Dienstag, 17. März 2026

 

17. März 2026 Oscarverleihung: Zu zahm für die Weltlage? In Los Angeles sind am Sonntagabend die Oscars verliehen worden. Kommentatoren bewerten die Show und fragen, ob das Kino seiner Rolle aktuell noch gerecht werden kann oder ob es vom Strudel der Ereignisse hinweggefegt wird. 

Schmerzhafte Ignoranz gegenüber der Realität 
Die Gala hat die Trump-Realität weitgehend ignoriert, kritisiert Der Spiegel
 „[I]n der eisgekühlten Eleganz des Theaters, dessen aggressives Zen-Dekor absichtlich als 'Fluchtpunkt vor einer chaotischen Welt' entworfen war, spürte man am Ende kaum etwas davon, dass sich die USA gerade in einem Krieg befinden, der die globale Ordnung ins Wanken bringt. Oder dass die ehrwürdige US-Demokratie bald fast nur noch auf dem Papier existiert. Oder dass Hollywood vor dem Untergang steht, na gut, mal wieder, aber diesmal vielleicht endgültig. Der Splitscreen war schmerzhaft. Draußen eine Nation zwischen Krieg und Autokratie. Drinnen eine glamouröse Selbstbeweihräucherung.“ Marc Pitzke 
 Spiegelbild von Hollywood 
Die Warner-Produktionen "One Battle after Another" und "Blood and Sinners" räumten an diesem Abend mit insgesamt zehn Oscars ab. Público sieht darin ein Symbol für die Widersprüchlichkeit der US-Filmindustrie: „Die Ironie dabei ist, dass der Erfolg von Warner mit diesen beiden Filmen etwas von einem 'letzten Hurra' hatte – und das zu einem Zeitpunkt, an dem das Studio, das gerade für seine freie Hand bekannt ist, kurz davor steht, von einem Paramount übernommen zu werden, das nur wenig risikofreudig ist und in gefährlicher Nähe zur aktuellen US-Regierung steht. Die Oscars sind vor allem ein Spiegelbild der amerikanischen Filmindustrie und der Art und Weise, wie sie sich verhält – mal wie eine Krabbe (für jeden Schritt nach vorne macht sie zwei zur Seite), mal wie ein Strauß (der den Kopf in den Sand steckt und darauf wartet, dass der Sturm vorüberzieht).“ Jorge Mourinha 

Darauf einen Martini! 
Die Salzburger Nachrichten sind alles in allem dennoch zufrieden mit dem Abend: „'Das ist ziemlich großartig, gehen wir drauf einen Martini trinken!' ... [D]er große Gewinner Paul Thomas Anderson brachte die Stimmung des Abends auf den Punkt: Angesichts des befremdlichen Irrsinns, der sich in der Welt rund um das Dolby Theatre in L. A. abspielt, bleibt wohl nichts, als zu feiern, dass man wenigstens künstlerisch das Beste daraus gemacht hat. Denn auch wenn sich sowohl Moderator Conan O’Brien als auch der überwiegende Teil der Preisträger in ihren Dankesreden mit allzu eindeutigen politischen Aussagen tunlichst zurückhielten, in den ausgezeichneten Werken wird oft recht offensichtlich Stellung bezogen, dabei ist das Niveau durch die Bank so hoch wie lange nicht. Und da soll noch mal jemand sagen, die Kunstform Kino sei am Aussterben.“

Zu Trumps Forderung nach Unterstützung beim Geleitschutz in der Straße von Hormus

 

Abwälzen von Kosten und Verantwortung

Die Meerenge würde durch ein Aufgebot von Drittstaaten nicht wirklich sicher, aber 

sie säßen mit Trump in einem Boot, so La Stampa:

„Ein militärischer Einsatz anderer Länder würde zwar den Druck auf die mit dem 

Abfangen iranischer Raketen und Drohnen im Golf beschäftigte US-Marine

 sicherlich verringern, doch die grundlegende Gleichung würde er nicht verändern:

 Die Straße von Hormus bliebe faktisch geschlossen. Das ist der asymmetrische

 Vorteil Irans, er ist zwar die schwächere Seite im Krieg, nicht aber zwangsläufig

 der Verlierer. Warum also hat Trump die europäischen und asiatischen Länder um ein

