Posts mit dem Label Irankrieg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Irankrieg werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 14. Juli 2026

euro|topics: Iran-Krieg: Wohin führen die neuen Angriffe?

 



Die USA haben erneut militärische Ziele im Iran angegriffen. Damit solle die Fähigkeit Teherans, Handelsschiffe in der Meerenge von Hormus zu attackieren, geschwächt werden, teilte das US-Regionalkommando mit. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf US-Basen in der Golfregion. Kommentatoren beleuchten mögliche Strategien und ihre Risiken.

Der Tagesspiegel (DE)

Mitunter hilft nur militärischer Druck

Mit diplomatischen Mitteln allein sind solche Konflikte nicht beizulegen, meint der Tagesspiegel:

„Waffeneinsatz in der Waffenruhe gilt als Rechtsbruch. Doch ein haltbarer Frieden am Golf und eine Rückkehr zu der verlässlichen Versorgung mit Öl und Gas zu den vor dem Krieg üblichen Preisen sind nur möglich, wenn Trump die Mullahs durch militärischen Druck konsequent zwingt, die Straße vor Hormus freizugeben. Die Europäer sollten die Lehre auch wegen der Ukraine beherzigen. ... Auch dort ist die Hoffnung abwegig, dass ein Wladimir Putin aus freien Stücken einhält, was ausgehandelt wurde. Er hat nahezu alle Abkommen gebrochen. Einen Friedensvertrag für die Ukraine wird auch er nur so weit respektieren, wie er sich durch anhaltenden militärischen Druck gezwungen sieht.“

Christoph von Marschall
Teilen auf
Zum Originalartikel
 
La Repubblica (IT)

Teheran hat ehrgeizige Ziele

La Repubblica sieht ein taktisches Vorgehen des Iran:

„Die Vorherrschaft über die Straße von Hormus ist lediglich ein Mittel zum Zweck, Irans strategisches Ziel ist weitaus ehrgeiziger: seine Rolle als Regionalmacht im gesamten Golf mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Die Revolutionsgarden wollen nicht nur demonstrieren, dass sie trotz der amerikanischen Luftangriffe weiterhin in der Lage sind, überall zuzuschlagen. Vor allem wollen sie deutlich machen, dass Donald Trump nicht bereit ist, zum Schutz der sunnitischen Monarchien in einen Krieg einzutreten. Diese strategische Vorstellung steckt hinter der Eskalation der Revolutionsgarden.“

Gianluca Di Feo
Teilen auf
Zum Originalartikel
 
Jutarnji list (HR)

Fehlkalkulation möglich

Momentan gelingt es Iran noch, mit asymmetrischer Kriegsführung regionale Konflikte zu schüren, analysiert Jutarnji list:

„Teheran ist in einer besseren Position, da die US-Angriffe keinen Einfluss auf seine Vergeltungsmöglichkeiten und das Überleben des Regimes haben. Während die Angriffe andauern, wird das unzufriedene iranische Volk keine Demonstrationen organisieren. ... In diesem Moment steuert der Iran die Dynamik des latenten Krieges, der sich durch ständige Scharmützel kennzeichnet, doch Kriege entwickeln sich selten so, wie sich das die beteiligten Parteien wünschen. ... Die US-Angriffe haben das Regime nicht gestürzt, doch haben sie den militärischen Kapazitäten der Islamischen Republik riesigen Schaden zugefügt. Teheran könnte sich verkalkulieren und in einer Lage wiederfinden, in der es nicht mehr asymmetrisch antworten kann.“

Željko Trkanjec
Teilen auf
zur Homepage
 
Mladá fronta dnes (CZ)

Beide Seiten brauchen eine Einigung

Mladá fronta dnes beleuchtet den Bedarf an einer friedlichen Lösung bei beiden Parteien:

„Die Zeit drängt, die US-Zwischenwahlen stehen bevor. Ein Krieg ist für Trump zu riskant, und die Iraner wissen das. Der Präsident wird wohl letztendlich eine Wiederaufnahme des Waffenstillstands und Verhandlungen bevorzugen. Doch auch die Gegenseite muss den nicht ablehnen. Der Economist schrieb, die meisten Iraner wünschten sich wirtschaftliche Erholung und eine Lockerung der Sanktionen, nicht die Wiedereinführung der US-Seeblockade und einen weiteren Krieg. ... Paradoxerweise liegt es also im langfristigen Interesse beider Länder, einen Ausweg zu finden.“

Miloš Balabán
Teilen auf
zur Homepage
 
Salzburger Nachrichten (AT)

So finanziert die Welt die Mullahs

Die Salzburger Nachrichten ärgern sich über Trump:

