Donnerstag, 2. November 2017

Wie Trump auf Terror reagiert




Nach dem Terroranschlag in New York mit acht Toten und elf Schwerverletzten will US-Präsident Trump die Einreisebestimmungen verschärfen und die Greencard-Verlosung abschaffen. Für den geständigen Täter forderte er die Todesstrafe. Kommentatoren werfen dem Präsidenten Doppelmoral vor und fürchten, dass sich Terror durch Einzeltäter kaum verhindern lässt.
THE GUARDIAN (GB)

Ganz schlimme Doppelmoral

Präsident Trump hat auf den Anschlag in New York viel härter reagiert als auf den viel schlimmeren in Las Vegas vor einem Monat, kritisiert The Guardian:
„Wenn jemand mit einem Laster auf einer Straße in New York Menschen niedermäht und 'Allahu Akbar' ruft, ist er ein muslimischer Terrorist, eine weltweite Topmeldung und eine Bedrohung für die Sicherheit der Nationen. ... Nach dem Massaker in Las Vegas waren 'extreme Sicherheitsüberprüfungen' von Waffenbesitzern kein Thema - obwohl diese eine tausendmal größere Gefahr für US-Amerikaner darstellen als irgendein Terrorist. Es gab keinerlei Andeutungen, dass es an der Zeit sei, das Strafgesetz oder die Regelungen in diesem Bereich zu ändern. Las Vegas ging als eines jener Ereignisse in die Geschichte ein, die einfach passieren. Waffen sind eine speziell amerikanische Form des Terrors.“
Simon Jenkins
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DER STANDARD (AT)

Terror lässt sich nicht verhindern

Die Reaktion von Präsident Trump auf den Terroranschlag von New York verdeutlicht die Hilflosigkeit der Politik, urteilt Der Standard:
„Wenn 'einsame Wölfe' sich in Hinterhofmoscheen oder übers Internet radikalisieren, sich dann hinters Steuer eines Lasters klemmen und auf Menschen auf der Straße zurasen, dann gibt es keine Möglichkeit, dies im Vorhinein zu verhindern. Trumps umstrittener Einreisebann gegen sechs mehrheitlich muslimische Länder hätte in diesem Fall nichts genutzt: Usbekistan steht nicht auf der Liste, und der mutmaßliche Täter war bereits seit Jahren im Land. Es mag ja grundsätzlich sinnvoll sein, die skurrile Lotterie für US-Einwanderungsvisa einzustellen und Immigranten in Zukunft nach Qualifikation auszusuchen. Vor Terror schützt das nicht. Auch ein gebildeter Elektroingenieur kann sich zu einem Islamisten wandeln.“
Eric Frey
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LA REPUBBLICA (IT)

IS wird zur Untergrundbewegung

Gerade weil die IS-Terrormiliz militärisch besiegt ist, erhöht sich die Terrorgefahr, analysiert La Repubblica:
„Die Art des Vorfalls zeigt, dass die territoriale Niederlage des Islamischen Staats nicht das Ende des Terrorismus im Westen bedeutet, sondern dass er die Form eines asymmetrischen Kriegs annimmt. Nach dem Fall der Hochburgen Rakka und Mossul ist die Terrormiliz gezwungen, in den Untergrund zu gehen. Die Strategie des asymmetrischen Kriegs wird sich dadurch unweigerlich weiter ausbreiten. Wie viele haben sich wie der Usbeke Sayfullo Saipov und vor ihm die Tunesier Amri und Bouhlel oder der Brite Masood, um nur die fanatischen Fahrer von Berlin, Nizza, London zu nennen, in - wie der IS sie nennt - 'Soldaten' verwandelt, ohne zuvor unter dem Banner der IS-Terrormiliz in Syrien oder im Irak gekämpft zu haben?“
Renzo Guolo
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STANDART (BG)

Trump wird Migrationsgesetze verschärfen

Der Anschlag in New York wird die Einwanderungsdebatte in den USA zusätzlich anheizen, meint Wessela Tschernewa vom Thinktank European Council on Foreign Relations in einem Gastbeitrag in Standart:
„Trump weiß, dass der Anschlag in New York, im Herzen Amerikas, seinen Umfragewerten schaden könnte. Deshalb war seine erste Reaktion, die Einwanderungsdebatte wieder in den Vordergrund zu rücken. Er sprach sich auf Twitter für die Abschaffung der Greencard-Verlosung aus, weil der mutmaßliche Attentäter auf diese Weise im Jahr 2010 in die USA eingewandert sein soll. Nun ist zu erwarten, dass die USA ihre Regeln für legale Einwanderung - besonders aus Ländern mit muslimischer Bevölkerung - weiter verschärfen werden.“
Vessela Tcherneva
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Wie Trump auf Terror reagiert

Mittwoch, 1. November 2017

Was will Puigdemont in Brüssel erreichen?

