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Montag, 26. Dezember 2022

Oded Galor: Einheitliche Wachstumstheorie und die segensreiche Investition in Humankapital

 Oded Galor "ist vor allem als Schöpfer der Unified Growth Theory bekannt" (Wikipedia) 

Auch für Laien gut lesbar geschrieben ist:

"The Journey of Humanity. Die Reise der Menschheit durch die Jahrtausende: Über die Entstehung von Wohlstand und Ungleichheit. dtv durch die Jahrtausende: Über die Entstehung von Wohlstand und Ungleichheit." dtv April 2022 (Perlentaucher) 

Wolfgang Schneider berichtet über das Buch Galor komme "zu der Erkenntnis, dass das Humankapital ein entscheidendes Element in der Entwicklung der Menschheitsgeschichte sei. Denn seit der industriellen Revolution investierten Unternehmer vermehrt in die Bildung potentieller Arbeitskräfte und Familien beschränkten sich auf weniger Kinder, denen sie eine bessere Ausbildung zukommen ließen, jeweils um den eigenen Wohlstand beziehungsweise Gewinn zu steigern".

Gustav Seibt "freut sich über den höchst optimistischen Blick auf die Menschheitsgeschichte und -zukunft"  (beide Perlentaucher)

Ich finde vor allem bemerkenswert, dass er ernsthaft versucht, die Produktivitätssteigerung infolge Industriellen Revolutionen primär aus 'vermehrter Humankapitalbildung' (S.151 und passim) zu erklären. Zwar verschweigt er fossile Energien, den atlantischen Dreieckshandel (Sklaven) und die weitgehende Ausrottung indigener Völker nicht ganz. Aber dem malthusianischen Zeitalter (mit dem er die Menschheitsgeschichte von vor der Neolithischen Revolution bis zur ersten Industriellen Revolution zusammenfasst) sei die Menschheit primär durch gesteigerte Investition in Humankapital entkommen. 

Dass statt der Begrenzung regionaler Bevölkerungen durch die mathusianische Katastrophe jetzt eine Gefährdung der gesamten Weltbevölkerung durch die Klimakatastrophe droht, spielt er herunter, indem er so tut, als ob nicht ein Jahrzehnt, sondern viele Jahrzehnte zur Umsteuerung und Entwicklung neuer Technologien reichten. Dabei zitiert er selbst Bill Gates von 2021 "Wir müssen uns im nächsten Jahrzehnt massiv auf Technologien, Maßnahmen und Marktstrukturen fokussieren, die uns auf den Weg bringen, die Treibhausgase bis 2050 zu eliminieren." (S.158/59)

Dass das scheitern muss, wenn wie in den vergangenen Jahrzehnten die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung an ihrer Lebensweise festhalten*, übergeht er geflissentlich.

"Zwar hat also die industrielle Revolution eine globale Erwärmung ausgelöst, doch könnte der mit ihr zeitgleich einsetzende demographische Übergang deren Folgen auch wieder abschwächen und so den potentiellen Zielkonflikt zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschutz die Spitze nehmen. Ein anhaltendes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Verringerung weiterer Umweltzerstörung und Vermeidung der Wahrscheinlichkeit eines Kollapses wird im wesentlichen von genau denselben Schlüsselfaktoren abhängen, die uns in diese missliche Lage geführt haben: technologische Innovation, die uns aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffe herausführt und den Übergang zu umweltfreundlichen Technologien erleichtert, und einen Rückgang der Geburtenrate, wodurch sich die Belastung der Umwelt durch die Bevölkerung verringert und weiteres Wirtschaftswachstum angeregt wird." (S.158)

"Diese Strategien und Strukturen sollten weltweit die Gleichstellung der Geschlechter fördern, den Zugang zur Bildung erleichtern, die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln sicherstellen und so zu einer Verringerung der Geburtenrate auf der ganzen Welt beitragen. Indem sie den gegenwärtigen Trend der globalen Erwärmung abschwächen, verschaffen Sie uns wertvolle Zeit für die Entwicklung der bahnbrechenden Technologien, die wir für diesen Kampf benötigen. [...] Dann sollte die unglaubliche Kraft menschlicher Innovation, die im Zeitalter des Fortschritts so spektakulär entfesselt wurde, in Verbindung mit dem Rückgang der Geburtenrate – beides befördert durch die Bildung von Humankapital – die rechtzeitige Entwicklung der benötigten revolutionären Technologien möglich machen. Gelingt dies, wird die Klimakrise in den kommenden Jahrhunderten nur noch eine allmählich verblassende Erinnerung sein." (S.159)

Im Jahr 1992 hätte man das als blauäugigen Optimismus durchgehen lassen können. Im Jahr 2022 stellt es eine Verleugnung des Scheiterns der Bemühungen der letzten drei Jahrzehnte dar. 

