Donnerstag, 19. Mai 2022

euro|topics: Russland: Wächst der Unmut über den Kriegsverlauf? - Nato und Blockade für Neuaufnahmen


Einerseits gilt der Sieg am Stahlwerk Asowstal als Teilerfolg für das russische Militär. Gleichzeitig häufen sich Anzeichen dafür, dass Russland seine Kriegsziele verfehlt, erhebliche Verluste hinnehmen muss und gebietsweise zurückgedrängt wird. Westliche Geheimdienste berichten, dass sich Putin verstärkt ins militärische Tagesgeschäft einmischt. Europas Presse eruiert den innenpolitischen Druck.

WPOLITYCE.PL (PL)

Nationalisten erhöhen den Druck

Niederlagen, wie die am Siwerskyj Donez, wo Dutzende Panzer zerstört wurden, lassen die Hardliner in Russland noch vehementer den Sieg über die Ukraine fordern, befürchtet Wpolityce:

„Sie bedienen sich der gleichen Großmachtrhetorik wie Putin, sie hassen die Ukraine genauso sehr und fordern ebenfalls die Fortsetzung des Krieges. Aber sie sehen, was die ganze Welt sieht und was die meisten Russen noch nicht sehen: den schrecklichen Zustand der russischen Armee, ihre katastrophale Führung und die demütigenden Niederlagen, die sich nicht länger verbergen lassen. Sie sind überzeugt, dass sie keine weitere Chance bekommen, wenn sie die Ukraine jetzt nicht besiegen. Deshalb werden sie immer lauter und entschlossener.“

Grzegorz Górny
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NOWAJA GASETA EWROPA (RU)

Frust aus den eigenen Reihen

Heftige Kritik kommt aus einer unerwarteten Ecke, schreibt Nowaja Gaseta Ewropa:

„Igor Girkin-Strelkow, einer der Anführer der streng rechten, ultranationalistischen Kreise, meint [in sozialen Netzwerken] schon lange, dass die russische Operation in der Ukraine ein Krieg sei, in Sachen Kriegskunst sehr schlecht gehandhabt werde (was völlig richtig ist) und die Führung absolut inkompetent sei. In letzter Zeit spricht er davon, dass sich Putin immer öfter in die Führung der Truppen einmischt und selbst entscheidet, wohin dieses oder jenes Bataillon zu schicken sei. Putin hat keine militärische Ausbildung, er agiert und entscheidet aus dem Bauch heraus. ... Befehle des Präsidenten müssen die Kommandeure befolgen. Aus Angst können sie keine Inkompetenz kritisieren.“

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DENNÍK N (SK)

Feldherr Putin scheitert wie einst Hitler

Wenn Berichte westlicher Geheimdienste stimmen, wonach Wladimir Putin persönlich mit Entscheidungen in die Kämpfe in der Ukraine eingreife, ist das nach Meinung von Denník N ein Zeichen von Schwäche:

„Ein gewisser Adolf Hitler hat sich einst genauso verhalten. Auch sein Feldzug verlief nicht nach seinen Vorstellungen, er vertraute seinen Generälen nicht mehr und mischte sich zunehmend vom Tisch seines Bunkers aus in deren Entscheidungen ein. ... Putin begeht jetzt denselben Fehler. Wenn er an sein Genie und seine Fähigkeit glaubt, eine Armee führen zu können, ist das auch ein klares Zeichen dafür, dass er sich der Probleme und Misserfolge bewusst ist. ... Sobald sich ein verängstigter Diktator einem solchen Mikromanagement nähert, hat der Rest der Welt Grund zum Optimismus.“

Roman Pataj
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SPOTMEDIA (RO)

Kreml kann Asow-Soldaten vorführen

Die Verhaftung von Mitgliedern des Asow-Bataillons könnte der Kreml als einen der eigenen Logik nach bedeutenden Sieg verkaufen, hebt Spotmedia hervor:

„Das Asow-Bataillon ist zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden, aber auch zu einem möglichen Ausweg für Putin. Die Hauptidee der Kreml-Propaganda, war die 'Denazifierung', mit der man die Invasion des Nachbarlandes gerechtfertigt hat. … Putin, der nicht sagen konnte, dass sich sein autoritäres Regime vom Liberalismus Kyjiws bedroht fühlt, hat die Theorie des ukrainischen Nazismus erfunden. Das Asow-Bataillon, das 2014 aus Freiwilligen gebildet wurde, die sich zum Kampf gegen die von Moskau unterstützten russischen Separatisten im Osten des Landes meldeten, ist zur 'Personifizierung des Nazismus' geworden.“

Emilian Isaila
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Nato-Beitritte: Wie umgehen mit Ankaras Blockade?

