Parteien stehen immer für unterschiedliche Meinungen, die sich nur auf einem kleinsten gemeinsamen Nenner verständigt haben. So gesehen dürften bei hohem Anspruch an Übereinstimmung auch die meisten Parteimitglieder nicht ihre eigene Partei wählen.
Verloren gehen selbstverständlich auch alle - theoretisch möglichen - Stimmen der Nichtwähler unter den Wahlberechtigten, nicht nur der Wähler, die eine Partei gewählt haben, die an der 5%-Hürde scheitern. Wenn man es Wählern ermöglichen würde, ihre Stimme prozentual auf mehrere Parteien aufzuteilen, käme bestimmt ein anderes Ergebnis heraus als bei dem gegenwärtigen System.
Aber Parteien gibt es gerade deswegen, weil sich bei den wenigsten Wahlberechtigten ein exakt messbarer Wählerwille ergäbe. Artikel 21 des GG "Die Partien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit." zeigt also, dass die Parteien nicht nur die Aufgabe haben (zusammen mit ihrer vom GG geforderten "demokratischen Struktur"), durch innerparteiliche Diskussion und innerparteiliche Kompromisse, die vielen unterschiedlichen Meinungen zu bündeln, sondern auch dazu, den im einzelnen Wähler nicht feststellbaren eindeutigen "Wählerwillen" überhaupt messbar zu machen.
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