Eingreifen gebeten? Ganz einfach: um sie in einen Konflikt hineinzuziehen, der sich in 

die falsche Richtung entwickelt, und so Kosten, Ergebnisse und Verantwortung zu 

teilen.“ (Originalartikel)

Brutalität verdrängt internationale Ordnung

TVNet kritisiert Trumps Verständnis von internationaler Politik:

„Nach Trumps Ansicht ist das Bündnis kein Prinzip gemeinsamer Sicherheit, sondern ein Instrument, um andere für die eigenen Abenteuer bezahlen zu lassen. Genau so sieht US-Politik aus: Verbündete werden erpresst und Aggressoren reingewaschen. Das ist widerlich und inakzeptabel, weil es Aggression normalisiert. Russland kann ein Nachbarland überfallen, Städte zerstören, Zivilisten töten, Kinder deportieren, mitten in Europa ein Blutbad anrichten und trotzdem wieder am Verhandlungstisch sitzen, weil jemand in Washington einen etwas niedrigeren Ölpreis braucht – so verliert die internationale Ordnung jeglichen Sinn. Dann gilt nur noch eine Regel: Wer brutal und nützlich genug ist, dem wird alles verziehen.“

(Originalartikel)

euro|topics: Bringt der Iran-Krieg die Weltwirtschaft in Not?

US-Präsident Trump hat die Nato sowie asiatische Staaten aufgefordert, sich an der militärischen Sicherung des Schifffahrtsverkehrs in der Straße von Hormus zu beteiligen. Denn die faktische iranische Blockade der Meerenge lässt die Öl- und Gaspreise drastisch steigen. Europas Medien beleuchten das Vorgehen der USA in dieser beginnenden Energiekrise und skizzieren deren globale ökonomische und soziale Folgen.

Jornal de Notícias (PT)

Armut wird um sich greifen

Jornal de Notícias zeichnet ein düsteres Szenario für die Weltwirtschaft:

„Bis zum Beginn einer Rezession, die wiederum Arbeitslosigkeit und Verarmung mit sich bringen wird, werden nur wenige Monate vergehen. Das mag wie eine katastrophale Vorhersage klingen (und hoffentlich ist es das auch), aber genau das lehrt uns die Geschichte. Die Anzeichen, die eine wirtschaftliche Katastrophe ankündigen, sind selbst für einen Laien leicht zu erkennen. Was sich jedoch niemals vorhersagen lässt, sind das Ausmaß, die Dauer und das Leid, das sie verursachen wird. Eines ist jedoch sicher: In einer Wirtschaftskrise wird die Last nicht gerecht verteilt. Die sehr Reichen bleiben reich, die Mittelschicht verfällt in Armut und die Armen in Elend.“

Rafael Barbosa
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El País (ES)

Teil der Rivalität zwischen China und USA

Wirtschaftsexpertin Alicia García Herrero skizziert in El País den geopolitischen Kontext:

„In einer durch die Pandemie 2020–2021 und die Inflationskrise 2022–2024 geschwächten Welt mit hoher Staatsverschuldung und fragilen Arbeitsmärkten könnte diese Krise verheerender sein als die Ukraine-Krise 2022. … Der Angriff auf den Iran ist Teil des Wettbewerbs zwischen den USA und China, in dem Washington nun militärisch agiert, da sein wirtschaftlicher Einfluss schrumpft. … Die Trump-Regierung scheint China den Zugang zu billiger Energie verwehren zu wollen. ... Die Lösung des Konflikts wird im Kampf zwischen den USA und China ausschlaggebend sein.“

Alicia García Herrero
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La Stampa (IT)

Russisches Öl als Lückenfüller gefragt

Warum Trump die Handelssanktionen gegen Moskau gelockert hat, erklärt La Stampa:

„Die amerikanische Entscheidung, den Verkauf des auf See blockierten russischen Öls zu gestatten, führt zu einer neuen strategischen Spannung. Um den durch die Hormus-Krise verursachten Energieschock einzudämmen, reduziert Washington den wirtschaftlichen Druck auf Moskau. ... Die Blockade von Hormus destabilisiert nicht nur den Ölmarkt, sondern könnte eine Inflationsspirale auslösen, in der Gas, Öl und Lebensmittel zu Quellen wirtschaftlichen und politischen Drucks werden. Dies erklärt die amerikanische Entscheidung. Priorität hat die Vermeidung eines globalen Energieschocks.“