Die Türkei sperrt sich gegen die gewünschten Nato-Beitritte Finnlands und Schwedens. Man könne keiner Aufnahme von Ländern zustimmen, die Terrororganisationen wie die PKK tolerierten und Sanktionen gegen die Türkei verhängten, so Präsident Erdoğan. Wegen ihres Militäreinsatzes in Syrien liefert Schweden der Türkei seit 2019 keine Waffen. Europas Presse sucht nach Auswegen.

ETC (SE)

Übles Tauschgeschäft

ETC befürchtet, dass Schweden jetzt die Kurden im Stich lässt:

„Erdoğan hat die Chance genutzt. Die kleine Brust streckt sich wie bei einem Dompfaff. Nein danke an Schweden und Finnland, denn 'skandinavische Länder sind Herbergen für Terrororganisationen', sagt der durchschnittliche Diktator in Istanbul, der das letzte Jahrzehnt damit verbracht hat, Oppositionelle, Akademiker, Journalisten und andere Unbequeme mit Hilfe fiktiver Terroranschuldigungen inhaftieren zu lassen. Am stärksten betroffen sind die Kurden. Jetzt stellt er Forderungen. Geben Sie alles zurück, worauf die Türkei zugreifen möchte, schicken Sie sie zur Folter und Scheinprozessen. Willkommen bei der Nato!“

Andreas Gustavsson
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POLITIKEN (DK)

Langfristig von Erdoğan befreien

Die Nato wird dem türkischen Präsidenten wohl entgegen kommen müssen, meint Politiken:

„Kurzfristig funktioniert die Erpressung der Türkei leider genug, so dass Erdogan einige Zugeständnisse und vielleicht Geld bekommt. Der türkische Staatschef hat auch die bevorstehenden Wahlen im Visier und hofft, das wirtschaftliche Chaos, für das er allein verantwortlich ist, zu lindern. Das ist es auch wert, um Schweden und Finnland in die Nato aufzunehmen. Doch langfristig muss sich der Westen aus dem eisernen Griff der Türkei befreien.“

Marcus Rubin
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EESTI PÄEVALEHT (EE)

Wertebasierte Politik derzeit nicht möglich

Auch Eesti Päevaleht sieht aktuell keine Alternativen zur Realpolitik:

„Damit die Türkei den Nato-Beitritt unserer nordischen Nachbarn gutheißt, muss man leider Realpolitik betreiben und herausfinden, was Erdoğan für seine Zustimmung haben will, um das nötige Ergebnis auszuhandeln. Reicht es, wenn Schweden verspricht, Waffenverkäufe an die Türkei nicht mehr zu blockieren und seine Einstellung zur PKK ändert, die die Türkei stört? Oder hat der Präsident Recep Tayyip Erdoğan noch irgendwelche geheimen Wünsche oder Ängste? Der Diktator ist kein leichter Verbündeter - besonders für diejenigen, die eine wertebasierte Politik schätzen.“

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ILTALEHTI (FI)

Türkei darf Bogen nicht überspannen

Iltalehti ist überzeugt, dass Ankara letztlich zustimmen wird:

„Die Türkei wird im oder vor Juni 2023 einen neuen Präsidenten und 600 Mitglieder der türkischen Nationalversammlung für eine fünfjährige Amtszeit wählen. Erdoğan und seine Partei stehen innenpolitisch unter Druck. ... Hinzu kommt, dass die wirtschaftlich angeschlagene Türkei von Russland abhängig ist, insbesondere in den Bereichen Energie, Tourismus und Lebensmittelversorgung. ... Allerdings gibt es Grund zur Annahme, dass dieser Prozess gut für Finnland und Schweden ausgehen wird. Wenn die Türkei den Bogen überspannt, wird dies schwerwiegende Folgen für die Beziehungen des Landes unter anderem zu den USA haben. Ganz zu schweigen von der Glaubwürdigkeit der Nato.“

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