Im türkischen Ankara ist gestern der Nato-Gipfel zu Ende gegangen. „Die Nato liefert“, erklärte Generalsekretär Mark Rutte und auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gab sich zufrieden: „Die Trittbrettfahrerei der Europäer ist vorbei“, zitiert ihn der Tagesspiegel – man übernehme innerhalb des Verteidigungsbündnisses mehr Verantwortung und löse sich „von einseitigen Abhängigkeiten“. Gemeint sind natürlich die USA unter Präsident Donald Trump, der gewohnt konfrontativ in den Gipfel gestartet war und unter anderem damit drohte, die Handelsbeziehungen mit Spanien wegen fehlender Unterstützung im Irankrieg zu beenden. In der Zwischenzeit startete das US-Militär weitere Angriffe auf den Iran – die Feuerpause mit Teheran erklärte der US-Präsident für beendet. „Jetzt trifft Trump der Iran-Boomerang“, kommentiert das t-online.
Gegen Ende des Nato-Treffens änderte der Republikaner dann seine Rhetorik. „In diesem Raum gab es eine enorme Liebe“, ließ er verlauten. Der Ukraine stellte er die Lizenz zum Bau von Patriot-Abwehrraketen in Aussicht. In der Abschlusserklärung einigten sich die Bündnispartner auch darauf, Kiew dieses und kommendes Jahr mit Militärhilfen in Höhe von jeweils 70 Milliarden Euro zu unterstützen. Das Geld kommt vor allem aus der Europäischen Union.
Unterm Strich attestiert die Tagesschau den Gipfel-Teilnehmer:innen „ein bemerkenswertes Ergebnis“ – es sei trotz Trumps Provokationen gelungen, ein Signal der Geschlossenheit zu senden. ZDFheute lobt die Einigkeit in Sachen Ukraine, zweifelt aber daran, dass das Bündnis tatsächlich so geschlossen dasteht. Und die taz fragt spitz, ob Rutte sich während des Treffens in einer Parallelwelt befunden habe: Der Nato-Generalsekretär verschließe die Augen vor den Fragen, die den Gipfel bestimmt hätten – während Trump seine Verachtung über das Bündnis laut kundtue gebe es keinen „Plan darüber, wie man den schwierigen aber machtvollen Teilnehmer aus den USA irgendwie innerhalb der Nato einhegen kann“.