Ettore Sequi
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Trud (BG)

Je länger, desto katastrophaler

Energie-Experte Bojan Raschow nennt in Trud Szenarien für den Fall anhaltender Rohstoffknappheit:

„Zwei weitere Wochen der Hormus-Blockade würden zu einem Erdölpreis von 160 Dollar und bis zum Jahresende anhaltend hohen Preisen führen. ... Zwei Monate Blockade würden zu einer echten weltweiten Kraftstoffknappheit führen, da viele Länder den Export einfach einstellen und alles für den Binnenverbrauch zurückhalten würden. Wer keine eigenen Ölquellen und keine eigene Raffinerie besitzt, wird stark darunter leiden. Drei Monate sind für mich ein Szenario für eine schwere globale Rezession, verbunden mit hoher Inflation, da die Handels- und Staatsreserven der meisten Importländer praktisch aufgebraucht sein werden. Jenseits von drei Monaten ist es bereits ein Szenario für eine neue Folge von 'Mad Max'.“

Bojan Raschew
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Montag, 16. März 2026

zu Habermas

Habermas und das Begreifen der Gegenwart

Zum Verhältnis von Moral und Sittlichkeit 

Die Öffentlichkeitstheorie von Habermas

Strukturwandel der Öffentlichkeit bei H. übergangen der Kampf um Informationsfreiheit, Trennung von Information und Meinung


Habermas und politischer Vernunftgebrauch

 Habermas 90 Jahre (Seyla Benhabib  Rainer Forst im Interview mit Yves Bossart: über die Grindstruktur seines Denkens über kommunikative Vernunft)

Sloterdijk über Habermas (2022) Damals sah man Adorno als Lehrer und Habermas als seinen Assistenten (speziell Erkenntnis u. Interesse), S.s 60 S. Exzerpt Hab. als Paraphrasiker gesehen; Ss. Kritik der zynischen Vernunft (1983) von H. noch rechtpositiv besprochen, vielleicht in der Hoffnung S. in seinen Kreis einbeziehen zu können, - Begegnung H. und S. in Baltimore Auseinanderentwicklung. Der Historikerstreit sieht S. als eng und kleinlich an.)

Mehr als alles, was der Fall ist  (H: "Auch eine Geschichte der Philosophie" eine Rekonstruktion der Entwicklung des säkularen Denkens Dürnberger (H. Kants Transzendentalphilosophie als Ersatz für Metaphysik durch Kommunikationstheorie ersetzt)

Reemtsma Vortrag zu "Auch eine Geschichte der Philosophie" und Habermas Antwort

Habermas und das Begreifen der Gegenwart

Zum Verhältnis von Moral und Sittlichkeit 

Die Öffentlichkeitstheorie von Habermas

Strukturwandel der Öffentlichkeit bei H. übergangen der Kampf um Informationsfreiheit, Trennung von Information und Meinung

Samstag, 14. März 2026

Über die Unterschiede zwischen AfD und BSW

 "[...] Die vorgeschlagenen Konzepte sind komplett unterschiedlich.

Zum Beispiel befürwortet die AfD eine Reaktivierung der allgemeinen Wehrpflicht, während das BSW das Militär am liebsten komplett abschaffen würde.

Die AfD steht für maximalen Marktliberalismus und Geldvermehrung, z.B. lehnt sie jede Art von Vermögenssteuer ab. Während das BSW bedeutend will, mit z.B. Mindestlohn, Mietendeckel, Vermögenssteuer.

Die AfD will mehr oder weniger explizit einen Austritt Deutschland aus EU und Währungsunion, während das BSW die EU-Mitgliedschaft nicht zur Debatte stellt sondern nur hier und dort Bedarf zur Veränderung sieht.

Im AfD-Weltbild soll die Frau an den Herd und die Kinder bespaßen, während das BSW die Frau als gleichberechtigt sieht und die staatliche Kindererziehung ausgebaut werden soll." (RedPanther auf gutefrage.net)

Freitag, 13. März 2026

euro|topics: Läuft es im Iran für Trump nach Plan?