* "Die obersten 10 Prozent der Weltbevölkerung sind für etwa 50 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich, während die untere Hälfte der Weltbevölkerung lediglich 12 Prozent aller Emissionen beiträgt." (Piketty in Das Klima-Buch, S.445)

Mit seinem Konjunktiv "könnte" versucht er zu verschleiern, dass inzwischen ohne eine Änderung der Lebensweise der oberen zehn Prozent alle Bemühungen von 90 Prozent der Weltbevölkerung zur Erfolglosigkeit verdammt wären. 

Der demographische Übergang hat zwar schon weitgehend stattgefunden, aber angesichts des Mehrverbrauchs der wirtschaftlichen "Eliten" ist er nahezu bedeutungslos. Das hat die Entwicklung Chinas, das trotz Ein-Kind-Politik dabei ist die USA als größten Treibhausgasemittent zu überholen, gezeigt. 

Dass nicht nur die wirtschaftliche Situation des Mittelstandes (insbesondere in China) sich verbessert hat, sondern auch die absolute Armut über mehr als ein Jahrzehnt abgenommen hat, damit hat Galor freilich recht.

Claudia Goldin hat deshalb das 20. Jh. als "das Jahrhundert des Humankapitals" bezeichnet.

Zitate:

"Zu den größten technologischen Errungenschaften dieser Ära gehören die Nutzung der Atomenergie, die Einführung von Computern, die Entwicklung von Antibiotika, das Automobil und das Flugzeug, der Rundfunk, das Fernsehen und natürlich das Internet. Neben all diesen Neuerungen hat der technologische Wandel jedoch auch unsere ältesten und wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse verbessert. Die Entwicklung besonders ertragreicher und krankheitsresistenter Arten von Getreide, Mais und Reis hat in kürzester Zeit die Produktion der Landwirtschaft erhöht. Die als 'Grüne Revolution' deklarierte Einführung solch neuer, ertragreicher Sorten hatte enorme Erntesteigerungen zur Folge und reduzierte weltweit den Hunger. Mexiko konnte sich so in den 1960er-Jahren zum Selbstversorger mit Getreide und Mais entwickeln, während Indien und Pakistan ihre Ernten in den Jahren 1965-1970 fast verdoppelten und 1974 schließlich nicht mehr auf Einfuhren angewiesen waren." (S. 150)

Die Verbreitung von Technologien über den Globus während des 20. Jahrhunderts erhöhte wie immer nicht nur die Nachfrage nach Humankapital und steigerte dessen Wert, sie brachte auch den Demographischen Übergang bis in den letzten Winkel des Planeten. Der weltweite Anstieg der Investitionen in das Humankapital führte zwischen 1976 und 2016 zu einem Anstieg der Alphabetisierungsrate unter der erwachsenen Weltbevölkerung von 61 Prozent auf 83 Prozent bei Frauen und von 77 Prozent auf 90 Prozent bei Männern. Unterdessen sank der Anteil von Mädchen die keine Grundschule besuchten, von 35 Prozent im Jahr 1970 auf 10 Prozent im Jahr 2016, bei den Jungen entsprechend von 20 Prozent auf 8 %. In Ländern, deren Bevölkerung laut Weltbank nur ein geringes Einkommen erzielt, fiel der Anteil der Mädchen, die keine Schule besuchen, sogar von 70 Prozent im Jahr 1970 auf 23 Prozent im Jahr 2016, bei Jungen entsprechend von 56 Prozent auf 18 %.

Und wie Sie sich inzwischen sicher denken können, hatte die vermehrte Humankapitalbildung überall einen Rückgang der Geburtenrate zur Folge [...]. Im Zeitraum von 1970 bis 2016 sank die Geburtenrate von einem weltweiten Durchschnitt von 5 Kindern pro Frau auf 2,4 Kinder. Der Rückgang vollzog sich flächendeckend, wenn auch regional unterschiedlich stark. In Ländern mit hohen Einkommen fiel die Geburtenrate von 3 Kindern pro Frau auf 1,7, in Ländern mit niedrigen Einkommen von 6,5 auf 4,7  Im subsaharischen Afrika von 6,6 auf 4,8, in der arabischen Welt von 6,9 auf 3,3, in China – hauptsächlich aufgrund der seit 1979 propagierten Einkindpolitik – von 5,7 auf 1,6, in Indien von 5,9 auf 2,3." (S.151/12)

Freitag, 13. März 2020

Coronavirus und Klimawandel



#Covid_19 und #Klimawandel : eine schnelle Entwicklung und eine langsamere. Bei der langsamen: #Schulpflicht , bei der schnellen #Schulschließung Wann lernen die Regierungen, dass in beiden Fällen jedes Zögern alles verschlimmert? 1/2
#Covid_19 als #Lernprogramm Erst wird vor Alarmisten gewarnt, keine #Panik ! Dann merkt man, dass nur Handeln Panik u Katastrophe verhindern kann. Die Börse stieg, als das Virus sich ausbreitete, sie fiel, als China erfolgreich war. Handeln ist besser als der Börse glauben.





