Montag, 1. Dezember 2025

euro|topics: Ukraine-Krieg: Was treibt die Verhandlungen an?

Die Gespräche zur Beilegung des Ukraine-Kriegs gehen trotz des Skandals um Telefonmitschnitte der Unterhändler weiter. Am Sonntag besprach sich eine ukrainische Delegation mit US-Vertretern in Florida, diese Woche sollen nun amerikanische Unterhändler mit den westlichen Vorschlägen nach Moskau reisen. Europas Presse erörtert bremsende und treibende Faktoren des Friedensprozesses.

Tages-Anzeiger (CH)

Kriegsmüdigkeit liegt in der Luft

Nach Ansicht des Tages-Anzeiger gibt es für keine der Kriegsparteien mehr etwas zu gewinnen:

„Fast vier Jahre hat dieser Krieg bereits gedauert, bald ist das länger als der Erste Weltkrieg. Wer hätte sich das je vorzustellen vermocht? Kriegsmüdigkeit liegt in der Luft. Die Toten, die Verstümmelten, die Verarmten. Dass Trump diesen Krieg hasst, weil er es hasst, Geld zu verlieren, mag sich als ein Vorteil erweisen. Er will ein Ende um jeden Preis. Entscheidend dürfte jedoch etwas anderes sein: dass Ukrainer und Russen beide merken, dass es für sie nichts mehr zu gewinnen gibt.“

Markus Somm
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Eco (PT)

Trump braucht sinkende Weltmarktpreise

Der US-Präsident zielt mit seinen Friedensbemühungen auch auf eine Senkung der Lebenshaltungskosten im eigenen Land, meint Eco:

„Der Inflationsanstieg in den Jahren nach der Pandemie war ein wichtiger Faktor für Bidens Niederlage und Trumps Sieg. Das Problem der Lebenshaltungskosten besteht weiterhin und war ausschlaggebend für die jüngsten Siege der Demokratischen Partei bei den Wahlen in New York [und New-Jersey]. Das Ende des Konflikts in der Ukraine würde nun russisches Öl und Erdgas sowie ukrainisches Getreide und Düngemittel wieder auf den internationalen Markt bringen, wodurch die Preise sinken und die Inflation nachlassen wird.“

André Veríssimo
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Financial Times (GB)

Russisches Vermögen endlich anzapfen

Die EU hat immer noch einen großen Trumpf in der Hand, erinnert Financial Times:

„Das ist die Kontrolle über den Großteil der seit 2022 eingefrorenen Vermögenswerte der russischen Zentralbank. ... In letzter Zeit wurde die EU von Belgien, wo der Großteil der Vermögenswerte gehalten wird, blockiert, da es befürchtet, zur Kasse gebeten zu werden, wenn Russland eines Tages in der Lage sein sollte, das Geld zurückzuerhalten. Der Instinkt der EU, das Völkerrecht aufrechtzuerhalten, ist gut begründet. Da jedoch nicht nur Russland, sondern nun auch die Trump-Regierung internationale Normen mit Füßen tritt, muss sie außergewöhnliche Maßnahmen in Betracht ziehen, um die Ukraine und ihre eigene Sicherheit zu unterstützen.“

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Naftemporiki (GR)

Europas Sturheit ist kontraproduktiv

Naftemporiki hält Trumps Friedensplan für eine pragmatische Lösung und kritisiert die prinzipielle Haltung der Europäer:

„Sich selektiv auf den Grundsatz der territorialen Integrität und der staatlichen Souveränität in der Ukraine zu berufen, wenn man denselben Grundsatz in den meisten Fällen mit Füßen tritt, ist einfach nur Heuchelei. Werfen wir einen Blick auf Zypern [mit dem von der Türkei besetzten Norden]. Der 'Verrückte mit den orangenen Haaren' und der 'paranoide Diktator im Kreml' sind, wenn sie ihre Interessen, die Risiken und das Kräfteverhältnis abwägen, viel besonnener als die entfesselten Europäer. Der vorliegende Entwurf bildet die Grundlage für einen neuen Vertrag über langfristige Sicherheit und Stabilität zwischen Europa, Russland und den USA.“

Spyros Goutzanis
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