Montag, 4. Mai 2026

Merz zum Verhältnis Deutschland - USA

 "[...] Miosga hakt ein: "Trump hätte gerne jetzt schon Ihre Hilfe." Merz erzählt daraufhin von einer direkten Kritik, die er Trump am Telefon mitgeteilt habe. "Wenn du willst, dass wir dir bei einem solchen Konflikt helfen, dann ruf uns vorher an und frag uns." Dann hätte man eine Form der Hilfe "im Detail" besprechen können. Der Kanzler möchte nicht übergangen werden, es geht ihm um gemeinsame Absprachen, wie etwa nach dem 11. September 2001, als man in gemeinsamer Absprache "mit Amerika in den Krieg gezogen" sei, gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida in Afghanistan. Auch wenn Deutschland diesmal keinen Krieg führen und keine Soldaten entsenden will.

Merz spricht von einer "schwierigen Lage", aus der er hofft "herauszukommen". Immer wieder erwähnt er, wie viel ihm das transatlantische Verhältnis wert ist. Ein wenig Appeasement-Politik. "Ich muss akzeptieren, dass der amerikanische Präsident zu diesen Themen eine andere Meinung hat. Aber das ändert nichts daran, dass meine Überzeugung bleibt: Die Amerikaner sind für uns die wichtigsten Partner im Nordatlantischen Bündnis." Außerdem gebe es in Washington auch Gesprächspartner, die die Sorgen der Europäer verstehen und die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges erkennen.

Als Talkmasterin Miosga wissen möchte, ob Merz die Iran-Sätze aus dem Sauerland trotz des daraus folgenden diplomatischen Störfeuers noch einmal sagen würde, trinkt der Kanzler erst einmal einen großen Schluck Wasser. Zeit gewinnen. Dann holt er tief Luft. Er stottert leicht, was selten bei ihm der Fall ist.

"Wir haben eine unterschiedliche Betrachtung dieses Krieges", sagt Merz. "Das ist auch kein Geheimnis. Wir haben ein gemeinsames Ziel und das lautet: Der Iran darf nicht in den Besitz der Atombombe kommen." [...]" (ntv 3.5.26)

Sonntag, 3. Mai 2026

euro|topics: Opec-Austritt der Emirate

 

Opec-Austritt der Emirate: Wer gewinnt, wer verliert?

Die Vereinigten Arabischen Emirate treten zum 1. Mai 2026 aus der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) aus. Die Opec verliert damit den weltweit drittgrößten Ölproduzenten. Da die Emirate künftig nicht mehr an die Vereinbarungen des Kartells gebunden sind, können sie ihre Förderung massiv steigern. Kommentatoren erläutern die möglichen Auswirkungen auf den Ölpreis und das Machtgefüge innerhalb der großen Förderländer.

El Mundo (ES)

Exzellente Nachricht für die USA

Die Opec verliert an Einfluss, konstatiert El Mundo:

„Vier von zehn Barrel Öl, die weltweit verbraucht werden, stammen aus der Opec. Der jüngste Anstieg der US-Exporte hat jedoch ihre Vormachtstellung bedroht und bestehende Spannungen verschärft. Nach dem Austritt dreier kleinerer Länder – Katar 2019, Ecuador 2020 und Angola 2024 – schwächt der Weggang eines Mitglieds mit einer Fördermenge von 4,8 Millionen Barrel pro Tag die Zukunft der Opec weiter. Die Schwächung der Gruppe kommt Donald Trumps Ziel, die USA als weltweit führenden Rohölexporteur zu festigen, sehr gelegen. Gleichzeitig führt sie zu einem Strukturwandel auf dem Markt, dessen Folgen noch unklar sind.“

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Trends-Tendances (BE)

Bald Preiskrieg zwischen neuen Allianzen

Nun beginnt eine Ära des Ölpreis-Dumpings, erklärt Trends-Tendances:

„Weitere Länder könnten folgen. ... Die Opec droht zu einem kleinen, stark von Saudi-Arabien dominierten Club zu werden. Zudem ist ein Preiskrieg vorprogrammiert. Wenn die Straße von Hormus wieder geöffnet wird – und das wird passieren –, werden die Emirate ihre Förderkapazitäten voll ausschöpfen. Saudi-Arabien wird dies erwidern. Ist zu viel Erdöl auf dem Markt, brechen die Preise ein. Letztes Mal, 2020, sank der Barrel-Preis auf unter 20 US-Dollar. … Fazit? Der Mittlere Osten wird nie mehr so sein wie zuvor. Jeder sortiert seine Partner: wer mich schützt, wer bei mir einkauft, wer mich im Stich lässt. Die Opec könnte 66 Jahre nach ihrer Gründung gerade ihr eigenes Todesurteil unterschrieben haben.“

Amid Faljaoui
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Financial Times (GB)

Das Kartell nicht abschreiben

Die Opec befindet sich weiter in einer Position der Stärke, erklärt hingegen Financial Times:

„Der Einfluss der Opec schwindet seit Langem, weil der Ölanteil am globalen Energiemix sinkt und der Opec-Anteil an der Weltproduktion rückläufig ist. Letzteres ist bedingt durch die US-Schieferölrevolution und die steigende Produktion in Ländern wie Kanada, Brasilien und Guyana. … Die Opec darf natürlich nicht abgeschrieben werden. ... Ihre verbleibenden Mitglieder verfügen weiterhin über fast 75 Prozent der weltweit nachgewiesenen Rohölreserven – mit Förderkosten, die die meisten Nicht-Opec-Länder nicht erreichen können. Das ist eine gute Ausgangsposition für eine Welt mit sinkender Nachfrage.“

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Sabah (TR)

Abu Dhabi richtet sich neu aus

Dieser Schritt ist keine Energiefrage, sondern eine Unabhängigkeitserklärung, schreibt Sabah:

„Die Vereinigten Arabischen Emirate sehen sich nicht mehr nur als Golfstaat, sondern als globales Logistik- und Finanzzentrum im Mittelpunkt neuer Handelsrouten von Indien bis Europa. Deshalb wollen die Emirate ihre Produktionskapazität nach eigenen nationalen Interessen steuern, statt an die Opec-Quotendisziplin gebunden zu bleiben. Schon lange prallten Saudi-Arabiens Ansatz einer Preiskontrolle und das Verständnis der Emirate von Marktanteilen und Investitionsfreiheit aufeinander. Der Opec-Austritt ist für die Emirate eine strategische Unabhängigkeitserklärung.“

Kerem Alkin
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Der Standard (AT)

Fragiles Gebilde droht zu implodieren

Der Standard sieht in dem Austritt

„ein Misstrauensvotum gegen ein System, das jahrzehntelang davon gelebt hat, interne Rivalitäten hinter verschlossenen Türen zu kaschieren. ... Für die Opec heißt das vor allem: weniger Macht, weniger Disziplin, weniger Glaubwürdigkeit. Kartelle funktionieren nur, wenn Mitglieder gemeinsame Interessen höher gewichten als nationale Vorteile. Das hat lange Zeit für Stabilität auf den Weltmärkten gesorgt. Genau daran mangelt es zunehmend. ... Hinzu kommt der geopolitische Sprengstoff. Die Opec war nie nur eine Wirtschaftsorganisation, sondern immer auch ein politischer Balanceakt zwischen Saudi-Arabien, Iran, Irak und kleineren Golfstaaten. Dieses fragile Gebilde scheint nun endgültig zu implodieren.“

Günther Strobl
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Opec-Austritt der Emirate: Wer gewinnt, wer verliert?