Montag, 14. September 2026

euro|topics: Braucht KI eine Entschleunigung?

 

Führende Tech-Unternehmer aus den USA haben sich dafür ausgesprochen, die Entwicklung von KI zu bremsen. Anthropic-Chef Dario Amodei schrieb in einem Blog-Beitrag, dass die Branche mehr Zeit brauche, um mit der Risikoprävention hinterherzukommen. Sonst könnte KI in sechs bis zwölf Monaten außer Kontrolle geraten. Zustimmung bekam Amodei von Elon Musk, Open-AI-Chef Sam Altman und Google.

Der Standard (AT)

Internationale Steuerung ist nötig

Die Zeit für eine Regulierung läuft aus, betont Der Standard:

„Renommierte Forscher und die Ingenieure selbst halten es für gut möglich, dass die Maschinen die Menschen töten könnten. ... Trotzdem lässt die Politik vor allem in den USA das Rennen um die Superintelligenz laufen. Präsident Donald Trump ... will die Börsenkurse nicht gefährden. Und erst recht nicht das KI-Rennen gegen China verlieren. Das sind keine Gründe, Künstliche Intelligenz nicht zu regulieren, um den Forschern mehr Zeit für die Sicherung der Technologie zu geben. Doch dafür braucht es eine internationale Koalition. Die EU und Länder wie Großbritannien, Kanada und Japan hätten Hebel, um den Druck auf die USA und China weiter zu erhöhen. Die globale Steuerung und Überwachung von Künstlicher Intelligenz muss unterdessen konsequenter auf die UN-Ebene verlagert werden. ... Heute, nicht morgen.“

Benno Schwinghammer
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La Repubblica (IT)

Zweifel von Big Tech nicht glaubwürdig

Wirklich ändern will leider keiner etwas, stellt Tech-Journalist Federico Ferrazza in La Repubblica fest:

„Es gibt einen seltsamen Aspekt an dieser apokalyptischen Darstellung der Künstlichen Intelligenz. Und zwar, dass diejenigen, die das Problem verursacht haben und uns daran erinnern, dass ihre Technologien der Menschheit ein Ende bereiten könnten, nun auch noch das Problem lösen wollen: 'Es war ein Fehler, uns zu vertrauen, aber jetzt tut es trotzdem.' ... Doch die einfachste Frage, welche die Big-Tech-Unternehmen nicht beantworten, lautet: Wenn die KI so gefährlich für die Menschheit ist, warum hört ihr dann nicht einfach auf, anstatt seit Monaten zu reden und eindringliche Briefe zu schreiben? ... Sie wollen es nicht. Das beweisen die ständigen Veröffentlichungen immer leistungsfähigerer Modelle.“

Federico Ferrazza
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El Periódico de Catalunya (ES)

Entwicklung erinnert an atomares Wettrüsten

Politologin Astrid Barrio zieht in El Periódico de Catalunya Parallelen:

„Es ist durchaus plausibel, dass dieser Appell auf einer echten Sorge derer beruht, die genau wissen, was derzeit entwickelt wird. Aber es ist ebenso legitim, sich zu fragen, ob die Forderung nach einer Verlangsamung nicht auch wirtschaftlichen Interessen dienen könnte. ... Die atomare Erfahrung hat gezeigt, wie ein Wettbewerb ohne Kontrollmechanismen zu einer Situation führen kann, in der die gegenseitige Vernichtung droht. Auch bei der KI könnte eine Dynamik der sich gegenseitig beschleunigenden Zerstörung entstehen, wobei die Akteure aus Angst, den Anschluss zu verlieren, immer größere Risiken eingehen. Als Antwort darauf sollte man nicht die Innovation stoppen, sondern internationale Regeln aufstellen – verbunden mit unabhängigen Überprüfungsmechanismen.“

Astrid Barrio
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The Guardian (GB)

Kontrolle wird zur Illusion

Besonders im militärischen Bereich birgt der Einsatz von KI Risiken, warnt The Guardian:

„Befürworter KI-gestützter Kriegsführung behaupten, ein Mensch im Entscheidungsprozess biete Absicherung, da dieser beispielsweise bei Starts ballistischer Raketen das letzte Wort habe. Das setzt jedoch voraus, dass die Maschine ihrem Bediener ein wahrheitsgetreues Bild der Lage vermittelt. Ein Bericht der Strategic Foresight Group warnte Anfang des Jahres davor, dass ein leistungsfähiger KI-Agent den Menschen, der ihn 'steuert', täuschen könnte, indem er einen Angriff vortäuscht, widersprüchliche Beweise unterdrückt oder ihm kaum Zeit lässt, anderes zu tun, als zuzustimmen. ... Menschliche Aufsicht bietet keinen Schutz, wenn eine KI die Informationen kontrolliert, auf denen menschliche Entscheidungen beruhen.“

