Montag, 30. März 2026

euro|topics: Ein Monat Iran-Krieg: Eskalation ohne Ende?

Einen Monat nach dem Angriff Israels und der USA auf den Iran ist keine Entspannung in Sicht. Zwar kündigte Pakistans Regierung an, zwischen Washington und Teheran vermitteln zu wollen. Gleichzeitig bereiten sich die USA laut Medienberichten auf den Einsatz von Bodentruppen vor. Zusätzlich haben auch die Huthi im Jemen ihren Kriegseintritt verkündet und Raketen auf Israel abgefeuert.

El Periódico de Catalunya (ES)

Ein Ausflug in die Hölle

El Periódico de Catalunya sieht einen neuen Weltkrieg heraufziehen:

„Der Ausflug, von dem Donald Trump so frivol sprach, führt in die Hölle. ... Der Eintritt der jemenitischen Huthi-Rebellen in den Konflikt erweitert das Schlachtfeld. ... Vom Jemen aus könnte eine weitere strategische Meerenge für die Weltwirtschaft blockiert werden, nämlich die von Bab el-Mandeb vor den Toren des Roten Meeres und des Suezkanals, was Saudi-Arabien zum direkten Eingreifen zwingen würde. ... Was die Fähigkeit der USA und Israels angeht, eine Schlacht zu gewinnen, hat sich nichts verändert, aber jetzt müssen sie ihre Soldaten auf dem Schlachtfeld opfern. ... Wenn die USA bei den in Pakistan beginnenden Verhandlungen keinen Waffenstillstand hinbekommen, stehen wir vor dem potenziellen Beginn eines neuen Weltkrieges.“

Rafael Vilasanjuan
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The Guardian (GB)

Katastrophe mit Ankündigung

Auch The Guardian blickt mit Grauen auf die derzeitigen Entwicklungen:

„Kaum zu fassen, dass nach all dem tödlichen Leid und Elend der Kriege im Irak und in Afghanistan ein US-Präsident erneut ernsthaft erwägt, Bodentruppen in den Nahen Osten zu entsenden. Noch erstaunlicher ist, dass es sich dabei um Trump handelt, einen lautstarken Kritiker kostspieliger Auslandseinsätze. ... Verhandlungen, die von beiden Seiten ohne Vorbedingungen geführt werden, sind der einzig vernünftige Ausweg. Dafür müsste Trump seinen Stolz herunterschlucken und Fehler eingestehen. Doch wie die ganze Welt weiß, ist die Vorstellung, dass der ignoranteste, rücksichtsloseste und narzisstischste aller US-Präsidenten dies tatsächlich tun könnte, unrealistisch. Die zweite Amtszeit Trumps musste zwangsläufig in einer Katastrophe enden. Nun geschieht genau das.“

Simon Tisdall
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Contributors (RO)

Enormes Blockadepotenzial

Der Analyst Radu Carp schreibt bei Contributors:

„Mit dem Eingreifen der Huthi-Miliz und einer möglichen Blockade der Meerenge Bab el-Mandab kann der Iran beweisen, dass er beide Enden des Seewegs der Arabischen Halbinsel bedrohen und damit einen Großteil des Welthandels mit Energieressourcen blockieren kann. Der Iran handelt hier nicht allein, sondern in strikter Abstimmung mit Russland und China. Denn Irans Blockade kommt Russland zugute, das unerwartet hohe Summen aus dem Verkauf von Erdöl erzielt hat. ... Auch China profitiert weiterhin vom iranischen Erdöl und besitzt riesige Reserven, über die die westlichen Staaten derzeit nicht verfügen. Es ist keineswegs zufällig, dass die Revolutionsgarden von den Schiffen, die die Straße von Hormus passieren wollen, eine Gebühr in chinesischen Yuan verlangen.“

Radu Carp
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La Stampa (IT)

Teherans regionales Netzwerk wird aktiv

Das Eingreifen der Huthi-Miliz verändert den Krieg grundlegend, warnt La Stampa:

„Es handelt sich nicht einfach um eine weitere Front. Es ist ein struktureller Wandel: Der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran weitet sich aus und verzweigt sich, er entwickelt sich zu einem System miteinander verbundener Krisen. ... Die Entscheidung der Huthi stellt eine der bedeutendsten Eskalationen seit Kriegsbeginn dar. Nicht nur, weil sie das Operationsgebiet ausweitet, sondern auch, weil sie eine tiefer liegende Dynamik bestätigt: die fortschreitende Aktivierung des regionalen Netzwerks Irans. Nach der Hisbollah und den irakischen Milizen ist nun auch der Jemen vollständig in dessen Einflussbereich eingebunden.“

Alessia Melcangi
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Berlingske (DK)

Wer will schon diesem Mann helfen?

Trump zahlt den Preis dafür, Trump zu sein, titelt Berlingske und erinnert an die Grönland-Krise:

„Die Drohungen des US-Präsidenten gegen ein Nato-Mitglied haben bei den Verbündeten der USA tiefe Spuren hinterlassen. Die USA müssen feststellen, dass Verbündete nicht mehr im gleichen Tempo zur Hilfe eilen wie zuvor. ... Das hat Trump dazu veranlasst, den übrigen Nato-Staaten vorzuwerfen, die USA im Stich zu lassen – doch in Wahrheit hat die zurückhaltende Reaktion mehr mit der Person als mit der Nation zu tun. Es sind nicht die USA, denen es an Unterstützung mangelt. Es ist Trump.“

Birgitte Borup
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Fragwürdige EU-Sanktionen gegen eine Familie

 https://www.nachdenkseiten.de/?p=148448

Sanktionslisten

"[...] Im Juni 2022 landete Wolosch auf der EU-Sanktionsliste, weil Brüssel Yandex vorwarf, russische Propaganda zu verbreiten.

