Mittwoch, 11. Februar 2026

euro|topics: Ukraine: Musk sperrt Starlink für russische Angreifer



Das Satelliten-Internet von Starlink funktioniert in der Ukraine seit einigen Tagen nur noch mit offiziell autorisierten Geräten. In der Praxis führt das dazu, dass die russischen Angreifer auf ukrainischem Gebiet keinen Zugang zu dieser von Elon Musks Unternehmen SpaceX angebotenen Technologie mehr haben. Europas Presse beginnt damit, Ursachen und Folgen auszuloten.

Neatkarīgā (LV)

Auf Funkgeräte und Feldtelefone angewiesen

Neatkarīgā schaut auf die Auswirkungen an der Front:

„Indem der umstrittene Musk die Kreml-Truppen auf dem Schlachtfeld blind und taub machte, stoppte er zumindest vorübergehend die Angriffe der Invasoren. Nun müssen Putins Kampfeinheiten wieder auf altbewährte Weise kommunizieren und sich mit dem Rauschen der 'guten alten' Armeefunkgeräte oder sowjetischer Feldtelefone begnügen. ... Feldtelefone haben jedoch einen großen Nachteil: Auf dem Schlachtfeld muss ein Kabel verlegt werden und der russische militärisch-industrielle Komplex stellt so ein exotisches Produkt gar nicht mehr her. ... Starlink wurde von den meisten russischen und ukrainischen Armee-Einheiten insbesondere an der Front eingesetzt. ... Aktuell sind 70 Prozent der Kampfdrohnen und Angriffseinheiten an der Front, Panzer, Artillerie und vieles mehr blockiert.“

Artūrs Krasts
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Gazeta Wyborcza (PL)

Korruption und Inkompetenz kommen ans Licht

Die neue Situation an der Front bleibt in der russischen Gesellschaft nicht unbemerkt, betont Gazeta Wyborcza:

„Jetzt, da sich herausgestellt hat, dass Musks Gunst trügerisch ist, müssen die Russen auf primitivere und unzuverlässigere Kanäle zurückgreifen. ... Musk tolerierte die Nutzung von Starlink durch die Russen und half ihnen damit sehr. Doch offenbar haben Angriffe auf Züge und Busse sowie zivile Opfer in Häusern, die durch von seinem Netzwerk gesteuerte Drohnen zerstört wurden, ihn dazu veranlasst, seine Haltung zu ändern. ... Viele prominente russische Blogger weisen darauf hin, dass es Korruption und Inkompetenz waren, die dazu geführt haben, dass Russland heute kein eigenes Pendant zu Starlink hat.“

Wacław Radziwinowicz
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Dserkalo Tyschnja (UA)

Es gab Gründe für Moskaus Fehlentscheidung

Warum Moskau so lange auf Elon Musk vertraute, erklärt Dserkalo Tyschnja:

„Es scheint, dass die Nutzung des amerikanischen Starlink-Netzwerks durch Russlands Streitkräfte von Anfang an eine fragwürdige und kurzsichtige Entscheidung war, da diese Satelliten-Kommunikationstechnologie einem Nato-Land gehört. Doch wir sollten uns an den Kontext erinnern: Elon Musk, der Putin lobt und erklärt, die Übergabe der Krim an Russland wäre notwendig, um einen Atomkrieg zu vermeiden, sowie seine ständige Kritik an der Ukraine, die sich insbesondere im Sommer und Herbst 2024 verschärft hatte. Hatten die Russen also Gründe, Musk als 'ihren Elefanten' zu betrachten? Eindeutig ja.“

Witalij Kononutschenko
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Die Zeit (DE)

Wieder einmal viel zu spät

Ein richtiger Schritt, aber nicht ohne bitteren Beigeschmack, kommentiert Die Zeit:

„Hätte SpaceX dies früher getan oder hätten europäische Regierungen der Ukraine geholfen, das Unternehmen unter Druck zu setzen, hätten vielleicht einige ukrainische Niederlagen auf dem Schlachtfeld verhindert und Menschenleben gerettet werden können. Eine befriedigende Erklärung, warum Russland erst am Ende des vierten Kriegsjahres den Zugang zu einer solch wichtigen westlichen Technik verliert, gibt es nicht. Stattdessen ist diese Geschichte ein weiteres Beispiel dafür, wie richtige Entscheidungen zugunsten der Ukraine erst viel zu spät getroffen werden.“

Maxim Kireev
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Samstag, 7. Februar 2026

Beruf und Menschenrechte

 Wie wir nicht überflüssig werden titelt die ZEIT am 5.2.26.

