Karp will Palantir zur Stärkung der westlichen Abwehrkräfte nutzen, aber es könnte auch in einen Überwachungsstaat nach chinesischem Modell münden.
Alex Karp und Palantir: Krieg der Steine, FR 17.8.2025
"[...] US-Medien berichten, dass die mit Hilfe von Palantir gesammelten riesigen Datenmengen jegliche Privatsphäre der Menschen in den USA zerstören würden. Das, worauf die Amerikaner und Amerikanerinnen immer so stolz sind, ein Land ohne einen mächtigen Staat zu sein, verkehre sich in sein Gegenteil. Nur der Sozialstaat werde geschrumpft, dagegen wachse der Überwachungsstaat, der damit alle Mittel in die Hand bekommt, die unliebsame Opposition zu zerstören. Karp wird sicher wissen, dass ein Manichäismus in der Geschichte der Menschheit noch nie liberale Gesellschaften gestützt, geschweige denn erhalten hat.
Es ist erstaunlich, wie wenig ein Studium der Soziologie und Philosophie mitunter zu einem humanen Weltbild beiträgt. Karp gilt mit seiner Firma Palantir aus Sicht der Medien als eine der gefährlichsten Personen der Welt. Doch der Mensch, der mit Hegels Dialektik Bekannschaft machte, wirkt nicht wie jemand, den man sonst nur als Schurken aus James-Bond-Filmen kennt. In Deutschland greifen Datenschutzgesetze, die seine Macht beschränken. Viele Bundesländer verzichten auf den Einsatz der Software. Andere wie Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen nutzen die Palantir-Software bereits, in Baden-Württemberg ist der Einsatz geplant.[...]
Karp fordert eine Wiederaneignung jener Werte, für die der Westen stehe. Der Westen müsse nicht nur seine Errungenschaften verteidigen, sondern auch stolz darauf sein, sie in eine kohärente gemeinsame Identität zu verwandeln. Mit dem, was man als „Westen“ bezeichnet, freie, liberale und offene Gesellschaften, hat das, was Palantir treibt, wenig zu tun. Das sollte eigentlich auch der frühere Frankfurter Seminarist Alexander Karp wissen.
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