Oktober 2026
Fatal ist mir das Lumpenpack
23.10.2026. Es kommt nicht darauf an, die Gewalt zu verurteilen, sondern sie zu verstehen, schreibt Edouard Louis in Libération. Sein Artikel wird diskutiert - Louis spricht sich in einem TV-Interview sehr deutlich für Gewalt aus. Die taz erklärt deutschen Jugendlichen, die jetzt auch demonstrieren wollen, sie müssten sich nicht von Gewalt distanzieren, weil die eh vom Staat ausgehe. Es sind Hunderttausende AfD-Mails geleakt worden - wird es nun einfacher, die Partei zu verbieten, fragen Zeit und taz. Ebenfalls in Zeit online fragt der Ökonom Dominic Rohner, ob sich KI verstaatlichen lässt.
Die Wärme des Lebensgefühls schwindet
22.10.2026. Der Ökonom Tom Krebs plädiert in der FAZ für eine geplante Marktwirtschaft und Preiskontrollen zum Beispiel bei Strom. Der Zukunftsforscher Daniel Dettling hofft in der taz auf eine neue Partei für die radikale Mitte. Die Zeit sieht eine Europadämmerung heraufziehen, angesichts der mauen Zukunftsaussichten der jüngeren Generationen. Die Medien sind sich über die französischen Unruhen noch recht uneins: Geht es um "Free Europe", "Free Palestine" oder "Free Gucci"? Und: Die Zeitungen verabschieden Alice Schwarzers Emma.
Eine Sache zum Sterben
21.10.2026. In Frankreich haben sich die Demonstrationen gegen die Schulpolitik inzwischen in wahre Gewaltausbrüche verwandelt. Die meisten französischen Bürger haben den Staat längst aufgegeben, meint der Sozialwissenschaftler Gilles Kepel in der NZZ. BHL vermisst in der SZ bei den Demonstranten diesen mächtigen Drang in die Zukunft, der die 68er ausgezeichnet habe. Und alle geben Emmanuel Macron eine Mitschuld an den Ausschreitungen, denn: Wenn die Franzosen nichts zum Träumen haben, neigen sie zum Pessimismus, zum Defätismus, bringt es der Soziologe Jean Viard in der SZ auf den Punkt. Außerdem: Alice Schwarzer stellt die Emma ein, zumindest im Print, wie sie bei Zeit online annonciert.
Hinweise auf ein gezieltes Vorgehen
20.10.2026. FAZ, SZ, Perlentaucher und andere Medien denken über die Gewalt in Frankreich nach: Eins ist klar, die Integration ist gescheitert, konstatiert die FAZ, die SZ macht sich Sorgen um den Einfluss der organisierten Kriminalität. In Berlin wollen SPD und Grüne mit der Linkspartei regieren, nun fragen die Zeitungen: Will die Linkspartei auch? In der NZZ versucht der amerikanische Autor Gal Beckerman zu ergründen, was ein Dissident ist.
Äußerst gefährlich für die Demokratie
19.10.2026. Die schockierende Gewalt bei den Demonstrationen in Frankreich wird die Medien in Frankreich und Europa noch länger beschäftigen - in Le Point weigert sich der Philosoph Pierre-Henri Tavoillot, Plünderungen als Ausdruck eines berechtigten Zorns zu bezeichnen. Der Staat selbst wird in Frankreich attackiert, stellt die SZ fest. In der FAZ erklärt der Historiker Krisztián Ungváry, warum die "unblutige Revolution" in Ungarn 2026 in einer Linie mit Ungarn 1956 zu sehen ist. Die gescheiterte Hinrichtung einer Mörderin in den USA zeigt die Absurdität von Todesstrafe überhaupt, sagt die Anwältin Sandra Babcock in Zeit online.
Noch heimtückischer und noch perverser
17.10.2026. In einem von der SZ veröffentlichten Briefwechsel träumen der russische Schriftsteller Michail Schischkin und der ukrainische Verfassungsrechtler Gennadiy Druzenko von einer Zeit nach dem Krieg. Claus Leggewie überlegt in der taz, wie die CDU noch zu retten ist. In der SZ sieht Herfried Münkler den mündigen Bürger in der Krise. Die FAS beobachtet, wie Marine Le Pen und Jean-Luc Melenchon den Hass auf Deutschland schüren. Die Rede vom "Tech-Faschismus" verschleiert die wahren Gefahren, warnt in der FAS die Politikwissenschaftlerin Asma Mhalla.