„Denn die Straße von Hormus, durch die bisher rund ein Viertel des Rohöls bzw. ein Fünftel des Flüssiggases, die weltweit gehandelt werden, ging, wird wohl auf längere Zeit nicht mehr gratis passierbar sein. Diese Maut zahlen indirekt wieder wir alle über höhere Preise. Damit finanzieren wir unfreiwillig das Mullah-Regime mit. Donald Trump hat mit dem Start des Kriegs gegen den Iran also uns allen einen Bärendienst erwiesen und den Mullahs ohne Not einen neuen Hebel in die Hand gegeben. ... Es braucht daher jetzt Druck von vernünftigen Kräften ... . Denn von einer Waffenruhe, die tatsächlich hält, würden sie alle profitieren: die gemäßigten Politiker in den USA und im Iran, die Weltwirtschaft, die Zivilbevölkerung in Nahost – und wir alle als Konsumentinnen und Konsumenten.“

Stefan Veigl
Teilen auf
Zum Originalartikel

Donnerstag, 11. Juni 2026

euro|topics: 100 Tage Iran-Krieg: Gordischer Knoten in Nahost?

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat am Sonntag die Dauer von 100 Tagen erreicht. Trotz vereinbarter Waffenruhe kommt es immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Washington und Teheran. Darüber hinaus bleibt auch der Libanon weiter ein Konfliktherd, in dem sich Israel und die Hisbollah heftig bekämpfen. Kommentatoren ziehen eine bittere Bilanz.

Der Standard (AT)

Keiner will am Ende als Verlierer dastehen

Dieser Krieg dreht sich nur noch um Stolz und Eitelkeiten, betont Der Standard:

„Die inhaltlichen Verhandlungen über ein Abkommen sind schwierig genug. ... Aber noch komplizierter ist ein psychologischer Faktor: Donald Trump und die iranischen Machthaber möchten sich beide am Ende zum Sieger erklären und keinesfalls als Verlierer dastehen. Deshalb fühlen sie sich bemüßigt, auf angebliche und echte Provokationen des anderen entschlossen zu reagieren. Wenn eine Seite schießt, muss die andere zurückschießen – und schon ist die Waffenruhe wieder in Gefahr. Jeder möchte die letzte Rakete abfeuern und damit beweisen, dass man der Stärkere ist. Militärisch haben die Angriffe der vergangenen Tage überhaupt keinen Sinn, sie dienen nur dem verletzten Stolz in Washington und Teheran.“

Eric Frey
Teilen auf
Zum Originalartikel
 
Naftemporiki (GR)

Strategische Unklarheit

Naftemporiki analysiert:

„Die Lage im Nahen Osten gleicht zunehmend einem Konflikt, der sich einem eindeutigen Ausgang entzieht. Auf der einen Seite ist die Diplomatie praktisch 'eingefroren'. Die Drohungen zwischen Washington und Teheran gehen fast täglich weiter, die militärischen Angriffe haben nicht aufgehört und jeder neue Vorfall wird als möglicher Auslöser für eine weitere Eskalation dargestellt. Andererseits ist der Waffenstillstand nicht vollkommen am Ende, die Kommunikationskanäle bleiben offen und beide Seiten vermeiden sorgfältig den Schritt, der zu einem totalen Krieg führen würde. ... Das Ergebnis ist eine eigenartige Situation strategischer Unklarheit. Niemand gewinnt, niemand verliert und niemand scheint bereit zu sein, das Spiel bis zum Äußersten durchzuziehen.“

Efi Triiri
Teilen auf
Zum Originalartikel
 
La Vanguardia (ES)

Teheran kommt die Lage zugute

Das iranische Regime kann bestens Nutzen aus dem Krieg ziehen, meint La Vanguardia:

„Der große Gewinner ist der Iran. ... Im Inland hat er die Aufstände unter dem Vorwand, den Islam gegen einen äußeren Feind zu verteidigen, niedergeschlagen. ... Mit der Blockade der Straße von Hormus hat er ein strategisches Instrument entdeckt, das ihm beispiellose Macht verleiht. ... Unter diesen Umständen ist es dem Iran nur recht, wenn sich der Konflikt in die Länge zieht. Sein Plan war es stets, die angespannte Lage in der Region aufrechtzuerhalten. Deshalb hat er Aufständische im Libanon, im Jemen, im Gazastreifen und in Syrien unterstützt oder internationalen Terrorismus finanziert. Das Ajatollah-Regime kann in aller Ruhe mit Trump verhandeln, während es sein Atomprogramm und sein Raketen- und Drohnenarsenal ausbaut.“

Jordi Juan
Teilen auf
Zum Originalartikel