Samstag, 17. Oktober 2026

eurotopics: Frankreich: Protestwelle flaut nicht ab

 

In Frankreich haben erneut Schüler protestiert. Am Dienstag demonstrierten landesweit nach Behördenangaben 160.000 Menschen, die Organisatoren sprechen von 480.000. Auch zahlreiche Hochschulen waren blockiert. Für Samstag sind weitere Proteste geplant, an denen sich auch Studierende und Gewerkschaften beteiligen wollen. Die europäische Presse diskutiert die Gründe für die Wut und erklärt, warum sie sich auf andere Bevölkerungsgruppen ausweitet.

Le Quotidien (LU)

Ein nobler Kampf

Die Jugend will die Zukunft mitbestimmen, betont Le Quotidien:

„Die Welt hat sich verändert und der Wettbewerb hat sich seit Ende der 2000er-Jahre weiter verschärft. Alles hat sich verschlimmert. Und wir sprechen hier nur vom Studium. Nicht einmal von der Arbeitswelt, die in einigen Branchen zu einem Dschungel geworden ist, in dem jeder Angestellte nur ein Element ist, das maximal ausgenutzt wird, bevor man es wegwirft, da es weniger wettbewerbsstark ist als eine Künstliche Intelligenz. Die jungen Franzosen sagen daher Stopp und ihre belgischen Kameraden sind ihnen in den vergangenen Wochen auf die Straßen gefolgt. Sie wollen angemessen arbeiten und nicht spüren, wie Ketten sich um sie verengen und sie hin in eine Zukunft ziehen, die sie nicht gewählt haben. Es ist ein nobler Kampf, doch sein Ausgang ist ungewiss.“

Laurent Duraisin
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Eesti Rahvusringhääling (ERR Online) (EE)

Medienbild zu einseitig

Erasmus-Studentin Calypso Baroin erklärt die Schülerproteste aus ihrer Sicht auf ERR Online:

„Wenn ich die Medienberichterstattung verfolge, sehe ich, dass sie sich vor allem auf Gewalt, Einwanderung und die entstandenen Schäden konzentriert. Ich möchte eine andere Perspektive teilen, da ich als junge französische Studentin selbst mit der Situation in Berührung gekommen bin, die zu den Unruhen geführt hat. Ich erwarte nicht, dass estnische Journalisten alle Forderungen der Demonstranten unterstützen oder die Gewalt bzw. die verursachten Schäden ignorieren. Es gälte aber, die eigentlichen Ursachen der Unruhen und die von den jungen Menschen vorgebrachten Forderungen zu verstehen, bei Bedarf die unverhältnismäßige Reaktion der Polizei und der Behörden anzuerkennen und sich nicht nur auf die Bilder zu konzentrieren, die Aufmerksamkeit erregt haben.“

Calypso Baroin
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L'Humanité (FR)

Schlaglicht auf verdrängte Probleme

Der Protest bringt die Vernachlässigten zusammen, würdigt L’Humanité:

„Angesichts der belastenden Berichte von verachteten Jugendlichen ohne Lehrer kann die Regierung nicht weiter mit ihrer gewohnten Gleichgültigkeit Sparargumente vorbringen. Sie ist verantwortlich für dieses Jahrzehnt der Zerstörung im öffentlichen Bildungssektor. Wir verdanken es dieser solidarischen und mutigen Jugend, dass sie dies greifbar und offensichtlich gemacht hat. Aber auch, dass sie die Aussicht auf eine Bündelung der Kämpfe mit den vielen anderen Verlierern des Macronismus wiederbelebt hat – Menschen, die unter den hohen Lebenshaltungskosten, Entbehrungen und der schleichenden Fremdenfeindlichkeit ersticken. Diese Dynamik kann alles ändern. Eine starke soziale Bewegung würde die Forderungen nach Gleichheit, Steuergerechtigkeit und Umweltschutz zurück ins Zentrum der Debatte rücken.“

Laurent Mouloud
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Süddeutsche Zeitung (DE)

Jetzt wehrt euch doch auch mal!

Die Süddeutsche Zeitung fragt sich, warum nicht auch in Deutschland demonstriert wird:

„Seit Jahren wird die miserable Situation an den Schulen beklagt – doch es tut sich zu wenig. Überall fehlen Lehrkräfte, selbst die Bildungsministerkonferenz, die nicht im Verdacht steht, das Problem schönzurechnen, geht von 50.000 unbesetzten Stellen bis 2035 aus. Und schon heute reichen die Lehrer vielerorts nicht aus, um den Regelunterricht zu decken, von Inklusion oder Sprachförderung ganz zu schweigen. ... Manche Schulen sind so marode, dass ihre Fassade mit Netzen gesichert werden muss. ... [Man möchte] den Lehrern wie Schülern dieses Landes im Angesicht der Proteste in Frankreich zurufen: Jetzt wehrt euch doch auch mal. Selbstverständlich ohne Gewalt. Aber wehrt euch. Es ist Zeit.“

Sara Maria Behbehani
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euro|topics: Athen: US-Botschafterin Kimberly Guilfoyle geht


Die skandalumwitterte US-Botschafterin in Griechenland, Kimberly Guilfoyle, ist nach Aufforderung von Donald Trump von ihrem Posten zurückgetreten. In Europa hatten vor allem Berichte für Aufsehen gesorgt, wonach sie in Athen angedeutet hatte, Washington könne Regierungen in der Region stürzen, wenn sie sich weigerten, teures US-Flüssiggas zu kaufen. Kurz darauf war in Rumänien die Regierung von Premier Ilie Bolojan auseinandergebrochen.

Spotmedia (RO)

Nicht an Trumps Regeln gehalten

Über die Entlassung der US-Botschafterin schreibt die Journalistin Irina Olteanu auf Spotmedia:

„Kimberly Guilfoyle hat die Spielregeln nicht verstanden. Das Einzige, was sie hätte machen müssen, wäre gewesen, sich einfach aus Schwierigkeiten herauszuhalten. Doch das war wohl zu schwierig für sie. Nun aber hat sie es selbst erfahren müssen. Wenn man mit dieser Präsidentschaft Geld verdienen will, muss man bestimmte Regeln beachten: Man darf nicht zu auffällig sein, den Chef nicht lächerlich machen. Wenn möglich, sich nicht erwischen lassen. Und vor allem: Keine Frau sein, deren beste Jahre hinter ihr liegen.“

Irina Olteanu
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TVXS (GR)

Eine Verbündete der lokalen Oligarchie

In Griechenland hatte Guilfoyle viel Spielraum, betont das Webportal TVXS:

„Die scheidende US-Botschafterin hat viel mit der Mitsotakis-Regierung gemeinsam: Geld, Gier, die Neigung zu Vetternwirtschaft und Arroganz. Es sind diese Schwächen, die zu ihrem Sturz geführt haben. ... Kimberly Guilfoyle kam, um Geld zu verdienen, und hatte damit zunächst Erfolg. Sie knüpfte Verbindungen zur lokalen Oligarchie, flog mit ihren Privatflugzeugen herum und stieg in das lukrative Erdgasgeschäft ein, wie eine Großaktionärin. ... Die einheimischen Korrupten verstanden die Botschaft: Die Botschafterin wollte Geschäfte machen, hatte Trump hinter sich und scherte sich keinen Deut um diplomatische Formalitäten.“

Stelios Kouloglou
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Athen: US-Botschafterin Kimberly Guilfoyle geht