Mittwoch, 25. März 2026

euro|topics: Trump droht Iran: Wozu führt das US-Ultimatum?

US-Präsident Donald Trump hat dem Iran ein Ultimatum gestellt: Sollte die derzeit von den iranischen Revolutionsgarden kontrollierte Straße von Hormus nicht bis Dienstagmorgen vollständig geöffnet werden, würden die USA iranische Kraftwerke angreifen. Iran reagierte mit der Androhung einer kompletten Blockade der Meerenge für den Fall solcher Angriffe. Kommentatoren beleuchten Motive der Akteure und mögliche Auswege.

Igor Semywolos (UA)

Teheran behält ein starkes Druckmittel

Nahostexperte Ihor Semywolos sieht auf Facebook eine möglicherweise geschickte Strategie des Iran:

„Der Iran könnte sich für die Strategie einer kontrollierten Drosselung der Straße von Hormus entscheiden, statt vollständige Schließung oder vollständige Öffnung zu wählen. Anzeichen dafür gibt es bereits: Iranische Tanker setzen ihre Fahrt nach China über alternative Routen fort und einzelne Schiffe erhalten selektiv Genehmigungen zur Durchfahrt. Das verschafft Teheran einen dauerhaften Hebel – ohne formelle Kapitulation und ohne vollständige Eskalation –, ein kontrolliertes Druckventil, mit dem jederzeit verhandelt werden kann. Gerade deshalb verliert jedes Ultimatum zur 'vollständigen Öffnung' von vornherein gegen die iranische Logik partieller Zugeständnisse.“

Ihor Semywolos
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Adevărul (RO)

Wähler werden teures Benzin nicht vergessen

Der Gründer des Zentrums für Technologieinnovationen Inventikus, Cătălin Buciumeanu, analysiert auf der Webseite von Adevărul:

„Wenn Trump eskaliert, läuft er aus politischer Sicht Gefahr, dass er Amerika in einen langen, teuren und toxischen Krieg geführt hat. Wenn er brüsk aufhört, riskiert er, dass er so wirkt, als habe er bereits den wirtschaftlichen Preis bezahlt, ohne ein strategisches Ergebnis erzielt zu haben. Und wenn er versucht, die Diskussion ausschließlich auf Identität, Kultur und Parteitreue zu verlagern, wird er eine elementare Wahrheit wiederentdecken: Der Wähler kann vieles verzeihen, aber selten verzeiht er den Preis für einen Liter Benzin.“

Cătălin Buciumeanu
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La Stampa (IT)

Washington hat eine andere Logik

Die unterschiedlichen Interessen Israels und der USA beleuchtet La Stampa:

„Über Nacht verkündete Washington durch Finanzminister Scott Bessent, dass der Verkauf des derzeit auf See blockierten iranischen Öls (vorübergehend) erlaubt werde. ... Der Kontrast zu Israel, das am Vortag das riesige Gasfeld South Pars angegriffen hatte, könnte nicht größer sein. … Jerusalem versucht, so viel wie möglich von der Islamischen Republik zu zerstören: ihre militärischen Fähigkeiten, ihre Führung sowie ihre Energie- und Produktionsinfrastruktur. Washington hingegen verfolgt, so schwer fassbar seine letztendlichen Ziele auch sein mögen, die Logik eines militärischen Sieges ohne politische und/oder wirtschaftliche Risiken.“

Stefano Stefanini
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taz, die tageszeitung (DE)

Vor dem Showdown

Europa wird sich auf Dauer nicht heraushalten können, schreibt die taz:

„April könnte der Monat des Iran-Showdowns werden, eventuell zeitgleich zum erwarteten Frühjahrsaufschwung der Kämpfe in der Ukraine, wo Russland zwar Boden verliert, aber neue Offensiven vorbereitet – ermuntert durch die Ölgelder, die der Irankrieg in seine Kassen spült. 'Das ist nicht unser Krieg', wie es zum Irankrieg vergangene Woche noch aus Europa hieß, ist da keine adäquate Antwort mehr. Es gibt momentan kein europäisches 'Wir'. Trumps Irankrieg und davor seine Grönland-Ambitionen haben die Nato gespalten, die EU wird vom Trump- und Putin-Freund Viktor Orbán aus Ungarn lahmgelegt. Jede Regierung muss selbst überlegen, wo sie in diesem heraufziehenden Dritten Weltkrieg steht und was sie zu tun gedenkt. Auch in Berlin.“

Dominic Johnson
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euro|topics Achse Budapest-Moskau: Was sollte die EU tun?

Achse Budapest-Moskau: Was sollte die EU tun?

