"[...] Seit über 80 Jahren sind die USA in Grönland präsent. Während des Zweiten Weltkriegs widersetzte sich der dänische Botschafter in den USA, Henrik Kauffmann, der von den Nazis kontrollierten dänischen Regierung und handelte im Wesentlichen ein Abkommen aus, um den USA Zugang zu Grönland zu verschaffen. Eine US-Militärpräsenz dort, so die Idee, würde Nazi-Truppen daran hindern, die Insel als Brücke zwischen Europa und Nordamerika zu nutzen. Das Abkommen, das nach dem Krieg eigentlich auslaufen sollte, wurde stattdessen durch die Gründung der NATO im Jahr 1949 bekräftigt, die die USA dazu verpflichtete, Europa gegen sowjetische Streitkräfte zu verteidigen.
USA
dürfen Einrichtungen bauen und betreiben: Vertrag erlaubt
Stationierung von Personal auf Grönland
Ein
Abkommen aus dem Jahr 1951 bestätigt das Recht der USA,
Verteidigungsgebiete in Grönland einzurichten. Der am 27. April 1951
mit Dänemark geschlossene Vertrag mit dem Titel „Verteidigung
Grönlands“ dient laut Präambel dem „Nutzen der
Nordatlantikvertrags-Organisation“.
Er
erlaubt, „das Gebiet für militärische Zwecke zu verbessern und
allgemein dafür geeignet zu machen” und dort „Einrichtungen und
Ausrüstung zu bauen, zu installieren, zu warten und zu betreiben”.
Dazu zählen sowohl der Bau von Anlagen, als auch die Stationierung
von Personal. Die Kontrolle über Schiffe und Flugzeuge ist ebenfalls
vorgesehen, allerdings „unter gebührender Achtung der
Zuständigkeiten der Regierung des Königreichs Dänemark“.
Zumindest
bisher wurde solche Wünsche seitens der USA aber immer mit
Wohlwollen begegnet. „Dieses Abkommen ist sehr großzügig und sehr
offen”, erklärte Mikkel Runge Olesen, leitender Forscher am
Dänischen Institut für Internationale Studien in Kopenhagen,
gegenüber Fortune.
„Die USA könnten mit diesem Abkommen fast jedes erdenkliche
Sicherheitsziel erreichen“, ist er überzeugt. Es sei angesichts
der weitreichenden Bestimmungen des Vertrags „kaum nachvollziehbar,
warum die USA gerade jetzt Grönland übernehmen sollten“.
Denn
in der Vergangenheit seien solche Verhandlungen
stets freundschaftlich
verlaufen. „In der Praxis gab es auf dänischer und grönländischer
Seite immer die Tendenz, unsere Sicherheitsanfragen in Grönland mit
viel Wohlwollen und Offenheit zu betrachten“, so Olesen weiter.
Abkommen
von 1916 widerspricht Trump: USA erkannten Dänemarks
Grönland-Anspruch eindeutig an
Diese
Überzeugung vertritt offenbar auch die dänische Ministerpräsidentin
Mette Frederiksen. „Wir
haben bereits heute ein Verteidigungsabkommen zwischen dem Königreich
und den Vereinigten Staaten, das den Vereinigten Staaten
weitreichenden Zugang zu Grönland gewährt“, erklärte Frederiksen
am Wochenende in einer Stellungnahme. „Ich
möchte die Vereinigten Staaten daher nachdrücklich auffordern, die
Drohungen gegen einen historisch engen Verbündeten und gegen ein
anderes Land und ein anderes Volk, die sehr deutlich gemacht haben,
dass sie nicht zum Verkauf stehen, einzustellen.“
Falls
der US-Präsident nach diesen Aussagen noch
immer Zweifel an den rechtmäßigen Besitzverhältnissen Grönlands
haben sollte, könnte ihm ein Blick in die Akten helfen. Genauer
in ein Abkommen zwischen Dänemark und den USA zum Handel mit
Westindien, das 1916 vom damaligen US-Außenminister Robert Lensing
unterzeichnet wurde. Darin heißt es, „der unterzeichnende
Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, der von seiner
Regierung ordnungsgemäß bevollmächtigt wurde“, habe „die Ehre
zu erklären, dass die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
keine Einwände dagegen erheben wird, dass die dänische Regierung
ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen auf ganz Grönland
ausdehnt.“ (Quellen: AFP, Fortune, The Guardian) (tpn)
https://www.fr.de/politik/75-jahre-alter-vertrag-sichert-us-militaerpraesenz-in-groenland-unter-einer-bedingung-94133876.html Frankfurter Rundschau 22.1.2026