Montag, 3. November 2008

Zur Finanzkrise

Dass jetzt die strebsamen Latinos, denen man ihre schwer verdienten Häuser weggenommen hat, auch noch mit ihren Steuern die Rettung der Banken finanzieren, ist zum aus-der-Haut- fahren. Aber nachdem zwanzig Jahre lang die Shareholder-value-Ideologie nicht überwunden werden konnte, war nichts anderes zu erwarten.
Einen Vorzug hat der Kapitalismus: Es braucht nicht 70 Jahre zu dauern, bis eine Ideologie sich überlebt. (Aber ich befürchte, die Shareholder-Value-Ideologie überlebt doch noch.)

Dienstag, 7. Oktober 2008

Bushs Vermächtnis für die US-Außenpolitik

Es reicht Bush nicht, dass er in Afghanistan und Irak ein Minenfeld für jeden Nachfolger angelegt hat.
Jetzt löst er auch noch den 1970 in Kraft getretenen Atomwaffensperrvertrag auf. Er hat durch ein Telefongespräch mit China in der NSG durchgesetzt, dass Indien mit Atomtechnologie beliefert werden darf, obwohl es dem Vertrag nicht beigetreten ist.
Folge: Jeder Staat, der die Atombombe entwickeln will, weiß jetzt. Das ist nicht problematisch. Langfristig wird es keine Sanktionen mehr geben. Und er darf hoffen, dass das wie mit Indien so geregelt wird, dass niemand seine militärischen Atomanlagen kontrollieren darf (vgl. ZEIT, 11.9.08).
Der 11. 9. 2001 war wahrhaft ein historisches Datum: Er erlaubte es Bush junior, die politische Struktur in Afghanistan und im Irak zu zerstören, und gibt ihm jetzt noch die Rechtfertigung, die bedingte Kooperation der Atommächte, die zum Ende des Kalten Krieges geführt hat, endgültig einzureißen.
Da braucht es wahrlich Mut, jetzt noch Präsident der USA werden zu wollen.

Sonntag, 28. September 2008

Woher kommt die Zeit für die Erstellung von Wikipedia her?

Shirkey ist der Meinung sie kommt von fortfallendem Fernsehkonsum. Elya sieht's ähnlich.
Ich könnte auch gut zustimmen. Denn in der Tat hat sich auch mein Fernsehkonsum durch Wikipediaarbeit reduziert.
Aber die wichtige Frage ist ja: Woher kam die Zeit fürs Fernsehen her? Sie kam von Vereinsarbeit, Parteiarbeit, Nachbarschaftsgesprächen. Das war wichtige kommunikativ und ergebnisorientiert genutzte Zeit.
Die gesellschaftliche Zeit, die gegenwärtig in die Wikipedia geht, ist vermutlich nicht einmal ein Zehntel der Zeit, die durch Fernsehen für den sozialen Zusammenhang verloren worden ist.

Samstag, 27. September 2008

Fotos ohne Informationswert


Fotos dienten in der Zeitung von Anfang an als Hingucker und zur Auflockerung des Layouts.
Dass sie nur noch dazu dienen und gar keinen Informationswert haben, ist allerdings ein neuer Trend, der vielleicht durch den Einfluss der online-Ausgaben der Zeitungen entstanden ist. Dort wird oft mit erotischen oder anderen Fotos versucht, die Aufrufzahlen zu erhöhen.
Immerhin fällt es noch auf, wenn eine seriöse Tageszeitung wie die Frankfurter Rundschau einen Artikel zum Kniefall des US-Finanzministers vor der Führerin der Demokraten mit einem Foto illustriert, auf dem ein Putzmann die Bühne staubsaugt, auf der das Fernseh-Duell McCain - Obama stattfinden soll.
Das Bild dieses Blogeintrags zeigt übrigens eine Fülle von Satzbruchstücken, die in sich keinen Sinn geben, aber eine Vielfalt von Lebenssituationen andeuten, auf einer Glaswand vor einer Kirche am Neusiedlersee. Dort sind diese Wörter statt der Fassade der Kirche die Hingucker.
Was hat Sie zuerst interessiert, der Inhalt des Artikels oder das Bild? Jetzt dürfen Sie ruhig auch das Bild anklicken und nachlesen, was da steht.

Freitag, 26. September 2008

Finanzkrise

Ist es überhaupt noch eine Neuigkeit, dass jetzt auch Washington Mutual zusammengebrochen ist?