Der Teufel zitiert gern aus den Evangelien
16.10.2026. Politikerinnen beweisen heute, dass sie kräftig stänkern können: Vanessa Emde von links, Alice Weidel von rechts. Nur Navi Pillay setzt sich in Le Monde für die Rechte einzelner ein. Wenn schon Antifaschismus, dann richtig, meint Pascal Bruckner in Le Point, denn es gibt zwei Prätendenten für einen neuen Faschismus in Frankreich. Mit ihrem Spaß am Barrikadenbau zeigen auch migrantische Jugendliche, wie gut sie sich in die französische Revolutionsfolklore integriert haben, konstatiert Thomas Chatterton Williams in Atlantic. Könnte "Digitale Demokratie" helfen, fragt die SZ.
Rassismus der gesenkten Erwartungshaltung
15.10.2026. Die Zeit empfiehlt wärmstens die Ausstellung "Umstrittene Verwandtschaft" im DHM über koloniale und nationalsozialistische Gewalt. Die SZ überlegt, was ein Ende der Russland-Sanktionen, wie von BSW und die AfD gefordert, konkret bedeuten würde. Friedensverträge gelten in Russland nur so lange, wie sie nützlich sind, erinnert der estnische Völkerrechtler Lauri Mälksoo in der FAZ. Der Religionskritiker Hamed Abdel-Samad erklärt in der Zeit, warum er im Libanon viel freier lebt als in Deutschland. Und: NZZ, Zeit, taz und Welt schreiben zum hundertsten Geburstag Michel Foucaults.
Gefährlicher Präzedenzfall
14.10.2026. Die NZZ warnt vor einer "kalten Annexion" Belarus' durch Putin. Die Ukraine braucht Europas Unterstützung, insistiert Timothy Garton Ash Im Tagesspiegel. Netzpolitik fragt, warum die Behörden biometrische Gesichtsdatenbanken gewähren lassen, obwohl sie verboten sind. taz, SZ und netzpolitik sehen die Pressefreiheit in Gefahr, weil das LG Hamburg Zeit-Interviews mit den Töchtern von Christina Block beschlagnahmt hat. Nur die FAZ fragt, ob Interviews mit minderjährigen Verbrechensopfern nicht gegen den Pressekodex verstoßen. Zu Foucaults Hundertstem erscheinen laut FAZ seine Iran-Schriften in kritischer Ausgabe.
Der Katzenjammer der Postexzellenz
13.10.2026. SZ und Welt warnen vor dem AfD-Politiker Hans Thomas Tillschneider, den jüdische Studenten am Betreten der Synagoge von Halle hinderten - Tillschneider ist ein Anhänger der antisemitischen Theorie des "großen Austauschs". Die taz berichtet aus Gambia, wo fundamentalistische Kräfte das Verbot der Genitalverstümmelung bekämpfen - die ohnehin weiter praktiziert wird. In der FR fragt Navid Kermani: Gibt es noch Gründe, in Köln zu leben?
Und es fängt ja immer mit Selbstzensur an
12.10.2026. Philippe Sands warf in seiner Friedenspreisrede nicht nur Israel Völkerrechtsverbrechen vor, er kritisierte auch scharf die deutsche Regierung. Die FAZ ist mit der Rede zufrieden, der Perlentaucher nicht so. Unterdessen wird weiter über den Friedensnobelpreis für Navi Pillay diskutiert - ihr werden schwere Vorwürfe in ihrem Verhalten gegenüber China und dem Völkermord an den Uiguren gemacht. Großes Aufsehen erregt die Rede der tschechischen Schriftstellerin Radka Denemarková auf Frankfurter Buchmesse - sie hat anwesende Ehrengäste der tschechischen Regierung attackiert. Die FAZ zeichnet ein düsteres Bild der "Mathocalypse".
Schmale Grenze zwischen Ordnung und Chaos
10.10.2026. Die südafrikanische Richterin und Völkerrechtlerin Navanethem Pillay hat den Friedensnobelpreis erhalten: Ein deutlicher Hieb in Richtung Donald Trump, notiert die FAZ. Zeit Online erinnert an Pillays steile Karriere, die im Apartheids-Südafrika begann, die Welt blickt kritisch auf Pillays Israel-Kritik. Auch skrupellose Machthaber wie Putin fürchten das Völkerrecht, erklärt im SZ-Interview der Schriftsteller Philippe Sands, der außerdem in der taz die Einführung des "Ökozids" als fünftes internationales Verbrechen fordert. Die FAS blickt auf die Schülerproteste in Frankreich, die Jean-Luc Mélenchon für seinen Wahlkampf instrumentalisiert.
Aus Nützlichkeitserwägungen
09.10.2026. Ein Linksbündnis in Berlin rückt näher, das Problem mit dem Antisemitismus will man durch bürokratische Prozeduren neutralisieren - aber es bleiben viele skeptische Stimmen. Wenn die Linken nun regieren, werden sie feststellen, dass sie die Mieten nicht senken können, sagt der Neuköllner Bürger Martin Hikel im Tagesspiegel. Die Welt erzählt unterdessen, wie in Britannien die Green Party gleich zum Zentralhub für linken Antisemitismus umgepolt wurde. Die FAZ bespricht eine Rudolf-Augstein-Biografie, in der sich herausstellt, dass der Spiegel-Gründer noch mehr alte Nazis beschäftigte als bisher bekannt.