Einem Beamten in Pension stellt sich die Frage nicht existenziell, Berufsanfänger in Zeiten zunehmender Arbeitslosigkeit aber sehr wohl.

Dabei fehlen Menschen anstelle von Computern in großer Zahl. Automatisierte Supermarktkassen werden gemieden. Nicht, weil man dem Geschäft die Arbeit nicht abnehmen will - das sind wir inzwischen gewohnt - sondern, weil man in sehr vielen Fällen an der Arbeit scheitert. Wo ist der Code? Wie kann ich der Maschine ermöglichen, ihn lesen zu können? Zu oft hat man erlebt, das KassiererInnen die Fragen in wenigen Sekunden oder gar Sekundenbruchteilen lösen.

Und rechtfertigt die Tatsache, dass man die Arbeit, die man bewältigen soll, nicht bewältigen kann, die Behauptung, man sei "überflüssig"?

Diese Aussage widerspricht dem Kantschen Menschenrechtsgrundsatz,  dass Menschen nie als Mittel verstanden werden dürfen.

Vorläufig lasse ich die Frage so stehen und schicke ein Link zu einem Artikel, wo berichtet wird, wie Ausländer von gut bezahlten Vermittlern angelockt werden, um dann in Deutschland angekommen besser erpressbar zu sein: Schweinejob.

"Nach Schätzungen der Weltbank wurden 2006 etwa 200 Mrd. US-Dollar auf formellen und informellen Wegen in Entwicklungsländer transferiert.[17] Zuzüglich der nicht registrierten Transfers würde sich das Doppelte ergeben.[18] Damit ist das Volumen wesentlich größer als die offizielle Entwicklungshilfe und nimmt in den Heimatländern meist die zweite Stelle nach Direktinvestitionen ein.[19]"(Wikipedia)

Für die Länder, aus denen die Arbeitskräfte nach Europa kommen, sind diese Menschen also 

wichtig. Sind sie überflüssig? Sollten sie remigriert werden?

Fragen ... "Und ein Narr wartet auf Antwort." (Heine)

Oder ist im Grunde gar nichts verändert und unser Problem ist hauptsächlich der 

Fachkräftemangel?

Wen Unternehmen jetzt suchen (ZEIT 5.2.2026)


euro|topics: Was enthüllen die neuen Epstein-Files?

 

Die Veröffentlichung weiterer Akten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein werfen immer neue Fragen auf. In den mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten, tausenden Videos und weit mehr als 100.000 Fotos, die das US-Justizministerium kürzlich veröffentlichte, tauchen zahlreiche weitere prominente Namen auf. Inwiefern diese mit Epstein in Verbindung standen und welche Folgen dies nach sich zieht, versuchen Kommentatoren einzuordnen.

Le Temps (CH)

Institutionen am Abgrund

Die Epstein-Files markieren einen weiteren Tiefpunkt des Vertrauens in die US-Regierung, urteilt der USA-Korrespondent Boris Busslinger in Le Temps:

„Die veröffentlichten Dokumente sind unvollständig, die Namen und Fotos unbekannter Jugendlicher wurden leichtfertig weltweit verbreitet, während der Präsident sorgfältig geschützt wurde. ... Die Enttäuschung ist groß, aber war bei einer Regierung, deren Justizministerium offenbar vor allem dazu da ist, politische Ziele umzusetzen, vorhersehbar. ... Die Vorstellung, dass in einer Angelegenheit, in der der Name des 'Commander in Chief' mehrere tausend Mal auftaucht, echte Transparenz hergestellt werden könnte, war nur eine Illusion. Die Verwicklung Bill Clintons vollendet die enorme Desillusionierung gegenüber den herrschenden Eliten in einem Land, dessen Institutionen mehr denn je am Abgrund zu stehen scheinen.“