Wenn die Coronavirusepidemie uns hilft, dann nicht so sehr, weil sie die CO²-Emissionen senkt, sondern weil sie zeigt, dass Wachstum tödlich ist, wenn es ungebremst ist.
Mathematisch ausgedrückt: wenn es exponentielles Wachstum ist.
Wir müssen erst die Beschleunigung auf Null setzen, damit wir dann eine sinnvolle Geschwindigkeit erreichen können.
Aber gegenwärtig ...
... haben wir nicht einmal angefangen, vom Gas zu gehen. Vom Bremsen ganz zu schweigen.
Nachhaltiges Wirtschaften ermöglicht wachsenden Wohlstand. Aber dorthin kommen wir nur durch kreative Disruption.
Unser Geschäftsmodell muss "zerschlagen" werden, damit besseres Wachtum entsteht.

In der Theorie gehört als alles schon längst zum modernen Management. Aber der Blick die tägliche Börsenentwicklung hindert Manager trotzdem, es zu begreifen.
Die Coronaepidemie hat in der Börse einen kurzfristigen Effekt gehabt. Aber die Börse kann nicht lernen. Sie schwankt ständig zwischen Boom und Baisse. Sie funktioniert nur, weil es ständig kleine Zusammenbrüche gibt, die ungebremstes Wachtum verhindern.

Der Coronavirus ist wie Lehmann nur gefährlicher SZ 13.3.20

Er ist die zweite Chance!

(Wenn Wirtschaft und Politik jetzt wieder nichts daraus lernen, dann klauen sie wirklich vielen Millionen die letzte Chance zu überleben. Dann geht es nicht nur um 20 Millionen wie bei der "Spanischen Grippe".)

Freitag, 30. November 2012

Ende des Wachstums

Wie schnell muss in den Industrieländern eine Schrumpfung erreicht werden, damit weltweit ein Ende des Wachstums möglich wird?

Streitgespräch (Video ) zwischen Michael Dauderstädt und Niko Paech

Dazu die Warnung zum Klimawandel: 5 Grad Erwärmung zu erwarten

Sonntag, 19. Juni 2011

Wer herrscht in der Bundesrepublik?

Die ZEIT lässt online Geis und Ulrich von einer "grünen Hegemonie" schwadronieren. Meiner Beobachtung nach ist die Diktatur der Bosse (Herrschaft klingt mir als Bezeichnung für das gegenwärtige System irgendwie zu harmlos) nur ein ganz klein wenig angekratzt.
Dass sie zur Eurorettung (mit Zeitungsanzeigen) wieder den Steuerzahler heranziehen wollen, selbst aber fortlaufend Alimentierung mit weiteren Milliarden fordern, als ob sie durch die Zinsgeschenke für die Banken ncht ohnehin im Schlaraffenland lebten, spricht allerdings dafür, dass sie nicht einal an einen solchen kleinen Kratzer glauben.
Dabei wäre es allerhöchste Zeit für eine Regulierung des Finanzsystems und eine Beendigung des tödlichen Krebses "Wirtschaftswachstum" (= Ressourcenvernichtung zum Zwecke einer Steigerung von BIP und BSP).
Doch das waren der allgemeinen Selbstverständlichkeiten schon zu viel.

Sonntag, 17. April 2011

Links zu Zivis, Wohlstand ohne Wachstum, Blogs von Musliminnen und Plagiaten in Dissertationen

CDU-Abgeordnete wollen Zivis durch Hartz-IV-Empfänger ersetzen.

Tim Jackson: Wohlstand ohne Wachstum


Dies Buch in 2. Besprechung

http://www.ein-fremdwoerterbuch.com/
Leben als Türkin in Deutschland taz-Kolumnistin, 22 J.

http://www.tortureinegypt.net/
Noha Atef, ägyptische Studentin schreibt über Polizeifolter in Ägypten

Plagiate in der Dissertation von Silvana Koch-Mehrin
Nachtrag vom 15.6.11:
Die Universität Heidelberg entzieht der FDP-Europaabgeordneten Koch-Mehrin den Doktortitel wegen systematischen Plagiats (sieh Tagesschau)

Spiegel online über Vroniplag (21.4.11)