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Freitag, 18. August 2023

euro|topics: Spanien: Rechtsruck abgewendet?

 

Francina Armengol von der sozialistischen PSOE ist mit absoluter Mehrheit zur neuen Parlamentspräsidentin in Spanien gewählt worden - dank der sieben Stimmen der Separatistenpartei Junts per Catalunya von Carles Puigdemont. Kann Sánchez' PSOE nun also auf die Separatisten zählen? Und was bedeutet das für die anstehende Regierungsbildung und die Zukunft von PP und Vox? Rege Diskussion in den Kommentarspalten.

ELDIARIO.ES (ES)

Anfang einer vielversprechenden Legislaturperiode

Eldiario.es ist begeistert von so viel politischem Geschick:

„Unglaublich gut: In einem einzigen Spielzug gewinnt die progressive Mehrheit die Kontrolle über den Vorsitz, spaltet die Rechte, lässt Vox leer ausgehen und PP-Chef Feijóo verliert jegliche Unterstützung dafür, den König [um den Auftrag zur Regierungsbildung] zu bitten. Mehr noch: Mit der Abstimmung wird Carles Puigdemont politisch rehabilitiert und es wird eine jahrelange Verzögerung bei der Normalisierung der Amtssprachen im Parlament beseitigt. Sie könnte der Anfang einer Legislaturperiode sein, in der die Folgen der [katalanischen] Unabhängigkeitsbestrebungen endlich politisch gelöst werden.“

Isaac Rosa
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EL MUNDO (ES)

Ein Land lernt, seine Grenzen auszuloten

Sánchez zeigt mal wieder seine Skrupellosigkeit, meint El Mundo:

„Jetzt bleibt nur noch die Frage der Regierung - und ob und wie Pedro Sánchez sie bildet. ... Wie viele Hindernisse wird der Mann, der den spanischen Rekord darin hält, auf Minen zu treten, ohne die Füße zu verlieren, überwinden können? ... Puigdemont weiß um seinen letzten Trumpf und ist bereit, die Demokratie mit Erpressung und Frechheit weiter zu beschmutzen. ... Der Moment ist faszinierend: Ein Land lernt, seine Grenzen auszuloten. ... Die Jahre der Abenteuer haben Pedro Sánchez zu einem Politiker gemacht, der fast jeden in die Enge getrieben hat. In einer einzigen Runde hat er den Messias Feijóo isoliert und ihm die Leiche von Vox an den Gürtel gehängt.“

Antonio Lucas
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FRANKFURTER RUNDSCHAU (DE)

Verhältnis zu Separatisten bleibt schwierig

Die Frankfurter Rundschau hält es nun für gut denkbar, dass die Parteikollegen von Puigdemont auch Sánchez zum Premier wählen:

„Aber zu welchem Preis? Das kann niemand sagen. Sánchez verspricht heute das eine, um morgen das andere zu tun. Das weiß auch Puigdemont. Aber Sánchez besitzt diese Meisterschaft der Ambivalenz. Sein jetziges Versprechen an die katalanischen Separatisten: Ihr 'politischer Konflikt' soll 'entrechtlicht' werden. Über Gesetze kann Sánchez sich nicht hinwegsetzen, er müsste sie ändern lassen – was Grenzen in der Verfassung hat. Schwer vorzustellen, dass Sánchez und Puigdemont miteinander glücklich werden.“

Martin Dahms
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MEDIAPART (FR)

Mehrheit kein Selbstläufer

Die Wiederwahl von Pedro Sánchez ist mit Armengols Sieg noch nicht gesichert, warnt Mediapart:

„Das Vertrauensvotum könnte Ende August oder Anfang September stattfinden. Der Ausgang wird ein weiteres Mal von der Haltung von Junts per Catalunya abhängen, sprich von Carles Puigdemont, der entscheiden wird, ob Pedro Sánchez weiterhin die Führung Spaniens übernimmt oder ob das Land in den kommenden Monaten Neuwahlen abhalten muss. Aber auch von [der separatistischen Esquerra Republicana de Catalunya] ERC. Beide katalanischen Formationen machten deutlich, dass ihr Abstimmungsverhalten am Donnerstag keine Rückschlüsse auf ihr künftiges Verhalten zulässt.“

François Bougon
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Mittwoch, 1. November 2017

Was will Puigdemont in Brüssel erreichen?