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L'Humanité (FR)

Auch mal den gesunden Menschenverstand einsetzen

Bei vielen Problemen ist zunächst menschliche Logik gefragt, findet L’Humanité:

„Nehmen wir an, KI hätte den Auftrag, den Klimawandel zu bekämpfen. Man braucht keinen Supercomputer, um zu erkennen, dass dafür weitestgehend die Menschheit verantwortlich ist. Gut. Aber alle Menschen? Die ärmsten 50 Prozent, die täglich zwei Kilo CO2 ausstoßen, oder die 0,1 Prozent, die 800 Kilo ausstoßen? Um das Ziel des Pariser Klimaabkommens von einer Erwärmung um 1,5 Grad Celsius bis 2030 zu erreichen, müssten die Superreichen ihre Emissionen laut den neuesten Schätzungen um 99 Prozent reduzieren. Selbst ohne die Computer auf soziale Gerechtigkeit zu verweisen, würde ein Minimum an Logik bei der Festlegung der Prioritäten nahelegen, zunächst die Ungleichheiten zu verringern, bevor man alle Menschen ausrottet.“

Maurice Ulrich
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Schweden wählen Sozialdemokraten zur stärksten Kraft

Bei der Parlamentswahl in Schweden hat die von den rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD) mitgetragene bürgerliche Koalition von Regierungschef Ulf Kristersson möglicherweise ihre Mehrheit verloren. Die Sozialdemokraten wurden stärkste Kraft und könnten mit einem Mitte-links-Bündnis einen knappen Vorsprung erreichen. Die SD büßten Stimmen ein. Das endgültige amtliche Wahlergebnis liegt jedoch voraussichtlich erst Mittwoch vor.

Dagens Nyheter (SE)

Gemeinsam in die Verantwortung

Dagens Nyheter wünscht sich Druck auf den konservativen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson, damit dieser auf die Vorsitzende der Sozialdemokraten zugeht:

„Magdalena Andersson hat während des gesamten Wahlkampfs deutlich gemacht, dass sie auch an einer Zusammenarbeit mit den Moderaten interessiert ist. Bisher hat Ulf Kristersson solche Ideen geradezu spöttisch abgetan. Doch bald ist die Niederlage eine Tatsache. Was dann noch zur Auswahl steht, ist ein Leben in der Opposition. ... Oder: Ein neuer Weg. Denn wenn [Björn] Borg, [die Familie] Wallenberg und die Milliardäre, die an der Seite der Moderaten Wahlkampf betrieben haben, es mit ihrer Besorgnis ernst meinen, gibt es nur eine vernünftige Vorgehensweise: Druck auf die Moderaten auszuüben. Dafür sorgen, dass Ulf Kristersson Verantwortung übernimmt.“

Amanda Sokolnicki
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Sydsvenskan (SE)

Sieg für die breite politische Mitte

Im Stimmenverlust für die Schwedendemokraten (SD) sieht Sydsvenskan ein Signal:

„Sicherlich lässt sich dies so interpretieren, dass zwei stark polarisierte Lager auf beiden Seiten einer tiefen Kluft stehen. Es muss jedoch auch festgestellt werden, dass eine große Mehrheit der Wähler Parteien aus der breiten politischen Mitte wählt. Dies sollte der nächste Regierungsbildner, wer auch immer das sein mag, demütig berücksichtigen. Die Botschaft lautet schließlich, dass eine große Mehrheit weder einen scharfen Linksruck mit Milliardärssteuer und 'alles für alle' will, aber auch keinesfalls eine von den SD dominierte Regierung, die ihre ganze Energie darauf verwendet, Menschen mit ausländischem Hintergrund auszuweisen und ihnen das Leben schwer zu machen.“

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La Stampa (IT)

Mit Sozial-Themen gepunktet

Letztendlich war es eine Entscheidung für das schwedische Modell, urteilt La Stampa:

„Ein Modell, das auf einem starken Sozialstaat, einem gut funktionierenden öffentlichen Schulwesen, einer zugänglichen Gesundheitsversorgung und einem öffentlichen Netz der sozialen Absicherung basiert, das nach wie vor eine der Säulen der nationalen Identität darstellt. Nach einem Wahlkampf, der unter dem Zeichen von Kriminalität, Einwanderung und Sicherheit begann und dann mit den Themen des Sozialstaats endete, scheint sich an den Wahlurnen eine Mehrheit herauskristallisiert zu haben, die zur Mitte-links-Koalition von Magdalena Andersson zurückkehrt und die nationalistische Rechte von [dem Schwedendemokraten-Vorsitzenden] Jimmie Åkesson schwächt.“

Monica Perosino
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