https://www.zeit.de/digital/internet/2025-04/wikipedia-donald-trump-elon-musk-angriff-autoren ZEIT 1.5.2025
"[...] Fragt man in Deutschland nach, wie die Stimmung hierzulande ist, dann sagt Franziska Heine, geschäftsführende Vorständin von Wikimedia Deutschland: In der deutschsprachigen Wikipedia-Community könne sie nicht erkennen, dass bestimmte Debatten nicht mehr geführt, Artikel nicht mehr geschrieben würden. Sie führt das auf die starke Regelhaftigkeit des Schreibens in der Wikipedia zurück. Einzelne Wikipedianerinnen und Wikipedianer bestätigen das. Der Kulturkampf scheint in Deutschland noch nicht in gleichem Maße geführt zu werden wie in den USA – oder er ist noch nicht so offensichtlich.
Auch mit Blick auf die USA macht sich Heine offenbar keine allzu großen Sorgen: Trump sei doch schon einmal Präsident der Vereinigten Staatengewesen – und die englischsprachige Wikipedia habe das unbeschadet überstanden. "Weil die Mechanismen, die man sich dort erarbeitet hat, getragen und gehalten haben." Das stimme sie grundsätzlich auch für die Zukunft optimistisch.
Anfang Februar hat die Wikimedia Foundation angekündigt, mehr für den Schutz ihrer Autorinnen und Autoren tun zu wollen . Für den Einzelnen stellt sich allerdings die Frage: Reicht das?[https://www.404media.co/wiki pedia-prepares-for-increase-in-threats-to-us-editors-from-musk-and-his-allies/]
"Wer beschützt uns dann?"
Schon einige Wochen bevor der US-Staatsanwalt Martin seinen Brief an die Wikimedia Foundation verschicken wird, kann man auf der WikiCredCon in San Francisco die Angst der US-Autorinnen vor ihrer eigenen Regierung beobachten.
In einem großen Saal in der ehemaligen Kirche, in dem noch vor wenigen Jahren Gottesdienste gefeiert wurden und die Kirchenbänke stehen geblieben sind, bricht am zweiten Tag der Konferenz auf, was sich hier bisher nur angedeutet hatte. Etwa zehn Menschen diskutieren, wie sie die Wikipedia – und sich selbst – vor Angriffen von rechts schützen können. Die Gesichtsausdrücke sind besorgt, die Stimmen verzweifelt.
"Was machen wir, wenn wir verhaftet werden?", fragt eine Frau in die Runde."Wer beschützt uns dann?"
Einige nicken.
Als ein Vertreter der weltweiten Wikimedia-Stiftung zur Gruppe stößt, konfrontieren ihn die Teilnehmer mit einer drängenden Frage: Welche Datenspeichert die Organisation über sie und andere Wikipedia-Autoren? Die Angst ist groß, dass US-Behörden oder US-Gerichte die Non-Profit-Organisationzwingen könnten, persönliche Informationen herauszugeben – und damit die Identität der Autoren preiszugeben. Das Vertrauen in den Rechtsstaat ist zumindest in dieser Runde kaum vorhanden. Auch auf die Wikimedia Foundation scheint sie sich nicht verlassen zu wollen.
"Wir sind nicht vorbereitet", sagt eine der Frauen energisch. "Wir haben verdammte Angst." "
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