Obwohl Wolosch bereits am Tag seiner Sanktionierung als CEO von Yandex zurücktrat und nach Israel übersiedelte, verblieb der Russe auf der Liste. Erst als er eineinhalb Jahre nach dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine diesen Akt als „barbarisch“ bezeichnete, meldeten sich Stimmen aus dem EU-europäischen Establishment, die meinten, man habe möglicherweise den falschen Mann gelistet. Um sichtbar allem Russischen vollständig zu entsagen, gab Wolosch dann noch seine russische Staatsbürgerschaft zurück. Das war der Moment, an dem ihn Brüssel von der Liste streichen ließ und er wieder in die Gemeinschaft der EU-Oligarchen aufgenommen wurde. [...]"


Mittwoch, 25. März 2026

euro|topics: Trump droht Iran: Wozu führt das US-Ultimatum?

US-Präsident Donald Trump hat dem Iran ein Ultimatum gestellt: Sollte die derzeit von den iranischen Revolutionsgarden kontrollierte Straße von Hormus nicht bis Dienstagmorgen vollständig geöffnet werden, würden die USA iranische Kraftwerke angreifen. Iran reagierte mit der Androhung einer kompletten Blockade der Meerenge für den Fall solcher Angriffe. Kommentatoren beleuchten Motive der Akteure und mögliche Auswege.

Igor Semywolos (UA)

Teheran behält ein starkes Druckmittel

Nahostexperte Ihor Semywolos sieht auf Facebook eine möglicherweise geschickte Strategie des Iran:

„Der Iran könnte sich für die Strategie einer kontrollierten Drosselung der Straße von Hormus entscheiden, statt vollständige Schließung oder vollständige Öffnung zu wählen. Anzeichen dafür gibt es bereits: Iranische Tanker setzen ihre Fahrt nach China über alternative Routen fort und einzelne Schiffe erhalten selektiv Genehmigungen zur Durchfahrt. Das verschafft Teheran einen dauerhaften Hebel – ohne formelle Kapitulation und ohne vollständige Eskalation –, ein kontrolliertes Druckventil, mit dem jederzeit verhandelt werden kann. Gerade deshalb verliert jedes Ultimatum zur 'vollständigen Öffnung' von vornherein gegen die iranische Logik partieller Zugeständnisse.“

Ihor Semywolos
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Adevărul (RO)

Wähler werden teures Benzin nicht vergessen

Der Gründer des Zentrums für Technologieinnovationen Inventikus, Cătălin Buciumeanu, analysiert auf der Webseite von Adevărul:

„Wenn Trump eskaliert, läuft er aus politischer Sicht Gefahr, dass er Amerika in einen langen, teuren und toxischen Krieg geführt hat. Wenn er brüsk aufhört, riskiert er, dass er so wirkt, als habe er bereits den wirtschaftlichen Preis bezahlt, ohne ein strategisches Ergebnis erzielt zu haben. Und wenn er versucht, die Diskussion ausschließlich auf Identität, Kultur und Parteitreue zu verlagern, wird er eine elementare Wahrheit wiederentdecken: Der Wähler kann vieles verzeihen, aber selten verzeiht er den Preis für einen Liter Benzin.“

Cătălin Buciumeanu
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La Stampa (IT)

Washington hat eine andere Logik

Die unterschiedlichen Interessen Israels und der USA beleuchtet La Stampa:

„Über Nacht verkündete Washington durch Finanzminister Scott Bessent, dass der Verkauf des derzeit auf See blockierten iranischen Öls (vorübergehend) erlaubt werde. ... Der Kontrast zu Israel, das am Vortag das riesige Gasfeld South Pars angegriffen hatte, könnte nicht größer sein. … Jerusalem versucht, so viel wie möglich von der Islamischen Republik zu zerstören: ihre militärischen Fähigkeiten, ihre Führung sowie ihre Energie- und Produktionsinfrastruktur. Washington hingegen verfolgt, so schwer fassbar seine letztendlichen Ziele auch sein mögen, die Logik eines militärischen Sieges ohne politische und/oder wirtschaftliche Risiken.“

Stefano Stefanini
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taz, die tageszeitung (DE)

Vor dem Showdown

Europa wird sich auf Dauer nicht heraushalten können, schreibt die taz:

„April könnte der Monat des Iran-Showdowns werden, eventuell zeitgleich zum erwarteten Frühjahrsaufschwung der Kämpfe in der Ukraine, wo Russland zwar Boden verliert, aber neue Offensiven vorbereitet – ermuntert durch die Ölgelder, die der Irankrieg in seine Kassen spült. 'Das ist nicht unser Krieg', wie es zum Irankrieg vergangene Woche noch aus Europa hieß, ist da keine adäquate Antwort mehr. Es gibt momentan kein europäisches 'Wir'. Trumps Irankrieg und davor seine Grönland-Ambitionen haben die Nato gespalten, die EU wird vom Trump- und Putin-Freund Viktor Orbán aus Ungarn lahmgelegt. Jede Regierung muss selbst überlegen, wo sie in diesem heraufziehenden Dritten Weltkrieg steht und was sie zu tun gedenkt. Auch in Berlin.“

Dominic Johnson
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