Donnerstag, 4. Juni 2026

Ein christlicher Unternehmer über das Gesundheitswesen

 In einer Zeit, wo das untere [Einkommens]-Drittel sich immer mehr verschuldet und Flaschensammeln zu einem wichtigen Nebenberuf geworden ist, andererseits aber der Aktienmarkt dank der Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz in immer neue Rekordhöhen aufsteigt, pusht der christliche Gesundheitskonzern Agaplesion die KI-Firmen durch Investitionen in das Lebensende unter dem Motto:

»Uns fehlt vor allem für den Anfang und das Ende des Lebens Geld« 

Interview:  ZEIT 2.6.2026

"[...] ZEIT: Ihr Konzern ist gemeinnützig. Da würde es reichen, wenn Sie bei plus/minus null rauskämen ...

Horneber (Agaplesion): Da muss ich widersprechen. Nur wenn wir Gewinne machen, können wir uns eine bessere Medizin leisten. Nehmen Sie unser Markus Krankenhaus hier an unserem Hauptsitz in Frankfurt am Main. Da haben wir gerade 22 Millionen Euro in unser Strahlenzentrum investiert. Dank künstlicher Intelligenz und neuer Geräte können wir nun die Tumoren sehr viel präziser und schonender bestrahlen. Patienten mit Brust-, Prostata- oder Lungenkrebs brauchen dadurch viel weniger Sitzungen als früher und gewinnen so an Lebensqualität. Finanziert haben wir das zu einem Drittel aus unseren Gewinnen.

ZEIT: Die Krankenhauslobby sagt, den Kliniken fehle es an Geld. Wie kommt es, dass Sie im vergangenen Jahr 28 Millionen Euro Gewinn gemacht haben bei mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz?

Horneber: Wir gehen sehr vernünftig mit dem Geld um. Allerdings müssen Sie auch sehen: Wir machen den Großteil unseres Gewinns eben nicht mit unseren 20 Krankenhäusern. Auch die sind zwar profitabel und haben im vergangenen Jahr sieben Millionen Euro abgeworfen. Dass es uns finanziell so gut geht, liegt aber vor allem an unseren Servicegesellschaften. Wir betreiben zum Beispiel ein eigenes Logistikzentrum, in dem wir alles vorhalten, was man in einem Krankenhaus so braucht, vom Desinfektionsmittel bis zur Hüftgelenksprothese. Wir haben 60 Lastwagen, mit denen wir bundesweit unsere eigenen Häuser beliefern, aber auch die von Wettbewerbern. [...]

Wir müssen als christlicher Klinikbetreiber ohne Subventionen auskommen. Wir schaffen das, weil wir wirtschaftlich handeln. Das erwarte ich von kommunalen Kliniken auch. [...] Wir sind aber profitabel, das Klinikum Höchst ist es nicht und wird von der Stadt aus Steuermitteln querfinanziert. Das ist Geldverschwendung. [...] Es gibt keinen Grund, warum es zwangsläufig kommunale Kliniken geben muss, wenn sie nicht wirtschaftlich betrieben werden können. [...] Egal wer ein Krankenhaus betreibt, es muss sich rechnen. Sonst bekommen wir die Kosten im Gesundheitssystem nie in den Griff."

https://www.zeit.de/2026/25/markus-horneber-agaplesion-kliniken-krankenhausreform/komplettansicht




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