Sonntag, 1. Dezember 2019

euro|topics: Black Friday und Klimanotstand


Black Friday: Konsumrausch als Symptom?
Der heutige letzte November-Freitag wird unter der Losung Black Friday von immer mehr Unternehmen genutzt, um Kunden mit Angeboten zu locken. Nach US-Vorbild wird so auch das Weihnachtsgeschäft marketingwirksam eingeläutet. Für Kommentatoren zeigt das Rabattspektakel, dass unsere Gesellschaft kritiklos dem Konsum frönt. Sie geben aber auch zu bedenken, dass Verzicht an diesem Tag durchaus Luxus ist.
NEUE LUZERNER ZEITUNG (CH)

Heute Ernst machen mit dem Klimaschutz

Zum Black Friday sollten Konsumenten ihre Macht beweisen, fordert die Luzerner Zeitung:
„Der Verzicht fällt uns schwer. Gleichzeitig sehen wir uns selten als Teil des Problems, selbst wenn wir munter günstige Ware aus Fernost bestellen und nach Mexiko in die Ferien fliegen. Öffentlichkeitswirksame Aktionen wie der Klimastreik, der diesen Freitag mit dem Black Friday zusammenfällt, steigern das Bewusstsein für das Problem und die Folgen des eigenen Handelns. Kontraproduktiv ist jedoch, wenn die Akteure zu moralisierend auftreten und sich Konsumenten bevormundet fühlen. Denn deren Macht sollte nicht unterschätzt werden. Bei jedem Kauf können sie entscheiden, ob sie ein Unternehmen belohnen, das faire Löhne zahlt, umweltbewusst produziert und Menschenrechte respektiert. Am besten schon am Freitag.“
Gabriela Jordan
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LE FIGARO (FR)

Nicht alle können sich Boykott leisten

Zugunsten der Umwelt Vergünstigungen zu ignorieren, ist nicht allen Menschen möglich, geben der Ökonom Jérôme Batout und der Berater Geoffroy Daignes in Le Figaro zu bedenken:
„Sieht man die Mittelschicht und das einfache Volk sich weltweit auf die Angebote stürzen, könnte man schlussfolgern, dass übermäßiger Konsum den weniger Betuchten zuzuschreiben ist – und folglich auch der damit einhergehende Klimawandel. Die Superangebote zum Black Friday richten sich aber in erster Linie gerade an eine Bevölkerungsgruppe, die auf Preisnachlässe angewiesen ist, um ihre Kaufkraft zu bewahren. Einige haben wirklich keine andere Wahl, als für Anschaffungen auf diesen Tag zu warten. Die Reichsten können sich der Sonderangebote leicht erwehren.“
Jérôme BatoutGeoffroy Daignes
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TO VIMA (GR)

Was ihnen wirklich fehlt, merken Konsumenten nicht

Die Menschen sind Opfer ihrer Leidenschaften geworden, bemerkt Schriftstellerin Sofia Margariti in To Vima:
„Unsere Konsumgesellschaft hat einen totalitären Charakter bekommen, da sie materielle Bedürfnisse als globale und metaphysische Werte darstellt und geschickt die Auswirkungen dieser Mutation vertuscht. Der Mensch als Opfer hat alle Abwehrmechanismen erschöpft und betrachtet seinen Mangel als Mangel an 'Haben', nicht als Mangel an 'Sein'. Er hat nicht Angst, dass die langanhaltende Wirtschaftskrise eine tödliche Bedrohung für sein Leben oder seine Freiheit darstellen kann, sondern, dass die Reduzierung des Konsums und des Genusses seinen Komfort und seine Güter bedrohen wird.“
Sofia Margariti
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LA STAMPA (IT)

Wir shoppen gemütlich, die Amazon-Sklaven ackern

In einigen Städten Italiens streiken dieser Tage die Amazon-Paketboten. Recht haben sie, findet La Stampa:
„Sie sind die neuen Sklaven. Nur weiß das niemand. ... Mit ihrem Streik richten sich die Paketboten während der Tage des Black Friday gegen Amazon, an denen der amerikanische Riese des Online-Shoppings die fettesten Geschäfte macht. Das mag für Jeff Bezos kein großer finanzieller Verlust sein, wird aber zumindest die Aufmerksamkeit auf die Arbeitsbedingungen der Boten lenken. ... Wir sitzen am Computer, müssen bei Regen nicht das Haus verlassen und wählen die vielen schönen Weihnachtsgeschenke mit Rabatt aus. Und stellen uns dabei nicht einmal vor, was hinter dem Paket steckt … Arbeiter, die gezwungen sind, unter Bedingungen zu arbeiten, die an die Fließbänder des Fordismus erinnern.“
Caterina Soffici
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THEJOURNAL.IE (IE)