Recherchen der Washington Post zufolge soll der ungarische Außenminister Szijjarto seinen russischen Amtskollegen Lawrow regelmäßig mit vertraulichen Informationen über die EU versorgt haben. Zudem soll der russische Auslandsgeheimdienst SWR die Orbán-Regierung im aktuellen Wahlkampf unterstützen. Budapest bestreitet die Vorwürfe vehement. Die EU-Kommission verlangt Aufklärung. Europas Presse fordert konsequente Reaktionen.

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Im Fall einer Wiederwahl streng sanktionieren

Für De Telegraaf ist das Maß voll:

„Es ist natürlich Sache der Bevölkerung selbst, [bei der Wahl] zu entscheiden, ob sie mit diesem Scharlatan weitermachen will. Aber sollte dies der Fall sein, darf eine entschlossene Reaktion aus Brüssel nicht ausbleiben. Das Land kurzfristig aus der EU auszuschließen, ist leider so gut wie unmöglich. Aber dann sollte Brüssel endlich einmal Charakterstärke zeigen, indem es die (finanziellen) Daumenschrauben stark anzieht bei diesem Netto-Empfänger, der sich verhält, als ob die EU nur ein Geldautomat für ungarische Bedürfnisse ist.“

Das Problem wirklich angehen

Abwarten reicht nicht, warnt Helsingin Sanomat:

„Als Lösung wurde vorgeschlagen, in der Außen- und Sicherheitspolitik auf Beschlüsse mit qualifizierter Mehrheit umzustellen, doch dieser Prozess wurde als schwierig angesehen. Er würde eine einstimmige Entscheidung für den Verzicht aufs Vetorecht erfordern. Ungarn müsste also sein eigenes Druckmittel aufgeben. Zudem sind Beschlüsse mit qualifizierter Mehrheit zwar notwendig, beseitigen aber nicht den Vertrauensmangel. Eine qualifizierte Mehrheit verhindert nicht, dass jemand Informationen durchsticht. Ungarn ist rücksichtslos, doch die anderen Länder blieben zurückhaltend, anstatt Ungarn zur Lösung des Problems zu zwingen. In der EU setzt man auf Zeit. Die Wahl in Ungarn wird jedoch nicht automatisch die Lösung bringen.“

Geringere Übel pragmatisch abwägen

El Mundo sieht die übrigen EU-Mitgliedstaaten vor einer schwierigen Entscheidung:

„Sollte sich bestätigen, dass Ungarn vertrauliche Informationen an Russland weitergibt, könnte Orbán vom Entscheidungsprozess des Europäischen Rats ausgeschlossen werden. Dies würde Ungarns Veto gegen alle Putin schadenden Maßnahmen untergraben. ... Die Kernfrage bleibt, was pragmatischer ist: einen Staatschef zu dulden, obwohl dieser im Dienste einer fremden, feindlichen Macht steht, oder aber den Regierungschef auszuschließen, was wiederum die Abhängigkeit dieses Akteurs von jener feindlichen Macht verstärken könnte. Fest steht: Will Europa ein relevanter und respektierter geopolitischer Akteur sein, muss es seine Souveränität und seine Prinzipien wirksam gegen Angreifer verteidigen.“

Es geht um die EU-Mitgliedschaft

Der Diplomat im Ruhestand, György Tatár, beschreibt Orbáns künftige Absichten in Népszava:

„Was bei der Wahl im April wirklich auf dem Spiel steht, über das die Regierungsseite – zumindest öffentlich – nicht spricht, ist Ungarns EU-Mitgliedschaft. ... Nach Orbáns Einschätzung übt Brüssel starken Druck auf uns aus, damit auch wir uns mit Geld, Waffen und sogar durch das Opfern unserer Kinder dem Lager der Kriegstreiber anschließen. ... Orbáns Rhetorik hat bereits den Boden dafür bereitet, dass er im Falle eines Wahlsiegs – unter Berufung auf die 'neue Situation notgedrungen' und als einzige Möglichkeit zur Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität sowie zur Vermeidung eines Kriegs – den Austritt aus der EU vorschlagen kann.“

Freitag, 20. März 2026

euro|topics: Iran-Krieg: Welche Rolle spielt Israel?


Die USA gehen im Iran-Krieg Hand in Hand mit Israel vor. So schrieb sich die israelische Luftwaffe zuletzt die Tötung des Sicherheitsrats-Chefs Ali Laridschanials Erfolg zu. Das selbst immer wieder vom Iran mit Raketen attackierte Israel greift gegenwärtig aber auch im Süden Libanons an, von wo die schiitische Hisbollah ihrerseits Israel beschossen hat. Die Medien beurteilen Israels Rolle und Vorgehensweise auf beiden Kriegsschauplätzen.

