Freitag, 26. Juni 2026

euro|topics: Hitze in Europa: Hat die Politik versagt?

 

Mehrere Länder Europas erleben in dieser Woche die heißesten Juni-Tage seit Jahrzehnten, teilweise auch seit Beginn der Aufzeichnungen. In vielen Regionen gilt die höchste Hitze-Warnstufe. Der Chef des Weltklimarats IPCC, Jim Skea, erklärte: "Wir werden zwangsläufig mehr von dem erleben, was wir in den vergangenen Tagen gesehen haben." Die Presse sucht nach Verantwortlichen und Auswegen.

L'Humanité (FR)

Auflehnen gegen Tatenlosigkeit

Wo bleibt der Protest angesichts der Klima-Ungerechtigkeit, wundert sich L'Humanité:

„Die Regierung weiß, dass ihre Untätigkeit zu noch mehr Dramen und Toten führen wird. Ihre Entscheidung ist verbrecherisch - genauso wie die Wahrung der wirtschaftlichen Interessen einer Minderheit auf Kosten der planetaren Grenzen und der Mehrheit der Menschheit. ... Jetzt, wo das Land erstickt, scheint jeder die himmelschreiende Dummheit der Klimawandelleugner zu erkennen. Doch wo bleibt die Empörung? Es besteht die große Gefahr, dass das Thema nach dem Sommer von den Obsessionen der vom [rechtsnationalen Medienmogul] Bolloré beherrschten Medien verdrängt wird. Gerade in einer Zeit, in der die Linke verhöhnt und als zu schwach beurteilt wird, sind die antikapitalistischen Kräfte die Einzigen, die diesen existenziellen Kampf führen können.“

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L'Obs (FR)

Klimaschutzverweigerung ist kriminell

Die Kandidaten der französischen Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 dürfen den Klimaschutz nicht außen vor lassen, mahnt L'Obs:

„Ihn zu bekämpfen und sich gleichzeitig an ihn anzupassen, erfordert schwierige Entscheidungen, Veränderungen unseres Lebensstils und eine gerechte Verteilung der Anstrengungen. Doch wegsehen ist keine Option mehr. Aufgeben auch nicht. ... Daran müssen wir uns im kommenden Jahr erinnern, gerade auch dann, wenn das Wetter angenehmer erscheint. Und all diejenigen Kandidaten der Präsidentschaftswahl 2027, die auf Fatalismus setzen oder sich weigern, den Klimaschutz zu einem Kernpunkt ihrer Programme zu machen, werden als das enttarnt werden, was sie sind: kriminelle Komplizen einer offensichtlichen Niederlage.“

Grégoire Leménager
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Corriere della Sera (IT)

Debatten stoppen die Gesetze der Physik nicht

Wir erleben die neue Normalität, beschreibt der Evolutionsbiologe Telmo Pievani in Corriere della Sera:

„Eine drückende und anhaltende Hitzewelle erschwert unser Leben. ... Der Dürre und der Hitze stehen heftige Gewitter und verheerende Hagelschauer gegenüber. … Müssen wir all dies als einen überraschenden Notfall betrachten, als eine unvermeidbare Katastrophe, als ein außergewöhnliches Ereignis? ... Leider nein. Was gerade geschieht, ist die neue Normalität, mit der wir in den kommenden Jahrzehnten zu jeder Jahreszeit leben müssen. ... Wir befinden uns inmitten eines großen Wandels, zu dem wir beigetragen haben und der nun eine ganz eigene Dynamik entwickelt hat, die wir nicht aufhalten können. Die Gesetze der Physik lassen sich von unseren Diskussionen nicht beeindrucken.“

Telmo Pievani
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Iltalehti (FI)

Anpassung an noch heißere Sommer nötig

In Zukunft muss stärker auf die Auswirkungen des Klimawandels reagiert werden, fordert Iltalehti:

„In der europäischen Klimapolitik lag der Schwerpunkt bisher weitgehend auf der Reduzierung von Emissionen. Die Anpassung an das bereits veränderte Klima ist dabei möglicherweise etwas zu kurz gekommen. Dies wird nun zügig nachgeholt: So schreibt beispielsweise das im vergangenen Jahr in Finnland in Kraft getretene Baugesetz vor, dass beim Bauen auf geringe CO2-Emissionen geachtet werden muss, aber auch die sommerliche Wärmebelastung und das Hochwasserrisiko berücksichtigt werden müssen. … Große Infrastrukturinvestitionen werden oft auf einen Zeitraum von Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten angelegt. Neue Bahnstrecken, Kraftwerke und Stadtviertel werden ein noch heißeres Europa erleben. Von den Entscheidungsträgern wird Weitsicht gefordert.“

Joonas Lehtonen
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De Volkskrant (NL)

Klimaanlagen sind nicht die Lösung

Volkskrant-Kolumnist Jarl van der Ploeg warnt davor, Klimaanlagen als einziges Mittel gegen Hitzestress zu sehen:

„Lasst uns bitte nicht so tun, als böten diese Dinger einen Ausweg aus der systemischen Krise, für die diese Hitze ein Symptom ist. Es gibt nämlich genügend andere Lösungen. ... Pflanzt zum Beispiel doppelt so viele Bäume, baut zusätzliche Trinkbrunnen, weist jeden mit einem zugepflasterten Garten umgehend aus dem Land, gebt außerdem jedem Bildredakteur, der zu Nachrichtenartikeln über die extreme Hitze noch fröhliche Badefotos stellt, ordentlich einen auf den Deckel und wählt niemals, aber auch wirklich niemals, Klimaleugner.“

Jarl van der Ploeg
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Mittwoch, 24. Juni 2026

euro|topics: Ukrainekrieg: Europa als Vermittler?

