Freitag, 20. März 2026

euro|topics: Iran-Krieg: Welche Rolle spielt Israel?


Die USA gehen im Iran-Krieg Hand in Hand mit Israel vor. So schrieb sich die israelische Luftwaffe zuletzt die Tötung des Sicherheitsrats-Chefs Ali Laridschanials Erfolg zu. Das selbst immer wieder vom Iran mit Raketen attackierte Israel greift gegenwärtig aber auch im Süden Libanons an, von wo die schiitische Hisbollah ihrerseits Israel beschossen hat. Die Medien beurteilen Israels Rolle und Vorgehensweise auf beiden Kriegsschauplätzen.

Polityka (PL)

Zerstörung der Machtstruktur um jeden Preis

Polityka hinterfragt die Motive Israels:

„Israel handelt so, als wolle es eine unwiederbringliche Gelegenheit ausnutzen. Es greift alle Ziele an, die irgendeinen Bezug zum iranischen Regime haben, aber auch solche, deren Beschädigung soziale Unruhen auslösen könnte. Das Ziel Israels scheint die Zerstörung der iranischen Machtstruktur zu sein, selbst wenn dies Chaos, Bürgerkrieg oder sogar den Zerfall des Iran bedeuten würde. Eine ähnliche Strategie verfolgt Israel auch gegenüber den Palästinensern und derzeit gegenüber dem Libanon.“

Łukasz Wójcik
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Aleksey Kopytko (UA)

Netanjahu gibt den Ton an und profitiert

Politologe Olexij Kopytko sieht auf Facebook Israel ausschließlich auf der Gewinnerseite:

„Israel hat bei diesem Feldzug einen starken Verbündeten an Bord geholt und zerstört systematisch das militärische Potenzial des Iran. Sobald es an seinen Grenzen für mehr Ordnung gesorgt hat, kann es die Gewinne der aktuellen Phase verbuchen. Kollateralschaden in Form von Angriffen auf jüdische Einrichtungen in Ländern wie den Niederlanden und Belgien spielt Netanjahu nur in die Hände. Das heißt, schon jetzt hat Israel zweifellos gewonnen. Jeden Tag sammelt es zusätzliche Pluspunkte. Der Begriff 'Israels Krieg gegen den Iran' entspricht voll und ganz dem, was gerade geschieht.“

Olexij Kopytko
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NRC (NL)

Die Hisbollah besser politisch besiegen

NRC kritisiert Israels Angriffe im Libanon als falsche Strategie:

„Nach Jahrzehnten des Konflikts sollte mittlerweile klar sein, dass militärische Machtdemonstration die Hisbollah nicht vernichtet. Getötete Anführer werden ersetzt, Waffenlager verlegt, Kämpfer halten sich bedeckt, bis die nächste Gefechtsrunde beginnt. Israel hat das Recht, seine Bevölkerung bei einem Angriff militärisch zu schützen, doch nur eine politische Lösung, bei der alle Parteien die Rechte der Libanesen respektieren, kann die Hisbollah wirklich besiegen. Jetzt muss die zivile Bevölkerung unter den israelischen Luftangriffen unverhältnismäßig leiden.“

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Der Tagesspiegel (DE)

Das verkraftet kein demokratisches Gemeinwesen

Auch der Tagesspiegel hält Israels Vorgehen gegen die Hisbollah für einen Fehler:

„Denn mit Bomben allein wird die Hisbollah nicht zu besiegen sein. Sie verheeren nur das Land, töten oder vertreiben Frauen, Kinder und Männer, die nichts mit diesem Konflikt zu tun haben. Das verursacht Wut, auf der sich keine Stabilität gründen lässt, geschweige denn so etwas wie halbwegs friedliche Zeiten. Ohne eine umfassende Bodenoffensive ist die Bedrohung durch die Miliz nicht aus der Welt zu schaffen. ... Das hieße, Israel bleibt auf unabsehbare Zeit ein Land im Kriegsmodus. Dieser Ausnahmezustand überfordert nicht nur die Streitkräfte und die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft. Immer mit der Waffe in der Hand – das verkraftet kein demokratisches Gemeinwesen.“

Christian Böhme
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Kathimerini (GR)

Belastung einer langen Freundschaft

Kathimerini blickt auf die künftigen Beziehungen zwischen den USA und Israel:

„Da die Kosten der Operation zunehmend auf den amerikanischen Wählern lasten, wird sich die Kritik auf eine einfache Frage zuspitzen: 'Warum – und wem zuliebe – sind wir eigentlich in den Krieg gezogen?' ... Das Ausmaß, in dem Trump – und damit auch die Vereinigten Staaten – sich mit den Entwicklungen im Iran und mit Netanjahu identifiziert haben, wird voraussichtlich erhebliche politische Folgen haben. Kurzfristig könnten diese bei den Kongresswahlen im November spürbar werden. Darüber hinaus könnten sie die Belastbarkeit der langjährigen Doktrin der bedingungslosen US-Unterstützung für Israel auf die Probe stellen.“

Alexis Papachelas
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Dienstag, 17. März 2026

 

17. März 2026 Oscarverleihung: Zu zahm für die Weltlage? In Los Angeles sind am Sonntagabend die Oscars verliehen worden. Kommentatoren bewerten die Show und fragen, ob das Kino seiner Rolle aktuell noch gerecht werden kann oder ob es vom Strudel der Ereignisse hinweggefegt wird. 