Der Krieg im Iran dauert seit zwei Wochen an und ein Ende ist bisher nicht absehbar. Während die USA und Israel weiter Ziele im Iran aus der Luft angreifen, schießt Teheran mit Raketen und Drohnen auf Ziele in den arabischen Golfstaaten und Israel. Durch die Blockade der Straße von Hormus ist der Ölpreis weltweit drastisch angestiegen. Kommentatoren analysieren, inwiefern Ziele und Strategie der US-Administration erkennbar sind.

ABC (ES)

Beunruhigende strategische Improvisation

ABC schüttelt den Kopf angesichts der Planlosigkeit, mit der dieser Krieg begonnen wurde und geführt wird:

„Laut israelischen Sicherheitskreisen wurde der Angriff ohne einen tragfähigen Plan für einen Regimewechsel gestartet. … Dieses strategische Vakuum wurde durch eine Reihe widersprüchlicher Argumente zur Rechtfertigung des Krieges noch verschärft. Er wurde als Operation zur Zerstörung des iranischen Atomprogramms, als Kampagne zur Demontage seiner Raketenkapazitäten oder gar als Versuch zum Sturz des Ayatollah-Regimes dargestellt. … All dies wirft eine unbequeme, aber unausweichliche Frage auf: Wie konnte eine Operation dieses Ausmaßes gestartet werden, ohne dass die Militärplaner eine klarere Definition der Ziele und möglichen Folgen forderten?“

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Corriere della Sera (IT)

Die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut

Mangelnde Kommunikation der US-Behörden untereinander ist Ursache für die Planlosigkeit, wettert Corriere della Sera:

„In den Vereinigten Staaten ist das gesamte System so sehr personalisiert, dass die Filter einer realistischen Analyse vor einem Krieg am Golf außer Kraft gesetzt oder umgangen wurden. Der Kongress wurde ignoriert. Den nationalen Sicherheitsberater des Weißen Hauses gibt es im Grunde nicht mehr. Seine Rolle übernimmt der Mann, der gleichzeitig Außenminister ist (Marco Rubio), an den Verhandlungen mit dem Iran jedoch nicht beteiligt war. Diese wurden stattdessen einem Immobilienentwickler und Geschäftspartner des Präsidenten (Steve Witkoff) und Trumps Schwiegersohn (Jared Kushner) anvertraut. Die interne Kommunikation in Washington scheint auf einem Tiefpunkt zu sein.“

Federico Fubini
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Tages-Anzeiger (CH)

Teheran ist seit Jahrzehnten vorbereitet

Warum das Mullah-Regime nicht so einfach zu beseitigen ist, erklärt der Tages-Anzeiger:

„Trump und seine Berater wundern sich seit Wochen öffentlich darüber, warum das Regime in Teheran nicht einfach aufgibt. Sie verkennen, dass die Mullahs sich seit Jahrzehnten genau auf diesen Fall vorbereitet haben, der Kampf gegen den 'grossen Satan' ist Teil ihrer Identität. Den sie aus ihrer Sicht gar nicht verlieren können – sterben sie, dann als Märtyrer. Militärisch ist der Iran hoffnungslos unterlegen. Es braucht aber nur ein paar Treffer auf die Ölförderung oder die Wasserentsalzungsanlagen der Golfstaaten, und die Weltwirtschaft schaut in den Abgrund.“

Bernd Dörries
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NRC (NL)

Trump am Gängelband von Israel

Trump hat das Heft des Handelns nicht mehr selbst in der Hand, urteilt NRC:

„Nicht die USA, sondern Israel bestimmt, wie lange die Schlacht dauert. Dass Trump eine Art Gärtner ist, der für Benjamin Netanjahu das gefährliche iranische Gras 'mähen' muss, um die Gefahr aus diesem Land für ein paar Jahre zu bannen, bringt ihm den Hohn eines erheblichen Teils seiner Anhänger ein. Der Präsident hat sein Wahlversprechen gebrochen, keine neuen Kriege zu beginnen. Er lässt sich von einem kleinen Verbündeten führen, der in den USA sowohl bei der Linken als auch bei der Rechten nicht mehr selbstverständlich beliebt ist.“

Emilie van Outeren
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