Leider die falschen US-Ideen kopiert

Die Europäer sollten sich von den Amerikanern lieber das Thanksgiving-Fest abschauen, das gestern gefeiert wurde, fordert Kolumnist Larry Donnelly in thejournal.ie:
„Von allen Dingen, die die USA weit über ihre Grenzen hinaus exportiert haben, ist der Black Friday das Schlimmste. Wenn ich Black Friday-Werbungen von angesehenen irischen Einzelhändlern höre oder lese, verzweifle ich. Auf der anderen Seite wünsche ich mir, dass das Thanksgiving-Fest überall in der Welt gefeiert wird – auch wenn ich mit dieser Äußerung das Risiko eingehe, als Kulturimperialist bezeichnet zu werden. Wäre es nicht edel und erstrebenswert, für das zu danken, was wir haben? Viele von uns neigen dazu, sich ständig mit all dem zu beschäftigen, das in unserem Leben und in unserer Welt falsch läuft. Es ist gut, das Negative beiseite zu lassen und das Positive hervorzuheben – wenn auch nur für einen Tag.“
Larry Donnelly
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Black Friday: Konsumrausch als Symptom?
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"Klimanotstand" in der EU - ist das sinnvoll?
EU-Kommission und Mitgliedsstaaten sollen künftig alle Entscheidungen hinsichtlich ihrer Folgen auf Klima und Umwelt überprüfen: Das besagt der "Klimanotstand", den das EU-Parlament am Donnerstag mit großer Mehrheit ausgerufen hat. Ähnliche Beschlüsse hatten zuvor bereits einzelne Städte und Staaten gefasst. Journalisten zeigen sich wenig beeindruckt von dem Beschluss.
ST. GALLER TAGBLATT (CH)

Bloß nicht in Hysterie verfallen

Die Ausrufung eines Klimanotstands ist blanker Populismus, empört sich das St. Galler Tagblatt:
„Zur Erreichung ihrer politischen Ziele manipulieren die Öko-Populisten Ängste und Emotionen. Es sind dieselben Mechanismen, derer sich auch die Populisten vom anderen Ende des Polit-Spektrums bedienen. Man stelle sich vor, der italienische Rechtsausleger Matteo Salvini und seine Freunde hätten 2015 den 'Migrationsnotstand' ausgerufen und gefordert, sämtliche Politikbereiche ab jetzt der Verhinderung von Migration unterzuordnen. Die Empörung auf der linken Seite wäre total gewesen. Sicher: Der beschleunigte Klimawandel und auch die Beteiligung des Menschen daran ist eine Tatsache. Ebenso die gesteigerte Migration aus Afrika und anderen Weltgegenden. Aber in beiden Fällen sollte man vermeiden, in Hysterie zu verfallen.“
Remo Hess
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ZEIT ONLINE (DE)

Notstandserklärungen sind historisch belastet

Zeit Online findet die Maßnahme aus historischen Gründen völlig unangebracht:
„Die Deutschen müssten besser wissen als andere, wozu das führen kann. Die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 setzte die Bürgerrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft und ermöglichte die Machtergreifung Adolf Hitlers. ... Natürlich ist das eine Übertreibung. Doch in Zeiten des Notstands, in dem wir laut Resolution des Europaparlaments alle leben, kann es nicht falsch sein, an die historischen Vorläufer zu erinnern. Zumindest weiß man, auf welchem belasteten Terrain wir uns jetzt befinden. Das Parlament wäre im Fall eines nicht symbolisch gemeinten, sondern eines echten Notstands ja das erste Opfer. Es würde sofort aufgelöst.“
Ulrich Ladurner
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DENIK (CZ)

Klima, Frösche, Grenzen – alles Symbolpolitik

Nicht sonderlich ernst nimmt Denik die Erklärung:
„Der Entschluss des EU-Parlaments hat keine Rechtskraft und bindet niemanden. Weder die Kommission noch die Mitgliedstaaten. Sie ist lediglich ein Ausdruck des Standpunkts des Europäischen Parlaments in dieser Angelegenheit. Ähnliche Beschlüsse gab es früher zu allem Möglichen, von der Lage in Berg-Karabach bis hin zum Schutz der Frösche im nördlichen Verlauf des Flusses Hornád. Meist ohne wirklichen Einfluss auf Karabach und die Frösche. ... Zwischen Brüssel und den meisten EU-Ländern gibt es keine Differenzen beim Ziel der Beschränkung der Erderwärmung. Die Frage ist nur, wie man es macht, bis wann und wie viel man dafür ausgibt.“
Luboš Palata
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