Historiker Frank Trentmann: „Die Europäer sind in eine verwundbare Position geraten“, FR 18.2.26, Interview
https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/trotz-aufruestung-fehlt-europa-eine-gemeinsame-verteidigungspolitik-94174589.html
"[...] Es wurde die Schuldenbremse gelockert und es steht mehr Geld für die Bundeswehr bereit. Zudem hat sich Deutschland verpflichtet, dauerhaft Kräfte in Litauen zu stationieren. Aber wenn man genauer hinschaut, erkennt man: Viele Maßnahmen greifen noch nicht. Finanzielle Zusagen führen nicht automatisch zu militärischer Einsatzfähigkeit. Die Aufrüstung stockt und die Rekrutenzahlen sind weiterhin zu niedrig. Besonders deutlich wird das am Beispiel der für Litauen vorgesehenen zwei Bataillone: Ihnen fehlen bislang mehr als die Hälfte der erhofften Freiwilligen.
Wie ist es auf europäischer Ebene?
Auf europäischer Ebene fehlt eine gemeinsame strategische Linie, die diesen Namen verdient. Das hat mehrere Gründe. Ein naheliegender ist: Die großen europäischen Länder sind seit 1945 sehr unterschiedlich geprägt, was ihr Militär angeht. Frankreich versteht sich gerne als Militärmacht, das gehört zum Selbstbild der Republik. Großbritannien ebenfalls – wenngleich seine nukleare Abschreckung enger mit den USA verflochten ist als die französische. Deutschland wiederum muss mental und politisch erst aus einer jahrzehntelang gepflegten Rolle der „Friedensmacht“ herausfinden und die eigene Verteidigungsfähigkeit überhaupt als Priorität erkennen. [...]"
Dies Interview mit Frank Trentmann steht in der Frankfurter Rundschau im Feuilleton
Dazu die KI Gemini:
"Frank Trentmann, ein renommierter Historiker am Birkbeck College in London, hat sich in seinen jüngsten Veröffentlichungen und Interviews (insbesondere rund um sein 2024/2025 viel diskutiertes Werk „Aufbruch des Gewissens“ und sein neues Buch „Die blockierte Republik“) intensiv mit der moralischen und politischen Verfassung Deutschlands und Europas auseinandergesetzt.
Obwohl er kein klassischer Militärstratege ist, lassen sich seine Thesen zur europäischen Verteidigung und der deutschen Rolle darin wie folgt zusammenfassen:
1. Verteidigung als moralische Verpflichtung
Trentmann argumentiert, dass sich das deutsche „Gewissen“ seit 1945 grundlegend gewandelt hat. Lange Zeit war „Moral“ in Deutschland mit Pazifismus und Zurückhaltung gleichgesetzt.
Der Wandel: Er beobachtet, dass die Verteidigung der Demokratie heute zunehmend als eine moralische Pflicht wahrgenommen wird.
Die These: Wer die Freiheit erhalten will, darf nicht nur auf Diplomatie setzen, sondern muss bereit sein, diese auch materiell und militärisch zu schützen.
2. Kritik an der „Blockierten Republik“
In seinem aktuellen Buch „Die blockierte Republik“ (2025/2026) kritisiert er eine deutsche Neigung zum Pessimismus und zur Selbstblockade, die auch die Verteidigungspolitik betrifft:
Strukturelle Trägheit: Er sieht Deutschland (und Teile Europas) in veralteten Strukturen gefangen, die schnelle Reaktionen auf neue Bedrohungen (wie den Ukraine-Krieg) erschweren.
Investitionsstau: Trentmann ordnet die Debatte um Verteidigungsausgaben in einen größeren Kontext ein: Er sieht die Notwendigkeit, massiv in die Zukunft zu investieren – wozu er neben Infrastruktur und Bildung explizit auch die europäische Sicherheit zählt.
3. Europa als Schicksalsgemeinschaft
Trentmann betont, dass die nationale Perspektive allein nicht mehr ausreicht. Er sieht die europäische Verteidigung als Lackmustest für die Fähigkeit des Kontinents, sich aus der Abhängigkeit (insbesondere von den USA) zu lösen.
Zukunft der NATO: Angesichts politischer Veränderungen in den USA (Stichwort: Trump-Administration) mahnt er, dass Europa eine eigene, kraftvolle Verteidigungsidentität entwickeln müsse, die nicht nur auf Technik, sondern auf einem gemeinsamen moralischen Fundament steht.
Kernthesen im Überblick
| Thema | Trentmanns Position |
| Pazifismus | Muss durch eine „wehrhafte Demokratie“ ergänzt werden. |
| Budget | Verteidigungsausgaben sind notwendige Investitionen gegen den Niedergang. |
| Mentalität | Deutschland muss den „Tunnelblick“ verlieren und globale Verantwortung akzeptieren. |
„Um die Herausforderung zu bewältigen, müsse man diese erstens als lösbar ansehen und zweitens ein Ziel haben.“ – Frank Trentmann zur aktuellen Krisenlage (2025).
Möchtest du mehr darüber erfahren, wie Trentmann die wirtschaftlichen Folgen der Aufrüstung für den europäischen Sozialstaat einschätzt?"
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