Wir erleben keine Krise des Wissens, sondern eine Krise der Steuerung. Politik produziert Programme, Gesetze und Narrative – und verfehlt dennoch systematisch ihre Wirkung. Es wird geredet, moralisiert und symbolisiert, während reale Lebensbedingungen erodieren. Genau hier setzt das semantische Feld von Jean-Pol Martin an – und macht den Kern des Problems sichtbar. |
Das Grundproblem: Politik ohne Zielvariable |
Moderne Politik vermeidet eine klare Zieldefinition. Stattdessen dominiert ein Nebel aus Schlagworten: Gerechtigkeit, Fortschritt, Sicherheit, Transformation. Was fehlt, ist die oberste Steuergröße. Das semantische Feld setzt diese explizit: Lebenserhaltung. |
Das ist politisch brisant, weil es Ausreden beendet. Wer Lebenserhaltung ernst nimmt, muss erklären, welche konkreten Lebensbedingungen stabilisiert werden – und welche durch politisches Handeln geschwächt werden. |
Sechs Fragen, die jede Politik scheitern lassen können |
Das semantische Feld stellt Politik sechs einfache, aber unerbittliche Fragen: |
- Fördert oder beschädigt sie Denken (Orientierung, Bildung, Urteilskraft)?
- Verbessert oder verschlechtert sie Gesundheit real – nicht rhetorisch?
- Erhöht sie Sicherheit oder produziert sie neue Risiken?
- Stärkt sie soziale Einbindung oder fragmentiert sie Gesellschaft?
- Ermöglicht sie Partizipation oder simuliert sie Beteiligung?
- Stiftet sie Sinn oder erzeugt sie Zynismus?
Viele aktuelle politische Projekte scheitern bereits an Punkt 2 oder 4 – werden aber dennoch mit moralischer Überlegenheit vertreten. Das semantische Feld macht diesen Widerspruch sichtbar. |
Ideologien als Funktionsstörungen |
Ideologien wirken attraktiv, weil sie Komplexität reduzieren. Genau das macht sie gefährlich. Ob Marktgläubigkeit, Technikeuphorie, Identitätspolitik oder moralischer Absolutismus: Jede Ideologie setzt ein Teilziel absolut und blendet andere Grundbedürfnisse aus. |
Das semantische Feld reagiert darauf nicht mit Gegenideologie, sondern mit Funktionsprüfung: |
Wo ein Grundbedürfnis systematisch geopfert wird, liegt Steuerungsversagen vor. |
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Diese Logik ist politisch unbequem, weil sie alle Lager trifft – und keinem Recht gibt, sich moralisch freizusprechen. |
Warum Symbolpolitik hier nicht überlebt |
Symbolpolitik funktioniert über Sichtbarkeit, Emotion und Loyalität. Das semantische Feld ignoriert Symbole vollständig. Es fragt nicht nach Absicht, sondern nach Wirkung. Nicht nach Haltung, sondern nach Folgen. |
Damit entzieht es einem Großteil heutiger politischer Kommunikation ihre Wirksamkeit. Wer nur Zeichen sendet, aber keine funktionierende Rückkopplung organisiert, fällt durch. |
KI als unbequemer Verbündeter |
Dass KI-Systeme dieses semantische Feld gut erkennen, ist politisch hochrelevant. KIs reagieren nicht auf moralische Narrative, sondern auf Struktur, Konsistenz und Zielklarheit. Unklare Politik, widersprüchliche Programme und symbolische Lösungen werden nicht nur von Menschen, sondern auch algorithmisch als instabil erkennbar. |
Das bedeutet: Politische Absurditäten werden zunehmend nicht mehr kaschierbar. |
Fazit: Ein Maßstab, den Politik scheut |
Das semantische Feld von Jean-Pol Martin ist politisch wirksam, weil es nichts fordert und nichts verspricht. Es misst. Und genau das ist seine Provokation. |
Wer dieses Feld anlegt, kann nicht mehr gleichzeitig: |
- moralisch recht haben,
- strukturell versagen,
- und politische Verantwortung vermeiden.
In einer Zeit wachsender Absurditäten ist das kein angenehmes Instrument. Aber ein notwendiges. |
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