Schmerzhafte Ignoranz gegenüber der Realität 
Die Gala hat die Trump-Realität weitgehend ignoriert, kritisiert Der Spiegel
 „[I]n der eisgekühlten Eleganz des Theaters, dessen aggressives Zen-Dekor absichtlich als 'Fluchtpunkt vor einer chaotischen Welt' entworfen war, spürte man am Ende kaum etwas davon, dass sich die USA gerade in einem Krieg befinden, der die globale Ordnung ins Wanken bringt. Oder dass die ehrwürdige US-Demokratie bald fast nur noch auf dem Papier existiert. Oder dass Hollywood vor dem Untergang steht, na gut, mal wieder, aber diesmal vielleicht endgültig. Der Splitscreen war schmerzhaft. Draußen eine Nation zwischen Krieg und Autokratie. Drinnen eine glamouröse Selbstbeweihräucherung.“ Marc Pitzke 
 Spiegelbild von Hollywood 
Die Warner-Produktionen "One Battle after Another" und "Blood and Sinners" räumten an diesem Abend mit insgesamt zehn Oscars ab. Público sieht darin ein Symbol für die Widersprüchlichkeit der US-Filmindustrie: „Die Ironie dabei ist, dass der Erfolg von Warner mit diesen beiden Filmen etwas von einem 'letzten Hurra' hatte – und das zu einem Zeitpunkt, an dem das Studio, das gerade für seine freie Hand bekannt ist, kurz davor steht, von einem Paramount übernommen zu werden, das nur wenig risikofreudig ist und in gefährlicher Nähe zur aktuellen US-Regierung steht. Die Oscars sind vor allem ein Spiegelbild der amerikanischen Filmindustrie und der Art und Weise, wie sie sich verhält – mal wie eine Krabbe (für jeden Schritt nach vorne macht sie zwei zur Seite), mal wie ein Strauß (der den Kopf in den Sand steckt und darauf wartet, dass der Sturm vorüberzieht).“ Jorge Mourinha 

Darauf einen Martini! 
Die Salzburger Nachrichten sind alles in allem dennoch zufrieden mit dem Abend: „'Das ist ziemlich großartig, gehen wir drauf einen Martini trinken!' ... [D]er große Gewinner Paul Thomas Anderson brachte die Stimmung des Abends auf den Punkt: Angesichts des befremdlichen Irrsinns, der sich in der Welt rund um das Dolby Theatre in L. A. abspielt, bleibt wohl nichts, als zu feiern, dass man wenigstens künstlerisch das Beste daraus gemacht hat. Denn auch wenn sich sowohl Moderator Conan O’Brien als auch der überwiegende Teil der Preisträger in ihren Dankesreden mit allzu eindeutigen politischen Aussagen tunlichst zurückhielten, in den ausgezeichneten Werken wird oft recht offensichtlich Stellung bezogen, dabei ist das Niveau durch die Bank so hoch wie lange nicht. Und da soll noch mal jemand sagen, die Kunstform Kino sei am Aussterben.“

Zu Trumps Forderung nach Unterstützung beim Geleitschutz in der Straße von Hormus

 

Abwälzen von Kosten und Verantwortung

Die Meerenge würde durch ein Aufgebot von Drittstaaten nicht wirklich sicher, aber 

sie säßen mit Trump in einem Boot, so La Stampa:

„Ein militärischer Einsatz anderer Länder würde zwar den Druck auf die mit dem 

Abfangen iranischer Raketen und Drohnen im Golf beschäftigte US-Marine

 sicherlich verringern, doch die grundlegende Gleichung würde er nicht verändern:

 Die Straße von Hormus bliebe faktisch geschlossen. Das ist der asymmetrische

 Vorteil Irans, er ist zwar die schwächere Seite im Krieg, nicht aber zwangsläufig

 der Verlierer. Warum also hat Trump die europäischen und asiatischen Länder um ein

Eingreifen gebeten? Ganz einfach: um sie in einen Konflikt hineinzuziehen, der sich in 

die falsche Richtung entwickelt, und so Kosten, Ergebnisse und Verantwortung zu 

teilen.“ (Originalartikel)

Brutalität verdrängt internationale Ordnung

TVNet kritisiert Trumps Verständnis von internationaler Politik:

„Nach Trumps Ansicht ist das Bündnis kein Prinzip gemeinsamer Sicherheit, sondern ein Instrument, um andere für die eigenen Abenteuer bezahlen zu lassen. Genau so sieht US-Politik aus: Verbündete werden erpresst und Aggressoren reingewaschen. Das ist widerlich und inakzeptabel, weil es Aggression normalisiert. Russland kann ein Nachbarland überfallen, Städte zerstören, Zivilisten töten, Kinder deportieren, mitten in Europa ein Blutbad anrichten und trotzdem wieder am Verhandlungstisch sitzen, weil jemand in Washington einen etwas niedrigeren Ölpreis braucht – so verliert die internationale Ordnung jeglichen Sinn. Dann gilt nur noch eine Regel: Wer brutal und nützlich genug ist, dem wird alles verziehen.“

(Originalartikel)

euro|topics: Bringt der Iran-Krieg die Weltwirtschaft in Not?

US-Präsident Trump hat die Nato sowie asiatische Staaten aufgefordert, sich an der militärischen Sicherung des Schifffahrtsverkehrs in der Straße von Hormus zu beteiligen. Denn die faktische iranische Blockade der Meerenge lässt die Öl- und Gaspreise drastisch steigen. Europas Medien beleuchten das Vorgehen der USA in dieser beginnenden Energiekrise und skizzieren deren globale ökonomische und soziale Folgen.

Jornal de Notícias (PT)

Armut wird um sich greifen

Jornal de Notícias zeichnet ein düsteres Szenario für die Weltwirtschaft:

„Bis zum Beginn einer Rezession, die wiederum Arbeitslosigkeit und Verarmung mit sich bringen wird, werden nur wenige Monate vergehen. Das mag wie eine katastrophale Vorhersage klingen (und hoffentlich ist es das auch), aber genau das lehrt uns die Geschichte. Die Anzeichen, die eine wirtschaftliche Katastrophe ankündigen, sind selbst für einen Laien leicht zu erkennen. Was sich jedoch niemals vorhersagen lässt, sind das Ausmaß, die Dauer und das Leid, das sie verursachen wird. Eines ist jedoch sicher: In einer Wirtschaftskrise wird die Last nicht gerecht verteilt. Die sehr Reichen bleiben reich, die Mittelschicht verfällt in Armut und die Armen in Elend.“

Rafael Barbosa
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El País (ES)

Teil der Rivalität zwischen China und USA

Wirtschaftsexpertin Alicia García Herrero skizziert in El País den geopolitischen Kontext:

„In einer durch die Pandemie 2020–2021 und die Inflationskrise 2022–2024 geschwächten Welt mit hoher Staatsverschuldung und fragilen Arbeitsmärkten könnte diese Krise verheerender sein als die Ukraine-Krise 2022. … Der Angriff auf den Iran ist Teil des Wettbewerbs zwischen den USA und China, in dem Washington nun militärisch agiert, da sein wirtschaftlicher Einfluss schrumpft. … Die Trump-Regierung scheint China den Zugang zu billiger Energie verwehren zu wollen. ... Die Lösung des Konflikts wird im Kampf zwischen den USA und China ausschlaggebend sein.“

Alicia García Herrero
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La Stampa (IT)

Russisches Öl als Lückenfüller gefragt

Warum Trump die Handelssanktionen gegen Moskau gelockert hat, erklärt La Stampa:

„Die amerikanische Entscheidung, den Verkauf des auf See blockierten russischen Öls zu gestatten, führt zu einer neuen strategischen Spannung. Um den durch die Hormus-Krise verursachten Energieschock einzudämmen, reduziert Washington den wirtschaftlichen Druck auf Moskau. ... Die Blockade von Hormus destabilisiert nicht nur den Ölmarkt, sondern könnte eine Inflationsspirale auslösen, in der Gas, Öl und Lebensmittel zu Quellen wirtschaftlichen und politischen Drucks werden. Dies erklärt die amerikanische Entscheidung. Priorität hat die Vermeidung eines globalen Energieschocks.“

Ettore Sequi
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Trud (BG)

Je länger, desto katastrophaler

Energie-Experte Bojan Raschow nennt in Trud Szenarien für den Fall anhaltender Rohstoffknappheit:

„Zwei weitere Wochen der Hormus-Blockade würden zu einem Erdölpreis von 160 Dollar und bis zum Jahresende anhaltend hohen Preisen führen. ... Zwei Monate Blockade würden zu einer echten weltweiten Kraftstoffknappheit führen, da viele Länder den Export einfach einstellen und alles für den Binnenverbrauch zurückhalten würden. Wer keine eigenen Ölquellen und keine eigene Raffinerie besitzt, wird stark darunter leiden. Drei Monate sind für mich ein Szenario für eine schwere globale Rezession, verbunden mit hoher Inflation, da die Handels- und Staatsreserven der meisten Importländer praktisch aufgebraucht sein werden. Jenseits von drei Monaten ist es bereits ein Szenario für eine neue Folge von 'Mad Max'.“

Bojan Raschew
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