"[...] China hat begonnen, künstliche Intelligenz zur billigen Massenware zu machen und untergräbt, damit Amerikas technologischen Vorsprung. Mit Dumping-Preisen drückt die Volksrepublik ihre KI in die westlichen Märkte. Dabei geht es nicht in erster Linie um private Nutzer, die sich ihren Lebenslauf von ChatGPT schreiben lassen oder Gemini nach neuen Kochrezepten fragen. Peking will die Vorreiterschaft bei den Firmenkunden, den Unternehmen, die mithilfe der KI womöglich Milliardengeschäfte aufbauen werden. Und so droht sich bei den KI-Modellen zu wiederholen, was den Chinesen bei Stahl, Solarzellen und E-Auto-Batterien schon genauso gelungen ist: Erst fluten Sie den Markt mit staatlich subventionierten Billigprodukten, zerstören so die westliche Konkurrenz und bauen Quasi- Monopole auf, um schließlich die Abhängigkeit des Westens gezielt zu nutzen.
Dienstag, 16. Dezember 2025
China und KI
Auch bei der künstlichen Intelligenz geht China dabei äußerst strategisch vor. Während Washington versucht, Peking mit Exportverboten, für modernste KI-Chips von Nvidia kleinzuhalten, überschwemmen chinesische Tech-Konzerne, die Welt mit offenen Spitzenmodellen zum Schnäppchenpreis. Längst gibt es nicht mehr nur DeepSeek, das bekannteste der chinesischen KI-Modelle: Qwen gehört zum riesigen Alibaba-Konzern, das Startup Beijing Moonshot AI hat gerade das Modell Kimi K2 veröffentlicht. Westliche Unternehmen müssen für die Nutzung der China-KI teils nur ein Zehntel dessen zahlen, was OpenAI und Google oder Microsoft verlangen. Gleichzeitig entstehen in asiatischen Nachbarländern Chinas, riesige Rechenzentren, mit denen Konzerne wie Alibaba die Chip-Embargos unterlaufen. Damit gerät nicht nur der technologische Vorsprung der USA in Gefahr, das chinesische KI-Dumping macht es auch noch unwahrscheinlicher, dass sich die Milliarden-Investitionen der US-Tech-Konzerne in Rechenzentren jemals amortisieren werden. [...] [Um den Nachteil der weniger effizienten Chips auszugleichen,] "setzen die chinesischen Konzerne auf zwei alternative Strategien. Die erste ist der Chip-Schmuggel. Seit Monaten gibt es Hinweise, dass illegal Nvidia-Chips aus anderen asiatischen Ländern nach China eingeführt werden. Das stärkste Indiz sind die Exportstatistiken von Taiwan. In dem Inselstaat werden die Nvidia-Chips beim Auftragsfertiger TSMC hergestellt. Zwar landet der größte Teil der Produktion der so genannten GPUs in den USA, allein in diesem Jahr exportierte Taiwan bis Oktober KI-Halbleiter im Wert von mehr als 89 Milliarden Dollar in die Vereinigten Staaten. Zum Vergleich: Deutschland führte in dieser Zeit gerade mal KI-Chips im Wert von 666 Millionen Dollar aus Taiwan ein. Nun ist Deutschland bei künstlicher Intelligenz und dem Bau von Rechenzentren kein Vorreiter. Doch das allein erklärt nicht, warum asiatische Stadtstaaten wie Hongkong im selben Zeitraum für fast 3,6 Milliarden Dollar taiwanische KI-Chips kaufen, Singapur kam sogar auf mehr als 6,9 Milliarden Dollar. Nach Malaysia führte Taiwan GPUs im Wert von über 12 Milliarden Dollar aus und auch Indonesien kam noch auf einen Importwert von mehr als 1,2 Milliarden Dollar. Nicht alle diese KI- Chips landen in China, in einigen Ländern werden die Halbleiter auch verarbeitet und weiter exportiert. Und natürlich werden auch in diesen Staaten Rechenzentren gebaut.
Sie sind wiederum Teil der zweiten Strategie, mit der Peking das Embargo umgeht: Chinesische Tech-Konzerne bauen derzeit große Rechenzentren in Staaten wie Malaysia und Singapur. Laut Medienberichten haben Unternehmen aus dem Alibaba- und Tencent-Umfeld, die jüngste Generation ihrer KI-Modelle in solchen Offshore-Datenzentren in diesen Ländern auf Nvidia-Chips trainiert. Die lokalen Betreiber erwerben die Supercomputer, finanziert wird der Kauf von chinesischen Investoren. Die Konzerne aus der Volksrepublik treten öffentlich lediglich als Kunden der Cloud-Dienste in Erscheinung. Die US–Behörden können nicht kontrollieren, ob lokale Unternehmen legal Hochleistungschips einsetzen oder chinesische KI- Teams über extra eingerichtete Verbindungen auf die Server zugreifen und damit an großen KI- Modellen arbeiten.
Das alle sind Behelfslösungen für China. Und doch haben sie dazu beigetragen, dass die Volksrepublik die westliche Konkurrenz mit ihren Billig-Modellen unter Druck setzen kann. Ausgerechnet aus dem Embargo ist ein Wettbewerbsvorteil entstanden, der im Westen unterstützt wird, sagt Wendy Chang, China Expertin der Denkfabrik Merics. Das Prinzip Not macht erfinderiksch. "Weil sie nur begrenzten Zugang zu moderner Hardware haben, müssen chinesische Entwickler viel effizienter arbeiten – und das tun sie inzwischen bemerkenswert gut", so Chang. Europäische Forscher bestätigen, dass viele chinesische Open-Source-Modelle heute "äußerst sparsam mit Rechenleistung umgehen" und sich damit besonders für Start-ups eignen, die keine eigenen Rechenzentren betreiben können. [...]" (Welt am Sonntag, 30. 11. 2025, S.17)
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