Mittwoch, 10. Juni 2026

euro|topics: Aus für deutsch-französisches FCAS-Kampfjetprojekt (10.06.2026)

 

Das europäische Kampfjetprojekt FCAS ist gescheitert. Wie die deutsche und die französische Regierung am Montag mitteilten, wird die Entwicklung des gemeinsamen Kampfflugzeuges gestoppt. Der Jet sollte im Zentrum des Future Combat Air Systems stehen, einem Schlüsselprojekt der europäischen Rüstungskooperation. Die beteiligten Konzerne Airbus und Dassault konnten sich nicht darauf einigen, wer die Führungsrolle dabei innehat.

Salzburger Nachrichten (AT)

Rückschlag für europäische Rüstungspolitik

In den Salzburger Nachrichten heißt es:

„Das Aus für das auf 100 Milliarden Euro geschätzte Prestigeprojekt ist nicht nur symptomatisch dafür, dass viele europäische Staaten unverändert auf starke nationale Rüstungsindustrien setzen – wobei es beim FCAS weniger am politischen Willen, sondern vielmehr an einem Machtkampf unter den involvierten Unternehmen Dassault und Airbus scheiterte. Der Abbruch ist zweifellos auch ein Rückschlag für die Bemühungen in Europa, in der Verteidigungspolitik unabhängiger von den USA zu werden.“

Thomas Sendlhofer
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La Vanguardia (ES)

Nationale Interessen gehen vor

Europa kann es einfach nicht, meint La Vanguardia:

„Das eingestellte Projekt sah ein vernetztes Kampfsystem vor, dessen Kern ein bemanntes Flugzeug bildete, ergänzt durch Drohnen, ferngesteuerte Trägersysteme und eine militärische Wolke, die Combat Cloud, zur Koordinierung sicherer Kommunikation zwischen Luft-, See-, Land- und Weltraumplattformen. … Das FCAS (Future Combat Air System) zeigt beispielhaft die Grenzen und Diskrepanzen in der kontinentalen Zusammenarbeit. … Nationale Interessen haben weiterhin Vorrang vor einer umfassenden strategischen Vision für Europa. Diese Unfähigkeit zur Einigung ist eine politische Niederlage für den Motor Europas, die deutsch-französische Achse, und eine harte Realitätsprobe für die europäischen Ambitionen auf Rüstungssouveränität.“

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Les Echos (FR)

Fehlende Kompromissbereitschaft

Das Projekt war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, urteilt Les Echos:

„Es ist sinnlos, dem Scheitern des FCAS nachzutrauern – der Wurm war schon von Beginn an drin. Keiner der Beteiligten war bereit, einen Kompromiss einzugehen. Weder die französischen Flugzeughersteller, die noch immer glauben, ihre Systeme allein entwickeln zu können, noch die deutschen Industriekonzerne, die die enormen Haushaltsanstrengungen ihrer Regierung für die Wiederaufrüstung nicht mit anderen teilen wollen, noch Europa, das es nicht mehr wagt, seine Finanzierung an eine Zusammenarbeit von drei oder vier Ländern pro Projekt zu knüpfen. ... Trotzdem war die Gelegenheit, die europäische Rüstungsindustrie zu unterstützen, noch nie so günstig wie heute.“

Christophe Jakubyszyn
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Der Spiegel (DE)

Alles andere wäre unverantwortlich gewesen

Der Spiegel sieht die Schuld auf französischer Seite:

„Merz hat alles versucht, die unter seinem Vorgänger schon bekannten Probleme zu lösen. Die Bundesregierung hat den politischen Dialog mit Paris gesucht, sie hat ein Mediationsverfahren mitgetragen, der Kanzler hat mit Trappier telefoniert. Der französische Rüstungsmanager blieb hart: Er beanspruchte die alleinige Führung beim Bau des Kampfjets und die Hoheit über die Nutzung der geistigen Eigentumsrechte an dem Projekt. Hätte sich Merz den Forderungen gebeugt, wäre Airbus zum bloßen Zulieferer degradiert worden. Deutschland würde die technologische Fähigkeit zum Bau von Kampfflugzeugen endgültig verlieren. Das wäre industrie- und auch rüstungspolitisch unverantwortlich.“

Paul-Anton Krüger
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France Inter (FR)

Deutschland immer öfter im Alleingang

In Frankreich wächst die Sorge über eine deutsche Abkehr von europäischen Projekten, schreibt Kolumnist Pierre Haski in France Inter:

„In Paris beobachtet man bei mehreren industriellen Themen im Verteidigungsbereich eine Tendenz zu einem Alleingang Deutschlands. … Zu den Projekten, die Deutschland trotz europäischer Alternativen allein in Angriff nimmt, gehören eine Konstellation von Kommunikationssatelliten sowie der Start von Raketen. Dabei geht es weniger um militärische Macht als um industrielle Schlagkraft. ... Frankreich, das seine militärische Stärke und seine Rüstungsindustrie zu seinem wichtigsten Trumpf innerhalb der EU gemacht hatte, sieht sich nun von seinem deutschen Partner herausgefordert. Genau hier erhält das FCAS eine starke symbolische Bedeutung.“

Pierre Haski
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Neue Zürcher Zeitung (CH)

Das Programm läuft partiell weiter

Die Neue Zürcher Zeitung sieht die Situation nicht so dramatisch:

„Tatsächlich bedeutet das Aus des bemannten Kernstücks von FCAS nicht das vollständige Ende des Programms, denn die Partner wollen Teile wie Drohnen und die Combat-Cloud weiterentwickeln und sogar unter dem Namen FCAS fortführen. Dennoch ist der Schlag für die europäische Verteidigungsindustrie hart. Europa steht unter Druck, seine Abhängigkeit von amerikanischen Luftkampfsystemen zu reduzieren, ohne dass eine eigenständige Alternative schon in Reichweite wäre.“

Daniel Steinvorth
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