Hier werde ich Tagesmeldungen nicht mehr als solche registrieren, sondern nur noch, wenn sie einen längerfristige Entwicklung widerspiegeln. Diesmal die Bankenkrise der USA, die trotz hunderter von Milliarden, die die großen Notenbanken der Welt zur Rettung unverantwortlich geleiteter Unternehmen ausgegeben haben, zur Weltfinanzkrise geworden ist.
Zu einer Finanzkrise, die keine Weltwirtschaftskrise zu werden braucht, wenn die Fachleute diesmal ihr Können einsetzen, um rechtzeitig die zerstörerischen Kräfte des Marktes einzudämmen, bevor sie die gesamte Weltwirtschaft erfasst haben.

Montag, 15. September 2008

Blogger und Mailer aller Länder vereinigt euch

Diese Aufforderung kann man bei Apanat finden. Dort steht auch, wie er darauf kommt.

Donnerstag, 31. Juli 2008

Türkei

Durch das Ausbleiben des Verbots der AKP ist eine Verfassungskrise vermieden worden.

Es geschah mit einer Stimme Mehrheit, und ich kann nicht recht glauben, dass das ohne Absprache geschah. Zu groß war die Gefahr und zu sehr sind die Verfassungsrichter am Erhalt laizistischer Orientierung interessiert.

Donnerstag, 24. Juli 2008

Obama

Ein klares Bekenntnis zum Multilateralismus. Ein an die Welt gerichtetes "Fragt nicht, was die USA für euch tun können, fragt danach, was wir gemeinsam tun können". Die Rufe "Yes we can" vom Publikum in seinem Sinne einbauend. Nach der Forderung Beteiligung in Afghanistan die Ankündigung Abbau von Atomwaffen. "People of Berlin. Peoples of the world." Es war eine gute, Hoffnung erweckende Rede.
Deswegen hat er mich freilich nicht für die Vorstellung gewonnen, Deutschland werde durch einen Angriffskrieg am Hindukusch verteidigt. Doch eine Ankündigung, er wolle Irak und Afghanistan verlassen, wäre für seinen Wahlkampf gewiss eine zu große Belastung.
Doch wird er sicher auch nach der Wahl versuchen, einen verlorenen Krieg noch zu gewinnen, jedenfalls bis zu einem Zwischenerfolg zu führen, der ihm erlaubt zu gehen. Die Europäer dabei besser eingebunden zu haben, als es im Irak gelungen ist, wäre ja auch schon ein Erfolg.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Trugen Falschinformationen zur Börsenkrise bei?

Das FBI ermittelt gegen 21 US-Finanzkonzerne und 400 Personen. Ein Beispiel mehr für Gauner an der Börse oder Ablenkung davon, dass die Konstruktion des Finanzsystems und die Bankenaufsicht nicht stimmt?

Dienstag, 15. Juli 2008

Bedingungsloses Grundeinkommen bedeutet Kombilohn

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist praktisch ein Kombilohn für alle abhängig Beschäftigten. Daher hat es alle Nachteile mit dem Kombilohn gemeinsam.
Für die Bezieher höherer Einkommen ist freilich der BGE-Anteil des Kombilohnes vernachlässigenswert. Für die aus dem Arbeitsmarkt Herausgefallenen bedeutet es, dass sich niemand mehr dafür zuständig führen wird, ihnen wieder hinein zu helfen; denn - so das Grundverständnis - sie brauchen ja keine Arbeit, und wenn sie kein Arbeitsverhältnis eingehen, wollen sie ja offenbar auch keine.
Für den öffentlichen Sektor bedeutet es:
Reduktion aller öffentlichen Leistungen, Übernahme von Bildung, Gesundheitsvorsorge, Kulturförderung und innere Sicherheit durch private Dienstleister, Sponsoren und Stiftungen; denn der Staat hat dann kein Geld, mehr als seine Selbstreproduktion sicherzustellen. Alles andere muss er outsourcen an private Geldgeber.

Das BGE wäre eine enorme Verwaltungsvereinfachung, aber es würde den Zusammenhang der Gesellschaft und die Leistungsfähigkeit des Staates noch mehr zerstören, als sie es schon sind.

Natürlich wäre es schön, wenn unser Wertsystem sich änderte und Bewahrung von Ressourcen als wichtiger angesehen würde als die Produktion nutzloser Güter, die nur über Manipulation an den Käufer zu bringen sind. Praktisch aber würde die hoffnungslose Ökonomisierung des Lebens der am Arbeitsmarkt Orientierten noch weiter getrieben und die anderen fühlten sich aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Dietmar Dath formuliert dazu: "Denn natürlich stimmt jeder Aufsichtsrat, dessen Mitglieder noch bei Trost sind, jederzeit für eine Beschäftigungs-, Innovations- und Rationalisierungspraxis, die den maximalen Profit erwirtschaftet, statt dafür, aufsässige Autobrandstifter aus der französischen Vorstadt mit attraktiven Aufstiegchancen zu bestechen, damit sie nicht wüten."
Das gilt heute schon und würde dann noch mehr gelten.