Was will Puigdemont in Brüssel erreichen?
Der abgesetzte und der Rebellion beschuldigte Ex-Regionalpräsident Kataloniens, Carles Puigdemont, hat am Dienstag in Brüssel erklärt, dass er nur nach Spanien zurückkehren werde, wenn ihm ein gerechtes Verfahren gewährt wird. Sollte er nicht am Donnerstag vor Gericht erscheinen, droht ihm ein Haftbefehl. Kommentatoren bewerten Puigdemonts Auftritt in Belgien.
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (CH)

Verlagerung des Konflikts an die Urne

Puigdemonts Flucht nach Brüssel, um von dort aus Wahlkampf zu machen, wertet die Neue Zürcher Zeitung als richtigen Schritt:
„Es sieht nun jedenfalls so aus, als ob die Separatisten sich auf die Neuwahl des Regionalparlaments konzentrieren wollten. Alles deutet darauf hin, dass der 21. Dezember zum nächsten grossen Kräftemessen werden wird. Die gegenwärtige Ruhe dürfte damit im Zusammenhang stehen. Die Separatisten haben bisher auf massiven zivilen Widerstand verzichtet. Dies hätte die Ausschaltung der Regionalregierung nur verzögert und wohl zu Gewalttätigkeiten und Unruhen geführt, welche die Teilnahme der Separatisten an den Wahlen gefährdet hätten. Wenn sich beide Seiten nun auf die Wahlen konzentrieren, ist dies insofern positiv, als dies bedeutet, dass der Konflikt damit nicht auf der Strasse ausgetragen wird, sondern an der Urne, wo er in einer Demokratie auch hingehört.“
Werner J. Marti
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HOSPODÁŘSKÉ NOVINY (CZ)

Ein Kapitän geht nicht als erster von Bord

Wenig Verständnis für Puigdemonts Reise nach Brüssel bringt Hospodářské noviny auf:
„Vom Schiff der katalanischen Unabhängigkeit flüchtet Kapitän Puigdemont ins Ausland. Er flüchtet nicht als letzter, wie es anständig wäre, sondern als erster. Damit erzeugt er den Eindruck, dass er als Führer der Nation feige ist. Er will erst zurück, wenn er von Spanien nicht näher spezifizierte 'Sicherheitsgarantien' bekommt. ... Spanien könnte schadenfroh sagen, wenn Puigdemont es ernst mit seinem Kurs meint, soll er zurückkehren und im Wahlkampf dafür kämpfen. Und sollte er lieber im Ausland zum Märtyrer werden wollen, könnte Madrid ihm zynisch raten, sich diese Aura idealerweise mit einem Aufenthalt in einem spanischen Gefängnis zu verdienen.“
Teodor Marjanovič
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ADEVÂRUL (RO)

Gefahr eines Präzedenzfalls

Belgien sollte Carles Puigdemont auf keinen Fall politisches Asyl gewähren, fordert der Journalist Cristian Unteanu in seinem Blog bei der Tageszeitung Adevărul:
„Sollte ein solcher Antrag positiv beschieden werden, würden automatisch extrem gefährliche Präzedenzfälle innerhalb der europäischen Rechtsprechung geschaffen. Denn damit würde die belgische Justiz einerseits ein Zeichen senden, dass die spanischen Rechtsinstanzen nicht funktionieren und womöglich nicht unparteiisch sind. Und andererseits könnte ab sofort ein europäischer Separatistenführer einen 'Rückzugsort' in einem anderen Land Europas finden, auch wenn die Justiz seines Landes einen europäischen Haftbefehl gegen ihn verhängt hat.“
Cristian Unteanu
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LE SOIR (BE)

Problematisch für Belgien

Die Flucht Puigdemonts hat innenpolitische Auswirkungen in Belgien, analysiert Béatrice Delvaux, Chefredakteurin von Le Soir:
„Im Grunde genommen bringt Carles Puigdemont alle in unserem Land in Verlegenheit: Zum einen die schizophrene Regierung, die sich - obwohl ihr nationalistische Minister angehören - mit dem Thema Unabhängigkeit befassen muss. … Aber auch - und zwar in gleichem Maße - die schizophrenen [flämischen] Nationalisten, die sich gegenüber den katalanischen Separatisten solidarisch zeigen müssen, um ihren Hardlinern zu gefallen, und die an ihre Statuten gebunden sind. Zugleich dürfen sie nicht zugeben, dass sie Kataloniens Abenteuer als Wahnsinn und als nicht auf Flandern übertragbar erachten.“
Béatrice Delvaux
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ABC (ES)

Unabhängigkeitsbewegung ist tot

Den Auftritt Puigdemonts am Dienstag vor der Presse in Brüssel erinnert ABC an eine Halloween-Inszenierung:
„Es war eine gruselige und zu den aktuellen Festlichkeiten passende Allegorie. Aber nach dem gestrigen Auftritt von Puigdemont in Brüssel ist eindeutig klar, dass die katalanische Unabhängigkeit tot ist. Gestern versuchte sie noch einmal wiederaufzustehen, mit Puigdemont, der sich als falscher Märtyrer ausgab, während seine eigene Partei schon dabei ist, das Thema abzuhaken. ... Die Sterbeurkunde des Unabhängigkeitsprozesses ist unwiderruflich ausgestellt und die Verantwortlichen schauen resigniert dabei zu, wie ihre Schandtaten in sich zusammenfallen. Sie müssen feststellen, dass sie ihre Bewegung überschätzt und die Macht des spanischen Rechtsstaats unterschätzt hatten.“
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