Was will Puigdemont in Brüssel erreichen?
Der abgesetzte und der Rebellion beschuldigte Ex-Regionalpräsident Kataloniens, Carles Puigdemont, hat am Dienstag in Brüssel erklärt, dass er nur nach Spanien zurückkehren werde, wenn ihm ein gerechtes Verfahren gewährt wird. Sollte er nicht am Donnerstag vor Gericht erscheinen, droht ihm ein Haftbefehl. Kommentatoren bewerten Puigdemonts Auftritt in Belgien.
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (CH)

Verlagerung des Konflikts an die Urne

Puigdemonts Flucht nach Brüssel, um von dort aus Wahlkampf zu machen, wertet die Neue Zürcher Zeitung als richtigen Schritt:
„Es sieht nun jedenfalls so aus, als ob die Separatisten sich auf die Neuwahl des Regionalparlaments konzentrieren wollten. Alles deutet darauf hin, dass der 21. Dezember zum nächsten grossen Kräftemessen werden wird. Die gegenwärtige Ruhe dürfte damit im Zusammenhang stehen. Die Separatisten haben bisher auf massiven zivilen Widerstand verzichtet. Dies hätte die Ausschaltung der Regionalregierung nur verzögert und wohl zu Gewalttätigkeiten und Unruhen geführt, welche die Teilnahme der Separatisten an den Wahlen gefährdet hätten. Wenn sich beide Seiten nun auf die Wahlen konzentrieren, ist dies insofern positiv, als dies bedeutet, dass der Konflikt damit nicht auf der Strasse ausgetragen wird, sondern an der Urne, wo er in einer Demokratie auch hingehört.“
Werner J. Marti
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HOSPODÁŘSKÉ NOVINY (CZ)

Ein Kapitän geht nicht als erster von Bord

Wenig Verständnis für Puigdemonts Reise nach Brüssel bringt Hospodářské noviny auf:
„Vom Schiff der katalanischen Unabhängigkeit flüchtet Kapitän Puigdemont ins Ausland. Er flüchtet nicht als letzter, wie es anständig wäre, sondern als erster. Damit erzeugt er den Eindruck, dass er als Führer der Nation feige ist. Er will erst zurück, wenn er von Spanien nicht näher spezifizierte 'Sicherheitsgarantien' bekommt. ... Spanien könnte schadenfroh sagen, wenn Puigdemont es ernst mit seinem Kurs meint, soll er zurückkehren und im Wahlkampf dafür kämpfen. Und sollte er lieber im Ausland zum Märtyrer werden wollen, könnte Madrid ihm zynisch raten, sich diese Aura idealerweise mit einem Aufenthalt in einem spanischen Gefängnis zu verdienen.“
Teodor Marjanovič
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ADEVÂRUL (RO)

Gefahr eines Präzedenzfalls

Belgien sollte Carles Puigdemont auf keinen Fall politisches Asyl gewähren, fordert der Journalist Cristian Unteanu in seinem Blog bei der Tageszeitung Adevărul:
„Sollte ein solcher Antrag positiv beschieden werden, würden automatisch extrem gefährliche Präzedenzfälle innerhalb der europäischen Rechtsprechung geschaffen. Denn damit würde die belgische Justiz einerseits ein Zeichen senden, dass die spanischen Rechtsinstanzen nicht funktionieren und womöglich nicht unparteiisch sind. Und andererseits könnte ab sofort ein europäischer Separatistenführer einen 'Rückzugsort' in einem anderen Land Europas finden, auch wenn die Justiz seines Landes einen europäischen Haftbefehl gegen ihn verhängt hat.“
Cristian Unteanu
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LE SOIR (BE)

Problematisch für Belgien

Die Flucht Puigdemonts hat innenpolitische Auswirkungen in Belgien, analysiert Béatrice Delvaux, Chefredakteurin von Le Soir:
„Im Grunde genommen bringt Carles Puigdemont alle in unserem Land in Verlegenheit: Zum einen die schizophrene Regierung, die sich - obwohl ihr nationalistische Minister angehören - mit dem Thema Unabhängigkeit befassen muss. … Aber auch - und zwar in gleichem Maße - die schizophrenen [flämischen] Nationalisten, die sich gegenüber den katalanischen Separatisten solidarisch zeigen müssen, um ihren Hardlinern zu gefallen, und die an ihre Statuten gebunden sind. Zugleich dürfen sie nicht zugeben, dass sie Kataloniens Abenteuer als Wahnsinn und als nicht auf Flandern übertragbar erachten.“
Béatrice Delvaux
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ABC (ES)

Unabhängigkeitsbewegung ist tot

Den Auftritt Puigdemonts am Dienstag vor der Presse in Brüssel erinnert ABC an eine Halloween-Inszenierung:
„Es war eine gruselige und zu den aktuellen Festlichkeiten passende Allegorie. Aber nach dem gestrigen Auftritt von Puigdemont in Brüssel ist eindeutig klar, dass die katalanische Unabhängigkeit tot ist. Gestern versuchte sie noch einmal wiederaufzustehen, mit Puigdemont, der sich als falscher Märtyrer ausgab, während seine eigene Partei schon dabei ist, das Thema abzuhaken. ... Die Sterbeurkunde des Unabhängigkeitsprozesses ist unwiderruflich ausgestellt und die Verantwortlichen schauen resigniert dabei zu, wie ihre Schandtaten in sich zusammenfallen. Sie müssen feststellen, dass sie ihre Bewegung überschätzt und die Macht des spanischen Rechtsstaats unterschätzt hatten.“
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