Donnerstag, 27. Februar 2020

euro|topics: Coronavirus: Die Panik und die Gegenmittel


Laut WHO sind mittlerweile etwa 40 Länder vom Coronavirus betroffen und rund 81.000 Infektionen registriert (Stand 26.02.2020). Kommentatoren sind nicht nur wegen unmittelbarer gesundheitlicher und wirtschaftlicher Auswirkungen beunruhigt. Sie fürchten auch die Folgen von Panikmache und Fake News und betonen, dass Informationspolitik nun eine entscheidende Rolle spielt.
AVVENIRE (IT)

Die Lust an der Apokalypse

Es ist nicht zuletzt eine unzureichende Informationspolitik, die zu Panik führt, mahnt Kolumnist Raul Gabriel in Avvenire:
„Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder man unterdrückt weitere Informationen über die spezifische Gefährlichkeit des Coronavirus und seine mögliche Mutation (die ich alle nicht ernstnehme, da ich in keiner Weise den Verschwörungstheoretikern nahestehe). ... Oder man setzt auf eine wahllose und totalisierende Prophylaxe, weil man das Problem nicht eingrenzen und rational angehen kann. ... Eine Prophylaxe, die jedoch eine allgemeine Hysterie schürt, die am Ende jeden vernünftigen Bezug zur Realität verliert. ... Die Verlautbarungen oszillieren zwischen zwei Polen. Dem der Experten mit vernünftigen Anweisungen, wie man eine Ansteckung verhindern kann. Und dem alarmierter Reporter, die kokett zu verstehen geben, dass eine Apokalypse imminent und unausweichlich sei.“
Raul Gabriel
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JUTARNJI LIST (HR)

Gefährliche Spiele im Medienkäfig

In der Presse dürfen nun keine Ängste geschürt werden, warnt Jutarnji list:
„Die WHO kommuniziert dieser Tage über ihre Beamten, meist über Generaldirektor Tedros Ghebreyesus, dass man angesichts des Coronavirus Covid-19 nicht der Panik erliegen soll, sondern ruhig und klar räsonieren, sich auf Fakten stützen und nicht seinen Ängsten nachgeben. ... Mit Panik ist nicht zu spaßen - man weiß, dass sie zum Zweiten Weltkrieg beigetragen hat (Angst vor Krieg ist also berechtigt). Im weltweiten Mediendorf, das zum Medienkäfig geworden ist, ist es sehr unverantwortlich, mit Panik zu spielen, selbst nur mit 'zugespitzten' Überschriften, hinter denen dann am Ende oft nur kleine Auflagenzahlen- oder Clickbait-Interessen stehen.“
Inoslav Bešker
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LIBÉRATION (FR)

Kritik an den Behörden geht am Ziel vorbei

Das in den sozialen Medien stark verbreitete Misstrauen gegenüber den Institutionen ist in demokratischen Ländern fehl am Platz, ärgert sich Libération:
„Warum sollte man die Aufrichtigkeit der Behörden grundsätzlich anzweifeln? Für sie besteht doch gar kein Interesse, die Öffentlichkeit zu täuschen oder die Gefahren herunterzuspielen, zumal sie sich auf Informationen der Wissenschaft stützen. Zu verdächtigen sind nicht die Demokratien: Sie stehen unter dem inquisitorischen Auge der Medien und der Öffentlichkeit, die sich frei äußern kann. Infrage zu stellen sind Informationen aus Diktaturen wie China. .. Der globale Poujadismus [eigentlich populistische Strömung im Frankreich der 1950er Jahre] neigt dazu, die seit langem gültige Lehre zu leugnen: Offene Gesellschaften sind sicherer als autoritäre Regime.“
Laurent Joffrin
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HABERTÜRK (TR)

Bitte sagt uns die Wahrheit!

In der Türkei, wo bisher noch kein Verdachtsfall offiziell bestätigt wurde, dementierten die Behörden zunächst, dass ein aus Teheran kommendes Flugzeug am Dienstag von Istanbul nach Ankara umgeleitet und die Passagiere unter Quarantäne gestellt wurden. Das ist absolut unverständlich, findet Habertürk:
„Die Türkei hat ihre Vorbereitungen für das Coronavirus, das früher oder später kommen wird, getroffen. Doch weil man dermaßen verinnerlicht hat, der Öffentlichkeit keinesfalls die Wahrheit zu sagen, sind wir allmählich mit einer Staatsbehörde konfrontiert, die es sogar unterlässt, die Wahrheit zu sagen, wenn sie richtig gehandelt hat! ... Ob es sich um die Zahl unserer Märtyrer [in Syrien] handelt oder das Coronavirus: Sagt uns um Himmels Willen, was Sache ist. Ein wahrhaftiger Mensch hat davor keine Angst.“
Fatih Altaylı
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POLITYKA (PL)

Iran beschädigt sein Image weiter

Den Iran hatte das Coronavirus offiziell erst Dienstag vergangener Woche erreicht – eine Woche später wurden bereits 16 Tote und 95 Infizierte vermeldet. Da ist doch etwas faul, unkt Polityka:
„Sowohl die eigenen Bürger als auch die internationale Gemeinschaft werfen den iranischen Behörden vor, die tatsächliche Anzahl der Infizierten zu verschweigen. Die Glaubwürdigkeit des Regimes hat dramatisch abgenommen, seit es im November versuchte, Informationen über die Zahl der Todesopfer der Proteste unter Verschluss zu halten, und im Januar drei Tage lang bestritten hat, dass der Iran eine ukrainische Boeing abgeschossen hat. ... Irans Unfähigkeit im Umgang mit dem Coronavirus verschärft die bereits tiefe Imagekrise des Landes – sowohl im Ausland als auch bei den eigenen Bürgern.“
Jagoda Grondecka
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DENIK (CZ)

Hier ist Galgenhumor fehl am Platz

Ein Unbekannter hat am Mittwoch auf einer gefälschten Internetseite der tschechischen Zeitung Denik eine Fake-Nachricht vom angeblichen ersten Corona-Fall im Land verbreitet. Das Blatt verwahrt sich gegen diesen kriminellen Akt:
„Kein Thema ist schlimm genug, als dass sich die Tschechen nicht darüber lustig machen würden. Galgenhumor nimmt uns die Angst. Aber auch törichte Witze verbreiten sich wie ein Virus und sind ähnlich schädlich. Der betreffende Fall ist aber nicht nur töricht, sondern idiotisch. Bei denen, die den Text lasen, erzeugte der Amateur-Humorist Angst und Zweifel darüber, ob unser Gesundheitswesen auf Ansteckungsfälle wirklich vorbereitet ist. ... Das ist kein Spaß mehr. Das ist eine Angelegenheit für Polizei und Justiz.“
Martin Komárek
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