Helmut Schmidt interviewt von Günter Gaus (1966)
1966 war ich empört, dass Schmidt im Wahlkampf die CDU sehr scharf kritisiert hat und alles mögliche angeführt hat, was die "neue Regierung" anders machen müsse, und dann doch in die große Koalition ging.
Nach diesem Video glaube ich, dass er in diesem von heute aus gesehen noch relativ jungen Alter von 47 Jahren schon ein sehr reifes Urteil hatte.
Die Versuchung, ihn als besser zu bewerten als die gegenwärtigen Spitzenpolitiker ist groß; aber in der Zeit als ich ihn als Politiker erlebt habe (damals 22), habe ich doch sehr unterschätzt, wieviel Reflexion, wieviel Risikobereitschaft und wie viele Arbeit er schon damals - vor jedem Ministeramt - in seine Tätigkeit gesteckt hat. Auch heute weiß ich viel zu wenig über das, was Arbeit als Spitzenpolitiker bedeutet, als dass ich beurteilen könnte, wie sich die Arbeit unter heutigen Bedingungen von den damaligen unterscheidet, ganz zu schweigen davon, was ein Spitzenpolitiker so und so leisten muss.
Interessant sein Lob und seine Kritik an Strauß, die beide nicht auf die politisch unterschiedliche Zielsetzung Bezug nehmen.
Er spricht das Problem von MDBs an, die ohne Aussicht auf eine Pension, um ihren Lebensunterhalt und halbwegs ähnliches Auskommen für sich und ihre Familie um eine Wiederaufstellung kämpfen müssen und deshalb ihre Unabhängigkeit von der Partei weitgehend verlieren.
Das erinnert mich an die Situation, wie ich in Bonn als Besucher im Fraktionssaal der SPD saß. Die Vorstellung, dort als Teilnehmer der Fraktionsführung auf Augenhöhe wahrgenommen werden zu wollen, machte klar, wie schwer es ist, sich als Neuling eine Position in der Fraktion zu erarbeiten. Auch dieses Problem sprich Schmidt aus seiner Erfahrung an. ("Von 1953 bis 1962 war Schmidt erstmalig Mitglied des Deutschen Bundestages, wobei er von 1958 bis 1961 zugleich Mitglied des Europäischen Parlaments war. In seiner Funktion als Senator der Polizeibehörde in Hamburg ab 1961 wurde er während der Sturmflut 1962 als Krisenmanager weit über Hamburg hinaus bekannt und geschätzt. [...] Von 1953 bis zum 19. Januar 1962 und von 1965 bis 1987 war Schmidt Mitglied des Deutschen Bundestages. Nach seinem Wiedereinzug 1965 wurde er sofort stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Von 1967 bis 1969, während der ersten Großen Koalition der Bundesrepublik, hatte er schließlich den Vorsitz der Fraktion inne. Schmidt bekannte später, dass ihm dieses Amt während seiner politischen Laufbahn am meisten Spaß gemacht habe." (Wikipedia: H. Schmidt)
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