 

Ukraine-Krieg: Sollte jetzt Europa vermitteln?

Seit Februar 2022 führt Russland einen umfassenden Angriffskrieg gegen die gesamte Ukraine und bislang haben verschiedene Verhandlungsbemühungen kein Ende der Kämpfe gebracht. Die Ukraine greift verstärkt Ziele in Russland an und die russische Wirtschaft zeigt offenbar zunehmend Anzeichen von Schwäche. Kommentatoren fragen sich, ob jetzt der geeignete Zeitpunkt dafür sein könnte, dass Europa die Initiative für Verhandlungen ergreift.

De Morgen (BE)

EU darf Chance nicht verpassen

De Morgen sieht nutzbare Zeichen der Schwäche in Moskau:

„Die Atmosphäre der Desillusionierung und Hoffnungslosigkeit in Russland, die immer mehr Experten beschreiben, erinnert ein wenig an die Gerontokratie in den 70er und 80er Jahren am Ende des Kommunismus. ... Wenn dem so ist, darf die Europäische Union die Gelegenheit nicht verpassen. Sie muss ihren Platz am Verhandlungstisch bei Friedensgesprächen über die Ukraine einfordern. ... Wir müssen uns auch gründlich auf die Zeit nach Putin vorbereiten und sollten daher am besten schon jetzt herausfinden, mit wem wir verhandeln müssen, sobald er auf dem Schrotthaufen der Kriegsgeschichte landet.“

Tine Peeters
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NRC (NL)

Moskau würde alle gegeneinander ausspielen

NRC-Kolumnistin Caroline De Gruyter meint, Europa sei zu gespalten und würde von Putin über den Tisch gezogen:

„Europa sollte nicht mit Putin verhandeln: weil es intern in so ziemlich allen Fragen gespalten ist. Ein einziger Gegenzug aus dem Kreml, und schon flattern die 27 Mitgliedstaaten wieder laut gackernd durch den Hühnerstall. Putin würde sie gnadenlos gegeneinander ausspielen. Der Ukraine nützt das nichts. ... Im Jahr 2027 finden in Spanien, Frankreich, Polen und Italien Wahlen statt. Das könnte die Karten in der europäischen Politik erneut neu mischen. Ein weiterer Grund, warum Europa kein guter Verhandlungspartner sein kann und sich nicht zu sehr aufspielen sollte.“

Caroline de Gruyter
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Polityka (PL)

Deutschland könnte einknicken

Am Ende könnte der Mut fehlen, Russland wirklich unter Druck zu setzen, schreibt Polityka:

„Die russische Wirtschaft steuert tatsächlich auf einen Zusammenbruch zu. ... Wenn Europa Geduld bewahrt, könnte die Wirtschaftskrise die harte Haltung des Kreml-Regimes aufweichen und seine Bereitschaft zu Zugeständnissen völlig verändern. Doch dieses Szenario muss nicht zwangsläufig eintreten. Der Kreml könnte dem Westen – zum Beispiel den für wirtschaftliche Argumente empfänglichen Deutschen – mit dem Schreckensszenario einer wirtschaftlichen Implosion Russlands drohen. Dabei würde man argumentieren, dass eine Krise in Russland auch für Europa ein Risiko darstelle. Und am Ende wird die Lösung suggeriert: Man müsse sich nur gegenüber Russland öffnen.“

Agnieszka Bryc
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Corriere della Sera (IT)

Putin glaubt weiter an den Sieg

Corriere della Sera hält Verhandlungen für sinnlos:

„Wer auf die abschreckende Wirkung ukrainischer Drohnen und geringere Forderungen Putins hofft, wird enttäuscht werden. Der russische Präsident ist überzeugt, er könne vor Ort das erreichen, was Donald Trump ihm in Anchorage versprochen hat, ohne vorher Kyjiws Meinung zur Abtretung des noch in ihrer Hand befindlichen Teils der Region einzuholen. Das machte er gestern deutlich, indem er bekräftigte, eine politisch-diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts wäre zwar wünschenswert, doch der Westen, allen voran Europa, verhindere dies und wolle Russland eine strategische Niederlage beibringen.“

Marco Imarisio
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Echo (RU)

Russische Opposition mit einbeziehen

Der russische Unternehmer Michail Chodorkowski wünscht sich in einem von Echo übernommenen Telegram-Post, dass Europa die russische Opposition im Exil bei ihrem Vorgehen einbindet:

„Das Putin-Regime stellt nicht nur für die Ukraine und nicht nur für die russischen Bürger eine Bedrohung dar. Es ist eine Bedrohung für das gesamte europäische Sicherheitssystem. Deshalb sind diejenigen, die für ein demokratisches, friedliches und rechtsstaatliches Russland kämpfen, natürliche Verbündete Europas. Genau aus diesem Grund brauchen wir keinen einmaligen Kontakt, sondern einen dauerhaften Mechanismus der Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament: einen regelmäßigen Dialog, gemeinsame Arbeit an konkreten Lösungen und politische Abstimmung in den Fragen, in denen unsere Interessen übereinstimmen.“

Mikhail Khodorkovsky
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