Emotional ausgebürgert
08.10.2026. Wo steht die CDU, will die taz nach der Wahl des AfD-Abgeordneten Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten von Sachsen Anhalt wissen: Auf der Seite der liberalen Demokratie oder der Autoritären? Wo stehen SPD und die Grünen, fragt die FAZ: Auf der Seite der liberalen Demokratie oder der Antisemiten und Demokratieverächter? In der NZZ fürchtet Monika Maron, Berlin könne zum Fanal für Köln, Dortmund oder Gelsenkirchen werden. Die Jüdische Allgemeine kann es immer noch nicht fassen, wie ein Angriff auf Juden den Antisemitismus entfesseln konnte. Daran ist Israel schuld, meint Pankaj Mishra in der SZ.
Nur zwei Wochen vom Frieden entfernt
07.10.2026. Heute vor drei Jahren ermordeten Hamas-Terroristen mehr als 1.200 Israelis. Der Krieg kostete auch tausende Palästinenser ihr Leben. Dennoch ist eine Zweistaatenlösung möglich, beschwört in der taz Hamza Howidy die westlichen Staaten, die sie stärker unterstützen sollen. Wenn Ruanda es geschafft hat, dann schaffen es auch Israelis und Palästinenser, ermuntern Aziz Abu und Maoz Inon in der SZ. In der FR beklagt Carolin Emcke fehlende Solidarität mit den Palästinensern. Außerdem: Wladimir Putin hat heute Geburtstag. Die NZZ erinnert an ein Geburtstagsgeschenk vor 20 Jahren, als ihm die Leiche seiner Kritikerin Anna Politkowskaja präsentiert wurde.
Unterschiedliche Toleranzen
06.10.2026. Die taz stellt jeden einzelnen AfD-Abgeordneten aus Sachsen-Anhalt vor - es ist wahrlich ein finstres Häuflein. In der FAZ polemisiert Jürgen Kaube gegen Ronen Steinke: Nein, die "Rote Hilfe" ist kein harmloser Rechtshilfeverein. Ebendort denkt Souad Mekhennet über den 7. Oktober nach. In der FR erklärt der designierte Friedenspreisträger Philippe Sands, warum er sich nicht zum Völkermord-Vorwurf gegen Israel äußern wird.
Alles andere als verdruckst
05.10.2026. Die taz besucht Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt - dort wartet man bang auf die kommende AfD-Regierung. Wolf Biermann in Zeit online und Klaus Lederer in progressive-linke.de setzen sich mit dem Versagen der Linken vor der eigenen Geschichte auseinander. taz und Guardian erzählen, wie Linkspartei und Green Party unter Einfluss gerieten. In Zeit online bekennt Anne Rabe ihr Entsetzen vor dem Kabarettisten Uwe Steimle. In der Welt erinnert der kurdische Historiker Hamit Bozarslan daran, dass Revolutionen nicht immer links sind.
Hand in Hand mit den netten Nerds
02.10.2026. Nicht nur ist morgen Nationalfeiertag und darum frei - nächste Woche beginnt auch noch die Buchmesse. Die Zeitungen platzen förmlich und bringen Freitagsausgabe, Samstagsausgabe und Buchmessenbeilagen auf einmal. Jetzt müssen wir nur noch die Krise des Lesens bewältigen, so die SZ. Für die FAZ hat Stephan Malinoski jedenfalls schon Mal 3.000 Seiten Hannah Arendt über Totalitarismus bewältigt. Und das Leben geht weiter: In der SZ erzählt Lea Streisand, wie sie von links und rechts bedroht wird. Und in NZZ und Zeit warnen Giuliano da Empoli und Timnit Gebru vor den Tech Bros und ihrer KI.
Es sei eine unangenehme Situation gewesen
01.10.2026. Die Islamdebatte steckt in einer Sackgasse, meint in der Zeit Saba-Nur Cheema, progressive Muslime werden im Stich gelassen. Ebenfalls in der Zeit wirft der israelische Journalist Shlomi Eldar Benjamin Netanjahu vor, alle Warnungen vor einem Attentat der Hamas ignoriert und alle Friedensbemühungen, die die Geiseln gerettet hätten, torpediert zu haben. Wenn die Deutschen über Russland sprechen, sprechen sie fast immer über sich selbst, meint im Interview mit der FAZ die Politikwissenschaftlerin Gwendolyn Sasse. Und: Es wird munter weiter über die Linke in Berlin debattiert.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen