Dienstag, 6. Januar 2026

euro|topics: Nach US-Angriff in Venezuela: Ist jetzt Grönland dran?


Nach der Gefangennahme von Staatschef Maduro in Venezuela hat US-Präsident Trump seinen Anspruch auf Grönland erneut bekräftigt. Die Insel sei "umzingelt von russischen und chinesischen Schiffen" und wichtig für die Sicherheit der USA, sagte er dem Magazin The Atlantic. Dänemarks Regierungschefin Frederiksen warnte daraufhin vor dem Ende der Nato, sollten die USA Grönland militärisch angreifen.

Le Figaro (FR)

Der ultimative Test für Europa

Nun wird sich zeigen, ob Europa bereit ist, seine Souveränität zu verteidigen, urteilt Le Figaro:

„Wenn Kolumbien oder der Iran sich ihm widersetzen, könnte Donald Trump Grönland als leichte Beute betrachten: 56.000 unglückliche Einwohner, die auf einer Eiswüste isoliert sind, die viermal so groß ist wie Frankreich. Die Souveränität Dänemarks? Ein gefügiger Verbündeter, der mit amerikanischen Waffen ausgerüstet ist, die er ohne die Zustimmung Washingtons nicht einsetzen darf. Die Herausforderung liegt also bei Europa. Bislang scheinen Macron, Starmer und Merz wegzuschauen, aber die Stunde der Wahrheit rückt näher: Nach den einseitigen Zöllen und der Unterwerfung der Nato steht Europa vor der ultimativen Bewährungsprobe.“

Philippe Gélie
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Die Zeit (DE)

EU muss lernen, auch Trump abzuschrecken

Die Zeit erinnert an Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags:

„Darin steht, dass 'im Fall eines Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates die anderen Mitgliedstaaten verpflichtet sind, ihm mit allen in ihrer Macht stehenden Mitteln zu helfen und ihn zu unterstützen'. Um diesen Artikel mit Leben zu füllen, könnten die Verteidigungsminister der größten Mitgliedsländer der Union sich dieser Tage nach Kopenhagen aufmachen und in größtmöglicher Konkretion darüber diskutieren, was denn Dänemark im Fall des Falles für Beistand bräuchte – und es zur Verfügung stellen. ... Wir sind in das Zeitalter des Neoimperialismus eingetreten. Bisher musste die EU in erster Linie den russischen Imperialisten Wladimir Putin abschrecken. Jetzt muss sie eiligst lernen, auch den Imperialisten Donald Trump abzuschrecken.“

Ulrich Ladurner
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Sergej Medwedew (RU)

Nachahmer dürfen sich ermutigt fühlen

Politologe Sergej Medwedew fürchtet auf Facebook weitere territoriale Übergriffe – nicht nur seitens der USA:

„Vor einem Jahr haben wir noch über den 'Gulf of America' und die Forderung, Grönland und den Panamakanal abzutreten, gelacht. Aber jetzt ist es nicht mehr lustig. Es würde mich nicht wundern, wenn wir eines Morgens von einer amerikanischen Landung in Grönland lesen würden (Dänemark hat bereits offiziell Protest gegen die ständigen Äußerungen von Trumps Beratern eingelegt), von der Schaffung einer 'Sicherheitszone' auf mexikanischem Gebiet oder von amerikanischen Schlachtschiffen im Panamakanal. Doch die Hauptfolgen werden sich nicht in Amerika zeigen, sondern weltweit, wo ähnliche Operationen kopiert und ausgedehnt werden. Willkommen im neuen Weltkriegsjahr.“

Sergej Medwedew
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Berlingske (DK)

Verbündete innerhalb der USA finden

Berlingske fordert die dänische Regierung zum Handeln auf:

„Dänemark kann daran arbeiten, stärkere Verbindungen zum US-Kongress aufzubauen, der unter der Trump-Administration Version II zwar völlig zahnlos erscheint. Aber eine Koalition aus wenigen Republikanern und Demokraten könnte durchaus eine Mehrheit bilden, die es Trump erschweren würde, gegen Grönland und Dänemark vorzugehen. Schließlich sollten die grönländischen Politiker sich der Realität voll und ganz bewusst werden: Jetzt ist nicht die Zeit für weitere Diskussionen über die Unabhängigkeit. Jede Bewegung in diese Richtung erhöht die Gefahr, dass Trump dies ausnutzen könnte, um Dänemark und Grönland zu spalten.“

Tom Jensen
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La Repubblica (IT)

Arktischer Seeweg weckt Begehrlichkeiten

Seine Lage zwischen Arktischem Ozean und Nordatlantik rückt Grönland ins Zentrum eines globalen Machtspiels, erörtert La Repubblica:

„Dort, wo die globale Erwärmung neue Schifffahrtsrouten eröffnet. Die sagenumwobene 'Nordwestpassage', die den Welthandel beschleunigen und eine Abkürzung zwischen Asien und Europa schaffen könnte - etwas, das China seit Langem begehrt. So sehr, dass es 2018 sogar eine 'Polare Seidenstraße' ins Leben rief. ... Peking kündigt bereits an, den transarktischen Verkehr nach Russland ausweiten zu wollen, um Flüssigerdgas zu importieren. Diese Idee beunruhigt die Amerikaner (und sogar die Nato). Moskau unterhält in der Arktis Atomwaffenstützpunkte und U-Boote. Dies erhöht Grönlands potenzielle Rolle als strategischer Kontrollpunkt über diesen Korridor.“

Anna Lombardi
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Expressen (SE)

Schweden muss Seltene Erden fördern

Wie Schweden Dänemark konkret unterstützen könnte, beschreibt Expressen:

„Donald Trump hat wiederholt erklärt, die USA müssten aus Sicherheitsgründen die Kontrolle über die Insel erlangen. Die Tatsache, dass die Gletscher die weltweit größten Vorkommen an Seltenen Erden verbergen, dürfte mindestens genauso viel Gewicht haben. 95 Prozent der heutigen Produktion finden in China statt - das auf Trumps Zölle mit einem Exportstopp reagierte. ... Wenn die Regierung den Druck auf Kopenhagen und Nuuk verringern will, gibt es eine konkrete Maßnahme, die sie ergreifen kann: Sie sollte [dem staatlichen Bergbauunternehmen] LKAB grünes Licht geben, mit dem Abbau der Per-Geijer-Lagerstätte in Kiruna zu beginnen, und dafür sorgen, dass diese Botschaft bis nach Washington vordringt. In Kiruna befindet sich eine der größten bekannten Lagerstätten für Seltene Erden in Europa.“

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