Polityka (PL)

Zerstörung der Machtstruktur um jeden Preis

Polityka hinterfragt die Motive Israels:

„Israel handelt so, als wolle es eine unwiederbringliche Gelegenheit ausnutzen. Es greift alle Ziele an, die irgendeinen Bezug zum iranischen Regime haben, aber auch solche, deren Beschädigung soziale Unruhen auslösen könnte. Das Ziel Israels scheint die Zerstörung der iranischen Machtstruktur zu sein, selbst wenn dies Chaos, Bürgerkrieg oder sogar den Zerfall des Iran bedeuten würde. Eine ähnliche Strategie verfolgt Israel auch gegenüber den Palästinensern und derzeit gegenüber dem Libanon.“

Łukasz Wójcik
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Aleksey Kopytko (UA)

Netanjahu gibt den Ton an und profitiert

Politologe Olexij Kopytko sieht auf Facebook Israel ausschließlich auf der Gewinnerseite:

„Israel hat bei diesem Feldzug einen starken Verbündeten an Bord geholt und zerstört systematisch das militärische Potenzial des Iran. Sobald es an seinen Grenzen für mehr Ordnung gesorgt hat, kann es die Gewinne der aktuellen Phase verbuchen. Kollateralschaden in Form von Angriffen auf jüdische Einrichtungen in Ländern wie den Niederlanden und Belgien spielt Netanjahu nur in die Hände. Das heißt, schon jetzt hat Israel zweifellos gewonnen. Jeden Tag sammelt es zusätzliche Pluspunkte. Der Begriff 'Israels Krieg gegen den Iran' entspricht voll und ganz dem, was gerade geschieht.“

Olexij Kopytko
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NRC (NL)

Die Hisbollah besser politisch besiegen

NRC kritisiert Israels Angriffe im Libanon als falsche Strategie:

„Nach Jahrzehnten des Konflikts sollte mittlerweile klar sein, dass militärische Machtdemonstration die Hisbollah nicht vernichtet. Getötete Anführer werden ersetzt, Waffenlager verlegt, Kämpfer halten sich bedeckt, bis die nächste Gefechtsrunde beginnt. Israel hat das Recht, seine Bevölkerung bei einem Angriff militärisch zu schützen, doch nur eine politische Lösung, bei der alle Parteien die Rechte der Libanesen respektieren, kann die Hisbollah wirklich besiegen. Jetzt muss die zivile Bevölkerung unter den israelischen Luftangriffen unverhältnismäßig leiden.“

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Der Tagesspiegel (DE)

Das verkraftet kein demokratisches Gemeinwesen

Auch der Tagesspiegel hält Israels Vorgehen gegen die Hisbollah für einen Fehler:

„Denn mit Bomben allein wird die Hisbollah nicht zu besiegen sein. Sie verheeren nur das Land, töten oder vertreiben Frauen, Kinder und Männer, die nichts mit diesem Konflikt zu tun haben. Das verursacht Wut, auf der sich keine Stabilität gründen lässt, geschweige denn so etwas wie halbwegs friedliche Zeiten. Ohne eine umfassende Bodenoffensive ist die Bedrohung durch die Miliz nicht aus der Welt zu schaffen. ... Das hieße, Israel bleibt auf unabsehbare Zeit ein Land im Kriegsmodus. Dieser Ausnahmezustand überfordert nicht nur die Streitkräfte und die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft. Immer mit der Waffe in der Hand – das verkraftet kein demokratisches Gemeinwesen.“

Christian Böhme
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Kathimerini (GR)

Belastung einer langen Freundschaft

Kathimerini blickt auf die künftigen Beziehungen zwischen den USA und Israel:

„Da die Kosten der Operation zunehmend auf den amerikanischen Wählern lasten, wird sich die Kritik auf eine einfache Frage zuspitzen: 'Warum – und wem zuliebe – sind wir eigentlich in den Krieg gezogen?' ... Das Ausmaß, in dem Trump – und damit auch die Vereinigten Staaten – sich mit den Entwicklungen im Iran und mit Netanjahu identifiziert haben, wird voraussichtlich erhebliche politische Folgen haben. Kurzfristig könnten diese bei den Kongresswahlen im November spürbar werden. Darüber hinaus könnten sie die Belastbarkeit der langjährigen Doktrin der bedingungslosen US-Unterstützung für Israel auf die Probe stellen.“

Alexis Papachelas
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