Boris Busslinger
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TVXS (GR)

Wo die Unabhängigkeit der Justiz endet

Vor dem Gesetz sind manche gleicher als andere, bemerkt das Webportal TVXS:

„Der stellvertretende Justizminister erklärt fast erleichtert, dass 'wahrscheinlich niemand sonst strafrechtlich verfolgt werden wird'. ... So als sei es selbstverständlich, dass einer der größten Skandale sexueller Ausbeutung von Minderjährigen mit internationalen Verbindungen ohne politische und strafrechtliche Konsequenzen für die Mächtigen endet. Der Fall zeigt die Grenzen der Unabhängigkeit der Justiz – und die Grenzen werden von der Elite gezogen. Wenn die Täter Anzüge tragen, wenn sie Zugang zu Präsidentenpalästen und privaten Inseln haben, dann verbeugt sich das System vor ihnen. Es bittet die Opfer geduldig zu bleiben und zu schweigen. Und es gibt der Bourgeoisie grünes Licht, dasselbe erneut ungestraft zu tun.“

Stelios Kouloglou
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Jutarnji list (HR)

EU-Politiker gründlich unter die Lupe nehmen

Brüssel-Korrespondent Augustin Palokaj kritisiert in Jutarnji list das Schulterzucken der EU angesichts der Enthüllungen:

„Sollte wirklich stimmen, was EU-Institutionen offiziell zu ihren Erkenntnissen über die Epstein-Akten sagen, ist dies schockierend. Auf Journalistenfragen antworten sie meist mit 'darüber wissen wir so viel wie Sie' oder 'wir wissen nur, was in den Medien veröffentlicht wird'. Ich hoffe, sie sagen nicht die Wahrheit und analysieren die Dokumente ernsthaft innerhalb der EU-Institutionen, denn es besteht die potenzielle Gefahr, dass strategische und Sicherheitsinteressen der gesamten EU kompromittiert sind. ... Europa, vor allem die EU, muss sich ernsthafter mit möglichen Folgen auseinandersetzen wegen der Politiker [in den Epstein-Akten], denen von Mitgliedsstaaten wichtige Posten anvertraut wurden.“

Augustin Palokaj
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Ewropeiska Prawda (UA)

Die norwegische Illusion zerbricht

Unter den europäischen Ländern traf die neue Welle von Enthüllungen ein Land besonders hart, stellt Ewropeiska Prawda fest:

„Der Fall Norwegens in den Epstein-Akten wurde zu einer kalten Dusche für jene, die die skandinavischen Demokratien für ein Vorbild an Transparenz und Immunität gegen Korruption hielten. Die Dokumente legen eine tiefe Infiltration des Epstein-Netzwerks in die höchsten Machtkreise Oslos offen, deren zentrale Figur die Kronprinzessin Mette-Marit war. Ihr enger Briefwechsel und ihre Treffen (möglicherweise sogar eine Affäre) mit dem berüchtigten 'Investmentbanker' dauerten selbst nach seiner ersten Haftstrafe an – ein Hinweis auf eine erstaunliche institutionelle Blindheit des königlichen Sicherheitsdienstes und die Missachtung von Reputationsrisiken.“

Olexander Krajew
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Karar (TR)

Demokratiefeinde freuen sich

Demokratie- und Rechtsstaatsgegner fühlen sich durch den Skandal in ihrem Weltbild bestätigt, beobachtet Karar:

„Fragt man sie, dann habe der Epstein-Skandal nicht nur eine Handvoll perverser Eliten entlarvt, sondern vor allem die westliche Demokratie selbst demaskiert. Die Verteidigung der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit diene angeblich dazu, die Perversionen dieser Ultrareichen zu legitimieren. Jetzt sei also alles klar geworden. Als ob westliche Demokratie, Menschenrechtsdiskurs und Rechtsstaatlichkeit für Epsteins perverses Netzwerk verantwortlich seien. Als wären es nicht gerade die westlichen Institutionen – mit ihrer Demokratie, ihrer Freiheit und ihrem Rechtssystem –, die diesen perversen Eliten erst das Handwerk gelegt und sie entlarvt haben.“

Akif Beki
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