Koalition dadurch gefährdet wäre. ... Sollte die Hamas ihre Waffen nicht abgeben, nicht ins Exil gehen oder sollte ein anderer Teil des 20-Punkte-Plans scheitern, könnte Netanjahu die Terrororganisation jederzeit dafür verantwortlich machen und den Krieg wieder aufnehmen, um so die Gefahr für sein eigenes politisches Überleben zu verringern.“

Weg zum Frieden ist noch sehr lang

Ilta-Sanomat hofft zumindest auf eine vorübergehende Einstellung der Kämpfe:

„Auch wenn die Hoffnung auf einen Waffenstillstand geweckt wurde und Trump seine Initiative als Friedensplan bezeichnet, ist es noch ein langer Weg zu tatsächlichen Friedensverhandlungen. ... Trumps Initiative ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber sie ist zu begrenzt und zu oberflächlich, um die grundlegenden Konflikte zwischen Israel und den Palästinensern beizulegen und den jahrzehntelangen Hass in einen dauerhaften Frieden zu verwandeln. Trotz der Unsicherheit und der vielen Fragen ist es natürlich positiv, wenn die Kämpfe zumindest für die Dauer der Verhandlungen eingestellt werden.“

Frankfurter Rundschau: 


"Die Hamas hatte Trumps Friedensplan am Freitag in Teilen zugestimmt, die geforderte Niederlegung der Waffen aber nicht ausdrücklich akzeptiert. Gegenüber CNN sagte der US-Präsident, der Hamas würde bei einer Weigerung, die Macht im Gazastreifen abzugeben, „komplette Vernichtung“ drohen. 

Eine Hamas-Delegation unter Führung von Chalil al-Haja reiste bereits am Sonntag nach Kairo. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte mit, eine israelische Delegation unter Aufsicht von Minister Ron Dermer werde heute zu den Verhandlungsgesprächen im Touristenort Scharm El-Scheich aufbrechen. Auch der US-Sondergesandter Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner werden bei den Gesprächen erwartet. 

Zusätzlich zur israelischen Delegation unter der Leitung von Minister Ron Dermer wurden auch Regierungsvertreter der Türkei erwartet. Die führenden Hamas-Mitglieder außerhalb Gazas leben meist in Katar oder der Türkei. Laut Sicherheitskreisen seien die Hamas-Vertreter „in deutlichem Maß empfänglich“ für die Bemühungen Ägyptens und Katars, eine Einigung zu erreichen. Sie hätten „ehrlichen Willen“ gezeigt, die Situation im aktuellen Gaza-Konflikt im Einklang mit Trumps Plan zu verbessern. Ägypten und Katar vermitteln gemeinsam mit den USA in dem seit zwei Jahren andauernden Krieg.

Armin Laschet, Vorsitzender im Auswärtigen Ausschuss im Deutschen Bundestag, hat die EU mit Blick auf die Verhandlungen zwischen der Hamas und Israel scharf kritisiert. Auf X erklärte Laschet, ihn schmerze „die Irrelevanz der EU bei der Beendigung des Gaza-Krieges. Mit Sanktionsdrohungen der Kommissionspräsidentin und einseitigen Deklarationen einiger Mitgliedsstaaten hat sich Europa als Vermittler selbst disqualifiziert.“ Erst der Trump-Plan mit Unterstützung der Arabischen Welt habe die Möglichkeit für eine baldige Geiselfreilassung und einen Waffenstillstand geschaffen, „während auf den Straßen Europas die antisemitischen Hamas-Unterstützer den Terror der Terroristen bejubeln.“

 Kairo – Die Hoffnung auf ein Ende des Gaza-Krieges wächst: Heute beginnen in Ägypten die mit Spannung erwarteten Verhandlungen zwischen Israel und der radikal-islamistischen Terrororganisation Hamas. Die indirekten Gespräche sollen auf Basis des 20-Punkte-Friedensplans von US-Präsident Donald Trump eine Waffenruhe und die Freilassung der verbliebenen Geiseln ermöglichen. Gesandte aus den USA, Ägypten und Katar werden zwischen beiden Konfliktparteien vermitteln.

Im Zentrum der Verhandlungen steht zunächst ein Geiselaustausch: Die Hamas soll die noch lebenden 20 Geiseln sowie die sterblichen Überreste von 28 weiteren Gefangenen freigeben. Im Gegenzug würden Hunderte palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen entlassen. Doch die Verhandlungen versprechen schwierig zu werden – die Entwaffnung der Hamas und der Rückzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen bleiben hochumstrittene Punkte.

Donald Trump zeigte sich im Vorfeld optimistisch, erhöht aber gleichzeitig den Druck auf alle Beteiligten. Der US-Präsident schrieb auf seiner Plattform Truth Social: „Mir wurde gesagt, dass die erste Phase diese Woche abgeschlossen sein sollte, und ich bitte alle, SICH ZU BEEILEN.“ Trump droht mit drastischen Konsequenzen, sollten die Verhandlungen scheitern: „SONST WIRD ES ZU MASSIVEM BLUTVERGIESSEN KOMMEN – ETWAS, DAS NIEMAND SEHEN MÖCHTE!“ "

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